Deutscher Pilot im Interview

Wehrlein: „Bin in der Formel 1 angekommen“

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Fühlt sich in der Formel 1 wohl: Pascal Wehrlein.

Sotchi - Der DTM-Triumph 2015, eine starke Rookie-Saison 2016 in der Formel 1 - lange ging es in Pascal Wehrleins Karriere steil bergauf.

Rund um den Jahreswechsel platzte dann die Hoffnung auf den schnellen Wechsel zu Mercedes, dazu kam eine schwere Rückenverletzung, die Zwangspause zum Saisonbeginn und viele öffentliche Spekulationen um den 22-Jährigen. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) spricht Wehrlein über Schmerzen, die öffentliche Wahrnehmung und eigene Ansprüche.

SID: "Herr Wehrlein, das Wichtigste zuerst: Wie geht es dem Rücken?"

Pascal Wehrlein (22, Sauber): "Soweit ganz gut. Bei Erschütterungen im Auto und nach dem Fahren spüre ich noch etwas, aber das ist normal und wird wohl ein paar Monate so sein. Aus medizinischer Sicht ist aber alles in Ordnung."

SID: "Und wie haben Sie die Begleitgeräusche wahrgenommen? Zuletzt gab es ja sogar so etwas wie Verschwörungstheorien über Gründe für die lange Pause."

Wehrlein: "Wir wollten die Schwere der Verletzung eben nicht an die große Glocke hängen. Und diese Spekulationen und Kommentare von außen lasse ich nicht zu nah an mich heran. Mit der Art, wie ich in Bahrain zurückgekommen bin, habe ich glaube ich die beste Antwort gegeben (Platz elf, die Red.)."

SID: "Ist diese Einstellung notwendig in der Formel 1?"

Wehrlein: "Auf jeden Fall, hier braucht man ein dickes Fell. Es gibt kaum eine Sportart, in der man so schnell zum Helden gemacht wird und dann genau so schnell wieder vom Star zur Null schrumpft. Das lernt man."

SID: "Nehmen Sie auch wahr, dass Sie jetzt nicht mehr als 'Rookie' und 'Talent' unterwegs sind, sondern etablierter Pilot sein müssen?"

Wehrlein: "Ich mag den Begriff Rookie sowieso nicht besonders. Man verbindet das immer mit jemandem, der noch viel lernen muss und noch viele Fehler macht. Allein deshalb freue ich mich, jetzt meine zweite Saison zu fahren. Ich fühle mich angekommen in der Formel 1."

SID: "... in der Sie anders als etwa in der DTM aber nicht um Siege und Titel fahren können."

Wehrlein: "Das ist wirklich ein großer Unterschied, und am Anfang war das nicht einfach für mich. Früher habe ich mich schon über einen fünften Platz richtig aufgeregt. Jetzt sind wir aus eigener Kraft nicht in den Top 10, ich musste erstmal lernen, damit umzugehen. Mittlerweile freue ich mich über einen elften Platz aber genau so sehr."

SID: "Das hat bei ihrem Sauber-Debüt in Bahrain ja schon geklappt. Was ist noch möglich?"

Wehrlein: "Sauber hat auf jeden Fall größere Möglichkeiten als Manor im vergangenen Jahr. Wir machen ständig Schritte nach vorne, und mein Ziel ist es, so schnell wie möglich aus eigener Kraft in die Punkte zu fahren. Ohne Glück für uns, ohne Pech der anderen."

SID: "Wie oft schauen Sie eigentlich auf Mercedes und fragen sich, was dort möglich wäre?"

Wehrlein: "Eigentlich gar nicht. Ich stehe natürlich im Kontakt mit dem Team, aber ich denke nicht darüber nach, was ich dort leisten würde. Das wäre Zeitverschwendung, ich bin ja nicht in dieser Position."

SID: "Konnten Sie die Entscheidung denn nachvollziehen, dass Sie Nico Rosbergs Cockpit nicht bekommen haben?"

Wehrlein: "Es ging darum, dass ich noch nicht genug Erfahrung habe. Dass ein Jahr in der Formel 1 noch nicht genügt, um im Silberpfeil konstant um Siege mitzufahren. So wurde mir das gesagt. Ich habe ja jetzt das Sauber-Cockpit, und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wenn ich meine Leistung bringe, klappt es vielleicht in der Zukunft."

SID: "Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sagte, dass ein Duo aus Ihnen und Lewis Hamilton zudem eine gewisse Explosivität mit sich gebracht hätte."

Wehrlein: "Ich weiß nicht, ob das so ist. Natürlich bin ich sehr ehrgeizig. Wenn ich die Chance auf den Erfolg habe und es aus irgendeinem Grund nicht klappt, dann bin ich sehr, sehr unzufrieden. Das ist mein Naturell, ich will mehr holen, als möglich ist. Aber das gilt doch eigentlich für alle in der Formel 1."

SID

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