Kracher am 10. Spieltag

Revier-Derby und Bayer in Lauerstellung

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Das Pott-Derby ist das Highlight des 10. Spieltages.

Düsseldorf - Wer aus dem Bundesliga-Spitzentrio stolpert? Der BVB steht auf Schalke vor der kompliziertesten Aufgabe. Bayern will das 35. Ligaspiel in Serie unbeschadet überstehen, Bayer plant den nächsten Sieg.

Im Schatten des Revier-Derbys und des Top-Duells zwischen Bayern München und Hertha BSC hofft Bayer Leverkusen auf weiteren Rückenwind. Sollte Schalke dem Rivalen Dortmund im 143. Duell Punkte abnehmen, kann Leverkusen erster Bayern-Verfolger werden oder gar die Spitze übernehmen. Nach dem 4:0 gegen Schachtjor Donezk und der Gala von Stefan Kießling hat das Team nicht nur die Phantomtor-Diskussion beiseitegeschoben, sondern auch Zuversicht für die nächsten Aufgaben gewonnen. „Wir standen unter Zugzwang und haben das eindruckvoll gegen Donezk gemacht. Das gibt uns Selbstvertrauen“, sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes vor der Partie gegen den FC Augsburg.

Spitzenreiter und Titelverteidiger Bayern München will sich aber gegen den seit vier Begegnungen unbesiegten Aufsteiger Hertha BSC keine Blöße geben und auch im 35. Bundesligaspiel nacheinander unbesiegt bleiben. Nach dem souveränen Erfolg in der Königsklasse gegen Pilsen warnte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge davor, die Partie gegen Berlin auf die leichte Schulter zu nehmen. „Hertha ist bis dato die positive Überraschung, eine Mannschaft, die sehr gut aufgetreten ist. Das wird am Samstag sicherlich um einiges schwerer werden als heute“, sagte Rummenigge.

Im Blickpunkt des Spieltags steht natürlich das Derby auf Schalke. Die unterschiedlichen Auftritte in der Champions League während der Woche mit dem glücklichen BVB-Sieg beim FC Arsenal und der deutlichen Niederlage der Schalker gegen den FC Chelsea deuten auf leichte Vorteile für die Dortmunder hin.

„Ich denke, dass Borussia Dortmund als Favorit ins Spiel geht. Der vielleicht größte Unterschied ist der, dass es auf Schalke schneller unruhig wird, wenn es nicht wie gewünscht läuft“, sagte der ehemalige BVB- und Schalke-Profi Christoph Metzelder. Zumal die Personalsorgen bei den Gelsenkirchenern extrem sind: Rund ein halbes Dutzend Profis fehlt den Königsblauen.

Die heimstarken Teams von Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 wollen ihre Serie von Spiele ohne Niederlagen vor eigenem Publikum fortsetzen. Allerdings plagen die Gladbacher vor allem in der Defensive Personalsorgen. So stehen in Alvaro Dominguez und Martin Stranzl die etatmäßigen Innenverteidiger nicht zur Verfügung, zwei ihrer Vertreter, Havard Nordtveit und Filip Daems, fallen ebenfalls aus. „Damit müssen wir leben“, sagte Trainer Lucien Favre. Neben Roel Brouwers soll Rechtsverteidiger Tony Jantschke nun im Zentrum spielen, Julian Korb rückt auf die rechte Seite.

Auch die seit sieben Heimspielen unbesiegten Niedersachsen wollen gegen 1899 Hoffenheim den Anschluss an die internationalen Startplätze halten. Die Gäste haben die unglücklichen Umstände mit dem Phantomtor gegen Leverkusen noch nicht ganz verdaut. Trainer Markus Gisdol war im Wochenverlauf bemüht, die Köpfe seiner Spieler frei zu bekommen. „Wir müssen nach vorne schauen“, sagte der Coach.

Wembley, Helmer, Kießling: Diese Tor-Skandale sorgten für Wirbel

Wembley, Helmer, Kießling: Diese Tor-Skandale sorgten für Schlagzeilen

Das Phantomtor von Stefan Kießling beim 2:1 von Bayer Leverkusen bei 1899 Hoffenheim weckte Erinnerungen an den Fall Thomas Helmer aus dem Jahr 1994. Es war nicht die einzige Fehlentscheidung der Fußball-Geschichte, die mit der Torlinientechnologie wohl nicht passiert wäre. © picture alliance / dpa
DAS WEMBLEY-TOR: Das 3:2 des Engländers Geoff Hurst im Endspiel der Weltmeisterschaft 1966 gegen Deutschland ist ein Mythos der Fußball-Geschichte. Bis heute ist ungeklärt, ob der Ball nach dem Schuss von Hurst an die Unterkante der Latte mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie aufsprang. Der sowjetische Linienrichter Tofik Bachramow hatte den Ball hinter der Linie gesehen. © picture alliance / dpa
PHANTOM-TOR I: Dieser Fall ist dem Phantom-Tor von Stefan Kießling am ähnlichsten: Beim Zweitliga-Spiel zwischen Borussia Neunkirchen und den Stuttgarter Kickers (4:3) am 21. Oktober 1978 erkennt der Schiedsrichter ein Tor der Saarländer an, obwohl der Ball durch ein Loch im Seitennetz ins Tor gelangt. Nach einem Einspruch der Kickers und einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht wird der Fernsehbeweis zugelassen und das Spiel wiederholt. Stuttgart gewinnt 1:0. © picture alliance / dpa
KORRIGIERTE FEHLENTSCHEIDUNG: Beim 3:0-Sieg von Bayer Leverkusen gegen Bayern München trifft Arne-Larsen Ökland nach seinem Hattrick im ersten Durchgang mit einem weiteren Schussversuch im zweiten Durchgang die Netzstange hinter Münchens Tor. Beim Zurückprallen trifft der Ball das Tornetz, sodass der Schiedsrichter auf Tor entscheidet. Noch vor Wiederanstoß allerdings korrigierte der Referee seine Fehlentscheidung, nachdem Ökland selbst die Situation aufgeklärt hatte. Der Unparteiische bedankt sich beim Norweger per Handschlag. © picture alliance / dpa
HELMERS PHANTOM-TOR: Im Bundesliga-Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg am 23. April 1994 drückt Thomas Helmer den Ball neben das Tor. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers („Das war der Supergau“) entscheidet nach Befragen des Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor zum 1:0 für die Münchner. Nürnberg protestiert mit Erfolg, das Wiederholungsspiel gewinnen die Bayern 5:0. © picture-alliance / dpa/ SID
HOFFENHEIMER TORKLAU I: Beim Saisonauftakt 2009/10 gegen Bayern München prallt ein Kopfball von Josip Simunic an den Innenpfosten und von dort über die Torlinie. Schiedsrichter Babak Rafati erkannte das Tor nicht an, weil der Assistent falsch lag. Die Partie endete 1:1. © picture-alliance/ dpa
DAS DUISBURGER WITZ-TOR: Beim 5:0-Sieg des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt in der 2. Liga am 17. Januar 2010 prallt ein Schlenzer von Christian Tiffert gegen die Latte, der Ball springt nach Berechnungen des TV-Senders Sky 1,3 Meter vor der Linie auf. Schiedsrichter Marco Fritz gibt dennoch Tor zum 5:0, weil dies sein Assistent anzeigt. © picture alliance / dpa
DIE WEMBLEY-REVANCHE: Deutschland „revanchiert“ sich gegen England 44 Jahre später bei der WM in Südafrika im Achtelfinale. Frank Lampards Schuss schlägt von der Lattenunterkante klar hinter der Torlinie auf. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay lässt aber weiterspielen. Es wäre das 2:2 gewesen. Deutschland siegt am Ende 4:1. © picture alliance / dpa
DAS UKRAINE-TOR: Bei der EM 2012 hat England wieder Glück. Der Ukrainer Marko Devic schießt beim Stand von 0:1 Englands Torhüter Joe Hart an, John Terry kann den Ball erst hinter der Linie klären. Die TV-Bilder sind eindeutig, Referee Viktor Kassai aus Ungarn lässt die Partie weiterlaufen. Auch der Torrichter reagiert nicht. © picture alliance / dpa
HOFFENHEIMER TORKLAU II: Vier Jahre später erwischt es die Kraichgauer erneut. Kevin Vollands Heber im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg landet klar hinter der Torlinie, doch Referee Thorsten Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe sehen es nicht. Das kostet Hoffenheim beim 2:2 den Sieg. © picture alliance / dpa
KIEßLINGS PHANTOM-TOR: Am 18. Oktober 2013 geht ein Kopfball des Leverkuseners Stefan Kießling ans Außennetz des Hoffenheimer Tores. Durch ein Loch im Netz gelangt der Ball ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych entscheidet auf Tor. Leverkusen gewinnt das Spiel 2:1, Hoffenheim legt gegen die Wertung Einspruch ein. © dpa

Am Tabellenende benötigen Eintracht Braunschweig (beim FSV Mainz 05) und der SC Freiburg (gegen den Hamburger SV) dringend ein Erfolgserlebnis. Den Breisgauern gelang am Donnerstag in der Europa League beim 1:1 gegen GD Estoril wieder kein Sieg - damit wartet der SC schon seit zwölf Pflichtspielen in der Bundesliga und Europa League auf einen Punkte-Dreier. „Am Sonntag geht es um unser Leben“, sagte Mittelfeldspieler Gelson Fernandes. „Es geht um unseren Job und den Klassenerhalt in der Bundesliga.“

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