Vorm Monaco-GP

Wieso Hamilton bei Mercedes vor Rosberg liegt

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Nico Rosberg (r.) mit Konkurrent Lewis Hamilton.

München - Das Rennen am Sonntag in Monaco ist das Heimrennen von Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Diesen Vorteil will und muss er nutzen, um die WM-Führung von Teamkollegen Lewis Hamilton zurückzuholen.

Einfach ist das nicht, denn Hamilton gilt als gefühlte Nummer 1 bei Mercedes. Der Brite wird verhätschelt, wo es nur geht. Er hat alle Freiheiten, er wird geradezu bemuttert. Gerade von Mercedes-F1-Chef Niki Lauda. Der Österreicher nahm Hamilton sogar gleich nach dem Rennen in seinem Privatjet aus Schanghai mit zurück nach Europa. Rosberg dagegen musste bis spät in den Abend warten, saß dann in der Lufthansa-Maschine inmitten von anderen Passagieren.

Lauda war es auch, der mit Hamilton eine Woche Urlaub machte. In Ibiza erklärte er ihm, wie man Weltmeister wird. Dass jegliche Ablenkung an einem Rennwochenende störe. Deshalb, so Lauda, „habe ich ihm auch gesagt, dass seine beiden Hunde an der Rennstrecke nichts verloren haben“. Seitdem kuschelt Hamilton nur noch zu Hause in seinem Appartement in Monaco mit den beiden englischen Bulldoggen Roscoe und Coco. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff relativiert indes: „Es ist nicht so, dass Niki Lewis das mit den Hunden befohlen hat. Er hat es ihm als Privatperson geraten, nicht als F1-Aufsichtsratschef. Lewis bewundert Niki und hört deshalb auf ihn.“ Wolff gesteht aber ein, dass Hamilton einfach gewisse Freiheiten bräuchte. „Er ist vom Typ her so“,  sagt der Wiener, „während Nico sein Leben sowieso ganz der Formel 1 unterordnet.“

Diese Freiheiten beziehen sich auch auf Pflichten dem Konzern gegenüber. Während Rosberg beim DTM-Auftakt in Hockenheim am ersten Mai-Wochenende brav Mercedes repräsentierte, twitterte Hamilton aus seinem Urlaub im fernen LA geradezu euphorisch Fotos seiner Dauerverlobten Nicole Scherzinger. „Ich habe sie rangelassen“, schrieb er ironisch. Und zwar ans Steuer seiner circa eine Million Euro teuren Shelby Cobra – ein Auto, das zu Ford gehört und definitiv nicht zur Mercedes-Gruppe. Offiziell streitet Mercedes jede Bevorzugung Hamiltons gegenüber Rosberg ab. „Es gibt keine Stallorder, Blödsinn“, winkt Niki Lauda barsch ab. Tatsache ist aber auch: Es gibt Studien, beispielsweise des Marktforschungsinstituts Repucom, die auch Mercedes kennt. Die belegen: Hamilton ist weltweit der zweitbekannteste Pilot hinter Fernando Alonso – noch vor Sebastian Vettel. Rosberg ist nicht unter den ersten Fünf. Soll heißen: Siege von Hamilton lassen sich für Mercedes weltweit besser vermarkten. Im Konzern nimmt man den Spruch „Win Sunday, sell Monday“ (Gewinne am Sonntag, verkaufe am Montag) sehr ernst. „Am Ende sind wir Autoverkäufer“, gibt Toto Wolff denn auch zu.

Eine Frage, die bisher noch nicht schlüssig beantwortet wurde, muss sich Mercedes Chefstratege James Vowles auch gefallen lassen: „Wieso musste Rosberg bei den Rennen in Bahrain und kürzlich in Barcelona zwei Runden länger auf der Strecke bleiben als Hamilton, bevor man ihm neue Reifen aufzog?“ Grund: In dieser Saison ist es eindeutig, dass neue Pneus egal welcher Mischung sofort bis zu drei Sekunden schnellere Rundenzeiten garantieren als die abgefahrenen alten Reifen. In Bahrain betrug Rosbergs Rückstand auf Hamilton im Ziel etwas über eine Sekunde. In Barcelona gar nur 0,6. Hätte man ihn eine Runde früher reingeholt, wäre er von den reinen Zahlen her vorne gewesen.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko vermutet deshalb: „Hamilton muss einen Nummer-1-Status im Team haben. Sonst macht man so was nicht. Bei uns werden die beiden Piloten auf gleicher Strategie fairer behandelt.“ In Monaco am Sonntag hat Rosberg die Chance, mit einem Sieg wieder die WM-Führung zu erobern. Dazu benötigt er aber auch eine faire Boxenstrategie.

Ralf Bach

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