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Kontinentale Wettbewerbsfähigkeit

50+1: Fußball-Europa in Investoren-Hand? Ein Blick hinter die Kulissen

Scheich-Klub Paris St. Germain (hier gegen Marseille) ist bekannt für seine millionenschweren Transfers
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Scheich-Klub Paris St. Germain (hier gegen Marseille) ist bekannt für seine millionenschweren Transfers.

Debatte um Investoren im Fußballgeschäft: In Europa gehören 49 Klubs Geldgebern oder Firmen. Wie sieht es in den Topligen von Spanien, Frankreich, England und Italien aus?

Es sind zwei Zahlen, über die Fußball-Deutschland seit Jahren diskutiert: 50+1. Die Regel besagt, dass die Klubs die Mehrheit der Anteile halten müssen, und verhindert, dass Investoren die komplette Kontrolle übernehmen. Ausnahmeregelungen gelten für Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim. In diesen Tagen hat die Debatte neuen Schwung bekommen. Karl-Heinz Rummenigge plädierte für die Abschaffung der 50+1-Regel, da sie angeblich die europäische Wettbewerbsfähigkeit gefährde: „Deutschland würde davon profitieren, wenn man den Markt öffnet.“ 

Hannover 96 und Klubchef Martin Kind hatten zuvor versucht, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, waren aber bei der DFL gescheitert. Daher reichten die Niedersachsen vergangene Woche Klage beim Schiedsgericht der Lizenzligen ein. Uli Hoeneß wiederum wies am Donnerstag erneut darauf hin, dass sich der FC Bayern in der Champions League mit reichen Investorenklubs messe: „Wir spielen nicht gegen andere Vereine, sondern gegen Staaten. Wenn es in Zukunft den einen oder anderen Verein nicht mehr gibt, weil ein Staat das Geld abzieht, wird es den FC Bayern noch geben. “Wie sieht’s also bei den großen Bundesliga-Konkurrenten in England, Spanien, Italien und Frankreich aus? 49 Klubs sind dort in Investoren-Hand. Wir blicken auf die Europakarte!

Karte der europäischen Topklubs: Das sind die 49 Investoren-Vereine.

Spanische Liga

Aktuell sind acht der 20 spanischen Erstligaklubs mehrheitlich in der Hand von privaten Investoren. Auffällig: Die finanzstärksten Vereine Real Madrid und FC Barcelona haben keinen Scheich oder Oligarchen im Hintergrund, sondern eine ganze Reihe großer Sponsoren. Sie sind mit Athletic Bilbao und Zweitligist CA Osasuna die einzigen Klubs im spanischen Profifußball, die eingetragene Sportvereine sind und eine große Mitgliederbestimmung zulassen. Alle anderen mussten seit einem Gesetzeserlass im Jahr 1990 zu Sportaktiengesellschaften umgewandelt werden. Die Regierung hatte damals keine Lust mehr auf undurchsichtige Geschäfte und Schuldenberge. Heute lässt sich sagen: Beide Modelle haben nur bedingt Erfolg. Real häuft regelmäßig Schulden an, viele andere Klubs befinden sich im Schlingerkurs. Das erleichtert Geldgebern den Einstieg. So kaufte sich Chen Yansheng bei Espanyol Barcelona ein. Der Chinese ist gleichzeitig Vorsitzender des Spielzeug-Herstellers Rastar. Beim FC Getafe schlug die Royal Emirates Group of Companies aus Dubai zu, benannte den Verein zwischenzeitlich sogar in „Getafe Team Dubai“ um. 

Die finanzstärksten Vereine Real Madrid und FC Barcelona haben keinen Scheich oder Oligarchen im Hintergrund, sondern eine ganze Reihe großer Sponsoren.

Milliardär Peter Lim aus Singapur gönnte sich 2014 den FC Valencia. Sportliches Wissen hatte der Geschäftsmann nicht, er kaufte nach Belieben überteuerte Altstars und holte mit Gary Neville u.a. einen unerfahrenen Trainer. Valencia stand kurz vor dem Absturz in Liga zwei. Mittlerweile hat Lim seinen Assistenten Anil Murthy als Präsidenten installiert, ist nur noch Eigentümer - und der Klub wieder erfolgreicher. Sogar die Familie Guardiola hat Aktien in La Liga. Pere, der jüngere Bruder von Pep, und die City Football Group (u.a. Besitzer von ManCity) kauften sich über 88 Prozent des FC Girona. Und City leiht fleißig Spieler dorthin aus.

Französische Liga

Die Ligue 1 ist en vogue! Girondins Bordeaux steht vor dem Verkauf an die US-Investmentgesellschaft GACP. Noch-Besitzer ist der Fernsehsender M6, eine Tochterfirma der RTL Group. Im Gegensatz zu Deutschland ist es auch hier erlaubt, mehr als 50 Prozent eines Klubs zu erwerben. Weil zwischen 1965 und 1995 immer mehr Vereine Insolvenz anmeldeten, müssen sie seitdem nach Kapitalgesellschaftsrecht aufgebaut sein. Heißt: Die Profiteams sind als unabhängige Abteilungen in einem Klub eingebettet. Die Mitglieder haben kaum Macht und dürfen auch nur bei wenigen Vereinen Anteile erwerben. Viel lieber gesehen ist ein großer Geldgeber. 

In Paris etwa erfüllte sich der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, den Wunsch von einem eigenen Fußballklub. PSG profitiert insofern, dass Megastars wie Neymar oder Mbappe finanziert werden können. Der Meistertitel ist seitdem Pflicht. Zumindest eine Zeit lang hielt AS Monaco Schritt - dank russischen Geldes. Dmitri Rybolowlew kaufte 2011 den damaligen Zweitligisten, päppelte ihn auf. U.a. kamen Falcao und James Rodriguez ins Fürstentum. Heute setzt der Klub eher auf die Ausbildung von Talenten als auf teure Stars. Größte Aktionärin ist aber noch immer Jekaterina Rybolowlewa, die 29-jährige Tochter des Geldgebers.

Englische Liga

Acht der 20 Premier-League-Klubs gehören britischen Besitzern, der Rest Investoren aus dem Ausland. 17 Besitzer halten über 50 Prozent. Die bekanntesten sind Roman Abramowitsch, der 2003 Chelsea übernahm. Und Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, dem seit 2009 Manchester City gehört (aktuell zu 87 Prozent, den Rest hält China Media -Capital). Abramowitsch bezahlte in den vergangenen 15 Jahren umgerechnet 1,23 Milliarden Euro an Ablöse und 2,81 Milliarden Euro an Gehältern. Auf der anderen Seite werden in der Premier League gewaltige Einnahmen generiert. Allein an TV-Geldern erhielt Schlusslicht West Bromwich in der abgelaufenen Saison 110 Millionen Euro. Doch es geht nicht nur darum, Geld zu verdienen. Abramowitsch ist einfach Chelsea-Fan. Er fliegt zu den Spielen mit seinem Jet ein und feierte den Champions-League-Sieg in München gegen den FC Bayern mit den Anhängern der Blues. 

Chelsea-Fan und Klubeigentümer Roman Abramowitsch mit seiner Lebensgefährtin.

Bei City und deren Besitzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Sache gänzlich anders gelagert. Scheich Al Nahyan besitzt die City Football Group, die aus -ManCity, Melbourne City F.C und New York City F.C. besteht. Hier geht es offensichtlich darum, sich in verschiedenen Märkten Standbeine aufzubauen. Die Teambesitzer in England können finanziell, sportlich und personell schalten und walten, wie sie wollen. Das ist Chance und Risiko zugleich. Den Portsmouth Football Club - 2010 noch in der Premier League und im FA-Cup-Finale - führten zwei Insolvenzen und ständige Besitzerwechsel 2013 in die Viertklassigkeit. Mittlerweile spielt „Pompey“ in der dritten Liga und gehört dem Portsmouth Supporters Trust - den eigenen Fans.

Italienische Liga

Zwölf von 18 Klubs der Serie A gehören Investoren oder sind in Privatbesitz, jahrzehntelang war die Liga Spielwiese von Unternehmerfamilien. Juventus war und ist im Besitz der Agnellis (Fiat), der AC Mailand gehörte Silvio Berlusconi, Ortsrivale Inter der Familie Moratti (Öl). Doch hier haben sich die Zeiten geändert. Im April 2017 kaufte der chinesische Geschäftsmann Li Yonghong 99,93 Prozent der Anteile am AC Mailand für 740 Millionen Euro. Bei Inter gingen vor zwei Jahren 68,55 Prozent für 270 Millionen Euro an die chinesische Suning Holdings Group (Elektronik). Im April 2017 kam es daher zu einem Traditionsbruch. Das „Derby della Madonnina“ (das ist die Madonnenstatue auf dem Mailänder Dom) fand nicht am Sonntag, sondern schon am Samstag statt. Und der Anpfiff war auch noch um 12.30 Uhr Ortszeit, damit in China die Zuschauer am Abend mitfiebern konnten. Für Chronisten: Das Spiel endete 2:2. 

Doch die neue chinesische Zeitrechnung beim AC Milan währte nicht lange. Li hatte den Klub mithilfe des US-Finanzunternehmens Elliott Management übernommen, konnte aber Anfang Juli eine 32-Millionen-Euro-Forderung der Amerikaner nicht bedienen. Also fielen die Rossoneri (die Rot-Schwarzen) an den Hedgefonds. Für die meisten Schlagzeilen sorgte im Sommer aber Juventus. Präsident Andrea Agnelli schnürte ein 350-Millionen-Euro-Gesamtpaket (Ablöse plus Gehalt für vier Jahre), um Cristiano Ronaldo zu verpflichten. Bei diesn irrwitzigen Summen fand der portugiesische Weltfußballer auch an der alten Dame Gefallen.

J. Austermann, B. Brudermanns, D. Budimir

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