Marko: „Die Piloten brauchen gewisse Freiheiten“

tz-Interview: Wann zeigt Red Bull wieder seine Hörner?

+
Red-Bull-Chef Helmut Marko hofft auf ­Besserung beim GP in Sotschi.

München - Red-Bull-Chef Helmut Marko (72) stellt sich vor dem Italien-Grand-Prix am ­Wochenende im tz-Interview.

Herr Marko, Red Bull hat die Formel 1 viel kritisiert. Was halten Sie als ehemaliger Rennfahrer aktuell von der Königsklasse?

Marko: Die Formel 1 ist immer noch das Highlight des Motorsports. Die Atmosphäre, die Strecken, die Fahrer sind die besten. Das ist das Positive. Ich denke, die Formel 1 ist im Moment zu sehr reglementiert, was die Strafen betrifft. Es wird zu viel geahndet. Was im Strassenverkehr in Ordnung ist, kann man nicht auf die Rennstrecke übertragen. Fans wollen Fights am Limit sehen – dazu muss man den Piloten aber auch gewisse Freiheiten im Zweikampf erlauben und nicht jedes kleine Vergehen groß bestrafen. Dazu kommt: Die Autos sind zu wenig spektakulär, der Fahrer leider deutlich in den Hintergrund getreten. Aber da reagiert man mit der Reglementänderung für 2017 (aggressivere und schnellere Chassis; d. Red.).

Das Motorreglement läuft bis 2020. Ihr Wunsch danach?

Marko: Ich wünsche mir einen Motor, der einen besseren Sound hat und weniger komplex ist. Ich stelle mir auch die Frage: Wozu brauchen wir eine Servolenkung? Warum ein Automatikgetriebe? Fehler der Fahrer sollten auf der Strecke wieder härter bestraft werden, körperlich muss der Sport wieder anstrengender werden. Je gefährlicher es ist, sich am Limit zu bewegen, desto weniger können das. Wir wollen die Besten von den Besten sehen und keine Piloten, die sich wie im PKW zurücklehnen können.

Sind die Regeländerungen für 2017 genug, um Red Bull in der Formel 1 zu halten?

Marko: Sie sind zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Optisch wird das Auto aggressiver wirken und schwieriger für den Fahrer zu beherrschen sein. Das ist das, was wir anstreben. Und Dietrich Mateschitz ist Gott sei dank ein Motorsportfan, der in der Kombination mit den Marketingmöglichkeiten, die ein Teamsponsoring bietet, die Formel 1 als optimale Plattform sieht. Aber das Produkt muss für den Fan stimmen. Und wir müssen eine Chance haben zu gewinnen. Wir brauchen kurzfristig ein siegfähiges Triebwerk.

Was heißt kurzfristig? 

Marko: In den nächsten zwei Jahren.

Kann Renault Ihnen ein siegfähiges Triebwerk bieten? Oder brauchen Sie Mercedes?

Marko: Das nächste Renault-Update kommt in Sotschi, dann werden wir sehen.

Trotzdem haben Sie zuletzt ja einen großen Schritt gemacht. 

Marko: Trotz PS-Manko haben wir seit Ungarn wieder das beste Chassis. Das können wir aus den GPS-Daten herauslesen. Der beste Beweis ist Daniel Ricciardo. Der hatte plötzlich wieder Vertrauen ins Auto. Als hätte es plötzlich in seinem Kopf „Klick“ gemacht.

Zurück zu den Motoren: Ist die Gefahr nicht groß, dass Ihnen Mercedes keine Motoren gibt, weil Red Bull wieder zu gut geworden ist?

Marko: Nein, im Gegenteil. Wenn ich Mercedes-Verantwortlicher wäre, würde ich das gerade zur Motivation nutzen. Ich würde meinen Leuten sagen: „Wir haben den besten Motor, aber nicht mehr das beste Chassis. Jetzt gebt mal Gas, damit sich das wieder ändert.“

Wie sieht es mit eventuell anderen interessierten Herstellern aus Deutschland aus?

Marko: Falls es diesen gibt, bräuchte er drei Jahre, um konkurrenzfähig zu sein.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Fahrern?

Marko: Sehr zufrieden. Kvyat hatte etwas Anlaufprobleme, die aber hauptsächlich auf technische Probleme zurückzuführen waren. Ricciardo kam mit dem Fahrverhalten des Autos nicht klar. Kvyat war plötzlich schneller und dann fängst du als Pilot an zu grübeln. Das war ähnlich wie bei Sebastian Vettel 2014. Jetzt ist der Knoten im Kopf aber wieder gelöst. Zu Toro Rosso kann ich nur sagen: Beide Fahrer haben die Erwartungen übertroffen. Ich betone beide!

Wie sehen Sie Sebastian Vettels Leistungen bei Ferrari?

Marko: Er hat die Freude am Rennfahren wiedergefunden und ist wieder ganz der Alte. Er fährt absolut fehlerfrei.

Zum Abschluss: Hätten der junge Helmut Marko und der junge Jochen Rindt mit dem als streng bekannten Motorsportberater Helmut Marko funktioniert?

Marko: Oh ja, wir wären zusammen ausgegangen und hätten gefeiert. Wenn es passt und wer viel arbeitet, der muss auch viel feiern. Aber alles zu seiner Zeit und natürlich ohne Facebook-Verkündigungen dabei.

Waren Sie mal der Manager von Niki Lauda?

Marko: Nein. Aber ich bin mit ihm zum ersten Treffen mit Enzo Ferrari nach Maranello mitgefahren. Das war eine lustige Fahrt mit vielen lustigen Details.

Wahrscheinlich wären die Details aber wohl eher was für den „Playboy“ gewesen?

Marko: Auch das…

Interview: Ralf Bach

Auch interessant

Meistgelesen

Ecclestone fühlt sich von Formel-1-Chefs ausgesperrt
Ecclestone fühlt sich von Formel-1-Chefs ausgesperrt

Kommentare