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Vettel in der Defensive

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Sebastian Vettel
Sebastian Vettel © picture alliance / dpa

München - Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko hat schon so seine Befürchtungen. Denn: Sowohl Spa am nächsten Wochenende als auch Monza Anfang September sind Mercedes-Terrain.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko schwant nichts Gutes. „Wir müssen die nächsten beiden Rennen überstehen“, stellt der Grazer fest. Grund: Sowohl Spa am nächsten Wochenende als auch Monza Anfang September sind Mercedes-Terrain. Die langen Geraden und langsamen Schikanen kommen den Fahreigenschaften des Silberpfeils entgegen. „Spa und Monza sollten uns liegen“, sagt Teamchef Ross Brawn dementsprechend. Helmut Marko hofft trotzdem auf zwei Dinge. Erstens: „Wir haben in Montreal gewonnen, obwohl der Kurs dort auch eher eine Mercedes-Strecke war.“ Zweitens: Sebastian Vettel. Marko: „Es ist bekannt, dass Sebastian extrem stark aus der Sommerpause zurückkommt und in der letzten Saisonhälfte fähig ist, noch mal eine Schippe draufzulegen.“ Dazu kommt, so Marko: „Wir werden in jedem der noch ausstehenden neun Rennen neue Teile bringen.“

Alles deutet auf einen Zweikampf Vettel gegen Hamilton hin. Sky-Experte Marc Surer sieht ebenfalls Vettel als größte Trumpfkarte von Red Bull: „Das Trainingsduell gegen Marc Webber steht 10:0: Daran sieht man, wie gut Vettel geworden ist. Die Schwächen und Schwankungen hat er abgelegt. Es ist der beste Fahrer im besten Auto. Ich habe das schon nach dem zweiten Titel gesagt. Da hatte er diese Sicherheit bekommen, die man braucht, um Rennen auch mal zu Ende zu fahren, in denen es nicht so läuft. Früher war er damit immer etwas zu temperamentvoll umgegangen. Das hat er abgelegt. Er bleibt jetzt cool, auch wenn es mal nicht so läuft. Seither ist er für mich auf einem Level mit Alonso.“

Die neuen Reifen spielen laut Surer ebenfalls Red Bull in die Karten: „Obwohl sie so viel gejammert haben über die Reifen, die nicht zum Auto passen, gewonnen haben sie trotzdem. Und jetzt, wo die Reifen noch besser passen: Wer soll sie noch stoppen? Die einzige Hoffnung sind viele heiße Rennen. Vom Speed her ist Seb nicht zu stoppen.“

Die Hoffnung von Mercedes heißt Paddy Lowe. Schon zu McLaren-Zeiten galt der Brite als Feuerwehrmann, der ein Auto während der Saison extrem weiterentwickeln kann. 2013 hat er eine klar definierte Aufgabe bei Mercedes: Das Auto bis zum letzten Saisonrennen in São Paulo schneller machen, um Red Bull zu überholen. Dazu gehört auch, die Reifenprobleme endgültig in den Griff zu kriegen. Surer: „Paddy Lowe wird das vielleicht schaffen. Das ist ein neuer Mann, der einen frischen Wind reinbringen wird. Er ist der Meister im Problemelösen. Wie oft hat McLaren mit einem schlechten Auto die Saison begonnen?“

Ferrari und Lotus werden kaum noch in den Titelkampf eingreifen. „Lotus hat Einbrüche, die du nicht haben darfst, wenn du Weltmeister werden willst“, prophezeit Surer. „Der größte Nachteil ist, dass die Finanzen immer noch wackeln. Sie haben genau die gleichen Möglichkeiten in ihrer Fabrik wie McLaren. Aber wenn du nicht genügend Geld hast, um alles auszuprobieren, was dir einfällt, hast du keine Chance. Innovativ sind sie. Das sieht man daran, dass sie die ersten mit einem Dreifach-DRS waren.“ Aber so ist es eben: Ohne Moos ist nichts los. Am Ende entscheidet das liebe Geld. Und in diesem Bereich ist Red Bull nicht in der Defensive gegenüber Mercedes.

Ralf Bach

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

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