Reporter beim historischen Halbfinale

TV-Kritik: Réthy verwirrt die ganze Nation

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Béla Réthy.

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich nimmt die Berichterstattung vom größten Fußballspiel aller Zeiten unter die Lupe: Wie sich Béla Réthy, die beiden Olivers und KMH seiner Meinung nach geschlagen haben:

Atemlos durchgemacht! Praktisch alle Deutschen, bis hoch zur Bundes-schland-zlerin, saßen gestern bis tief in die Nacht vor dem Fernseher, um das größte Fußballspiel aller Zeiten mitzuerleben – auch von denen, die noch kommen. Den Rumble in the Jungle, nur ohne Dschungel! Das Wunder von Bern, bloß woanders! Die Wiedervereinigung, ohne Mauer! Die deutsche Mondlandung! Von dieser Partie werden wir noch unseren Enkeln erzählen, selbst wenn wir keine Kinder haben. Und wir von der tz, das Gesicht dieser Fußballstadt, verraten Ihnen alles übers Gänsehautentzündungs-Spiel.

Béla Réthy: Verhühnerte 2002 das Endspiel in Japan. Bekam nun in seiner Geburtsstadt Béla Horizonte eine neue Chance und nutzte sie überzeugend. Gevatter Réthy hatte sich den Mantel der Geschichten übergeworfen, redete viel und ausdauernd. Verwirrte in der 11. Minute ganz Deutschland, als er desorientiert rief: „Abgepfiffen! Tor! Tor!“ Danach im Bilde, und genauso fassungslos wie die Restnation: „Sie träumen nicht, es ist wahr“, japste Béla. Beim Zuschauen rieb man sich die Ohren und dachte: Irgend so ne unrealistische Science-Fiction-Sendung grad im ZDF, ulkiger Sender. Am Ende war’s eh völlig wurscht, was er verzählte. An diesem Abend für die Ewigkeit hätte Hansi Hinterseer den Kommentar singen können, und wir wären alle glücklich gewesen.

Oliver Welke: Beim „Finale der Herzen“ trotz Anfangsnervosität in Finalform, auch wenn er das Endspiel leider gar nicht moderieren darf. Man kann dem Olli gar nicht genug danken. Noch bei der EM 2012 hat man ja vor jedem Spiel gebetet: „Lieber Gott, mach mich fromm, lass es nicht im Zweiten komm’!“ Das ist viel besser geworden. Welke jubelte gestern schon früh: „Alle haben es unfallfrei in den Bus geschafft!“ Es war der erste Triumph des Abends. Und beim eingespielten Kahn-Gegentor von 2002 ulkte der Moderatoren-Olli: „Wusstest Du eigentlich, dass Du erst 2002 vom Titan zum Menschen geworden bist?“ Kahn grummelte, dass er lieber Weltmeister als Mensch geworden wäre. In der Pause war Welke angemessen fassungslos: „Olli Kahn und ich haben uns gefragt, ob wir die erste Halbzeit nur geträumt haben.“ Klasse Duo, die beiden. Wat wollense? Dat wollense!

Oliver Kahn: Der ehemalige Vorsitzende der „IG Druck und Parier“ hatte einen harten Tag, zumindest bis zum Anpfiff. Denn die ZDF-Sadisten haben Rivaldo auf die verregnete Dachterrasse eingeladen, seine Nemesis aus dem WM-Finale 2002. Ein Wiedersehen mit seinem Erzrivaldo – der Drucktitan guckte ungefähr so begeistert wie ein Brasilianer nach dem 1:7. Aber er hat nicht gebissen und unterschrieb tapfer sein Finaltrikot von damals. Ansonsten steigerte er sich in völlig neue Superlative: „Wer ersetzt Neymar? Das ist die meistdiskutierteste Frage überhaupt“. Fehlte mysteriöserweise in der Halbzeit, akuter Herzkasperl-Verdacht. Damit meistvermisstester ZDF-Mitarbeiter des Abends.

KMH: War auch da, was will man machen? Kahn warnte früh vor ihr: „Auf nen Gehörschaden muss sich der eine oder andere einstellen.“ Sie begrüßte Cacau, der wie immer von seinem Sohn erzählte, der übrigens Kaba heißt. Cacau ist ja auch so ein Temperamentsbündel. Typischer Brasilianer eben. Ständig Samba. Aber mal ehrlich: An so einem legendären Abend muss man auch mal jönne könne. Katrin sah super aus und redete geiles Zeug!

Jörg Heinrich

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