Sie mischt die Rennstrecken auf und will in die F1

Sophia aus Grünwald: 14 Jahre, 167 PS, ein großer Traum

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Sophia Flörsch stand in Thruxton erstmals ganz oben auf dem ­Podest.

München - Sophia Flörsch aus Grünwald ist erst 14 Jahre alt und hat schon eine Kart-Karriere hinter sich. Auch in Zukunft wird sie weiter die Rennstrecken aufmischen - und irgendwann vielleicht sogar in der Formel 1 fahren. Das tz-Interview:

Andere Mädchen in ihrem Alter tanzen, gehen schwimmen und treffen sich mit Freunden im Kino. Dafür hat Sophia Flörsch aus Grünwald nur selten Zeit. Die 14-Jährige ist das schnellste Mädchen Deutschlands. In der vergangenen Saison hat sie ihre Karriere im Kart beendet. Eigentlich wollte sie gleich in der Formel 4 durchstarten, doch dafür muss sie 15 sein. Deshalb fährt sie eine Saison für das Team HHC Motorsport in der englischen Ginetta Junior Championship. Beim zweiten Rennen in Thruxton stand sie gleich ganz oben auf dem Podest, auch die Trainingszeiten sind top. Deshalb träumt Sophia weiter von der Formel 1. Dort will sie 2019 starten.

Sophia, du wolltest vor allem am Simulator trainieren, bis du alt genug für die Formel 4 bist. Wie kam es, dass du jetzt bei Ginetta startest?

Sophia Flörsch mit tz-Reporterin Beate Winterer.

Sophia Flörsch: Lando Norris, ein früherer Konkurrent, ist vor einem Jahr Ginetta und Kart gleichzeitig gefahren. Er hat mir erzählt, dass es so viel Spaß macht. Ich bin dann mit meiner Mama zum letzten Rennen. Das war ganz anders als beim Kart. Sonntags stehen die Zuschauer in fünf Reihen am Zaun. Im Oktober war ich bei ersten Tests. Ich fahre trotzdem weiterhin Simulator und Formel-4-Tests.

War der Umstieg vom Kart auf Ginetta schwierig?

Sophia Flörsch:Jetzt fahre ich ein richtiges Auto. Es ist größer, es ist schneller, und es hat eine Schaltung. Das ist ein großer Unterschied, aber ich bin schnell reingekommen. Anfangs hatte ich einen Driver Coach neben mir.

Warst du aufgeregt?

Sophia Flörsch: Ja, alles war komplett neu, der erste Start mit Kupplung und allem. Die Strecke ging leicht bergauf, man musste auf der Bremse bleiben. Aber wenn ich im Auto sitze, fällt die Aufregung von mir ab.

Hast du Rituale?

Sophia Flörsch: Ich habe fünf Worte, die ich mir vor jedem Rennen vorsage. Die spornen mich an. Ich verrate aber nicht, welche.

Wie oft bist du in England?

Sophia Flörsch: Wir haben zehn Rennen und dazwischen Tests. In den letzten Wochen war ich mehr in England als hier.

Wie schaffst du die Schule?

Sophia Flörsch: Eine Freundin schickt mir immer die Hausaufgaben und Hefteinträge. Die meisten Lehrer unterstützen mich und sagen mir, was ich lernen muss. Ich will auf jeden Fall Abi machen. Mir könnte ja ein Unfall passieren.

Hast du noch einen anderen Berufswunsch?

Sophia Flörsch: Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Die Formel 1 ist mein Kindheitstraum. Wenn das nichts wird, gibt es Tourenwagen- und Testfahrer, Kommentatoren und Sportjournalisten. Ich will im Motorsport bleiben.

Kommt dein Papa noch immer mit zu den Rennen?

Sophia Flörsch: Ja. Wir sind zusammen unterwegs, seit ich fünf bin. Ich bin daran gewöhnt und finde es gut, ein bisschen Familie dabeizuhaben.

Würdest du gern öfters etwas mit Freunden unternehmen?

Sophia Flörsch: Mir macht das Spaß, was ich mache. Deshalb ist es mir nicht wichtig, aufs Frühlingsfest zu gehen. Und Zeit, mit Freundinnen etwas zu unternehmen, habe ich trotzdem. Wenn auch nicht ganz so viel wie andere Mädchen in meinem Alter.

Mick Schumacher hat vor Kurzem sein erstes Rennen in der Formel 4 gewonnen. Konntest du im Kart mit ihm mithalten?

Sophia Flörsch: Klar, manchmal war er vorne und manchmal ich.

Wie reagieren Jungs, wenn ein Mädchen schneller ist?

Sophia Flörsch: Meine Teamkollegen haben gemerkt, dass ich Speed habe und respektieren mich. Aber viele ärgert es, wenn ich schneller bin. Die bekommen von ihren Vätern gesagt: „Wenn du dich von einem Mädchen überholen lässt, kannst du gleich aufhören.“

Stört dich das?

Sophia Flörsch: Ich finde das lustig, und es spornt mich an.

Wünschst du dir mehr Mädchen im Rennsport?

Sophia Flörsch: Es sind mehr geworden. Aber es ist kein Mädchensport. Meine Schwester spielt auch lieber Hockey und Tennis. Sie ist nur einmal im Kart gesessen.

Wann bist du zum ersten Mal Kart gefahren?

Sophia Flörsch: Mit fünf. Ich hatte aber mit vier schon eine kleine Motocrossmaschine. Damit bin ich auf einer Strecke am Flughafen rumgehüpft. Als mich mein Papa das erste Mal ins Kart gesetzt hat, habe ich angefangen zu weinen, weil der Motor so laut war. Wir haben es erst ein paar Monate später wieder versucht – in der kompletten Motorradausrüstung.

Welche Hobbys hast du außer Motorsport?

Sophia Flörsch: Ich liebe gute Bücher, Thriller zum Beispiel. Seit Kurzem lese ich auch viel über Sportler – Muhammad Ali, Ayrton Senna und Niki Lauda.

Interview: Beate Winterer

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