Der Shooting-Star im tz-Interview

Max Verstappen (17): Er mischt die Formel 1 auf

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Max Verstappen.

Budapest - Max Verstappen war überglücklich nach dem GP von Ungarn, den er auf Platz 4 beendete. Die tz sprach mit dem niederländischen Shootingstar von Toro Rosso.

"Unglaublich! Platz vier ist ein großartiges Ergebnis!“ Max Verstappen war überglücklich nach dem GP von Ungarn. „Ich kann das gar nicht glauben!“ So geht es auch vielen Beobachtern, denn Max ist erst 17 Jahre alt – in dem Alter versuchen sich andere noch als Seifenkistenpiloten. Die tz sprach mit dem niederländischen Shootingstar von Toro Rosso.

Max, es gab vor der Saison einige, die sagen: Sie sind zu jung für die Formel 1. Was antworten Sie diesen Kritikern?

Verstappen: Das ist okay. Jeder kann seine eigene Meinung haben. Am Ende liegt es an mir zu zeigen, dass sie Unrecht haben. Im Übrigen gibt es einen Trend weltweit, dass immer jüngere Sportler in einen Hochleistungssport einsteigen. Real Madrid hat einen 16-jährigen Norweger im Profikader.

Aber einen Führerschein haben Sie noch nicht?

Verstappen: Doch. Ich darf fahren, aber nur wenn mein Vater oder meine Mutter neben mir sitzen. Das ist in Belgien, wo ich wohne, eben so. Da gibt es keine Fahrstunden, sondern die Fahrstunden sind quasi die Fahrten mit den Eltern. Nach einem Jahr muss ich dann die Praxisprüfung machen. Aber ich lasse mich im normalen Verkehr sowieso lieber chauffieren. Oder ich fahre mit dem Zug.

Wie kommt’s?

Verstappen: Ich finde es totlangweilig, ich schlafe fast ein dabei. Es ist viel cooler, nur dazusitzen und sich beim Fahren die Gegend anzuschauen.

Viele haben 2006 auch von Sebastian Vettel behauptet, dass er noch zu jung sei – ist er ein Vorbild für Sie?

Verstappen: In dieser Beziehung ja. Wenn mir jemand einen Zettel hinhalten würde, auf dem steht, dass ich die gleichen Erfolge einfahren könnte, ich würde sofort unterschreiben. Jetzt bin ich aber nur auf die Saison fokussiert.

Wegen Ihres Talents wurden Sie schon mit Senna verglichen. Setzt Sie das unter Druck?

Verstappen: Es macht mich stolz, aber ist noch so weit weg, dass ich mich nicht damit beschäftige.

Hat Ihnen Ihr Vater, der ebenfalls in der Formel 1 fuhr, viel beigebracht?

Verstappen: Ja, auf jeden Fall. Ich würde sogar sagen 95 Prozent. Ohne ihn wäre ich heute bestimmt nicht hier.

Hat er Ihnen den Sport nahegebracht?

Spaß muss sein: Verstappen in der Seifen­kiste.

Verstappen: Nein, im Gegenteil. Als ich vier Jahre alt war, wollte ich schon ein eigenes Kart haben. Er sagte aber, erst mit sechs habe das Sinn. Ich habe aber solange geheult und geschrien, bis er mir dann doch eins gekauft hat. Meine Mutter konnte auch nicht viel dagegen sagen: Sie fuhr ja auch Kartrennen auf hohem Niveau. Gegen Jenson Button oder Giancarlo Fisichella zum Beispiel. So also begann ich mit viereinhalb Jahren mit dem Kartfahren. Ich fuhr, Papa stand am Streckenrand. Er zeigte mir die richtigen Fahrlinien, brachte mir die Bremspunkte bei. Ich wusste sofort, was zu tun war. Ich wuchs damit auf.

Erinnern Sie sich noch an das Kartfahren mit Schumi und seinem Sohn Mick?

Verstappen: Ein wenig. Wir fuhren manchmal zusammen in Urlaub. Ich kann mich erinnern, dass wir manchmal zusammen fuhren. Mein Vater hatte mich dann auf dem Schoss sitzen, Michael Mick. Jetzt fährt Mick in der Formel 4 im Amersfoort-Team – dort fuhr ich in der vergangenen Saison. Er ist dort in sehr guten Händen.

Ihr Vater stieg ja auch sehr früh in die Formel 1 ein…

Verstappen: …aber unter völlig anderen Voraussetzungen. Sein Kollege bei Benetton 1994 war Schumacher. Wie wir wissen, der erfolgreichste Pilot aller Zeiten. Das war die Höchststrafe. Eigentlich hatte er keine Chance, sich zu profilieren. Bei mir ist das anders. Toro Rosso und Red Bull sind es gewohnt, mit jungen Fahrern zu arbeiten.

Fast wären Sie ja bei Mercedes gelandet.

Verstappen: Ja, sie waren alle sehr nett. Toto Wolff, Niki Lauda. Sie boten mir ein GP2-Cockpit an und die Rolle des Test- und Ersatzfahrers, was Pascal Wehrlein jetzt macht. Aber gerade bei der GP2 hatte ich Bedenken. Ich hatte da das Schicksal des Ferrari-Juniors Marcello vor Augen. Der war der King in der Formel 3, und plötzlich stockte in der GP2 seine Karriere. Dieses Risiko war mir zu groß. Dann kam Helmut Marko und sagte: Wir wollen dich als F1-Pilot. Das überzeugte mich am meisten.

Marko kann streng sein…

Verstappen: Ja, aber er ist sehr fair. Wenn du deine Leistung bringst, ist alles gut. Er erinnert mich an meinen Vater. Deshalb bin ich diese Art gewohnt. Mein Dad war auch nie zufrieden und wollte, dass ich immer besser werde. Selbst bei Siegen mit großem Vorsprung moserte er rum: „Kurve drei bist du schlecht gefahren. Da musst du besser werden.“ Er hatte aber immer recht mit dem, was er sagte.

Interview: Ralf Bach

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