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Deutsche Nationalspielerin verzweifelt: „Für 18 Spielerinnen nur eine Toilette. Aber mit Pissoirs?“

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Von: Christoph Klaucke

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Die deutsche Nationalspielerin Almuth Schult beklagt Missstände im Frauenfußball.
Die deutsche Nationalspielerin Almuth Schult beklagt Missstände im Frauenfußball. © Sebastian Gollnow/dpa

Almuth Schult beklagt Missstände und fehlende Infrastruktur im Frauenfußball. Die Torhüterin machte selbst traurige Erfahrungen.

München - Fünf Deutsche Meisterschaften, sieben DFB-Pokalsiege und die Champions League: Torhüterin Almuth Schult vom VfL Wolfsburg zählt zweifelsfrei zu den erfolgreichsten Fußballerinnen in Deutschland. Mit der Frauen-Nationalmannschaft wurde Schult Europameisterin 2013 und Olympiasiegerin 2016. Im Jahr 2014 wurde sie sogar als Welttorhüterin ausgezeichnet.

Schult hat aber nicht nur ihre eigene erfolgreiche Karriere im Blick. Die Mutter von Zwillingen setzt sich für Anerkennung und Respekt für den Frauenfußball in Deutschland ein. Im Gespräch mit dem Sportradio Deutschland beklagt sie zugleich die mangelnde Infrastruktur und die zum Teil unzumutbaren Bedingungen in der Bundesliga.

Almuth Schult über Grenzerfahrungen im Frauenfußball

„Ich kann mich selber daran erinnern, dass ich in der zweiten Liga mit meinen eigenen Sachen trainiert habe“, erzählte Schult. Zu Auswärtsfahrten musste man sein eigenes Essen mitbringen. „Oder in der Kabine: für 18 Spielerinnen nur eine Toilette. Aber mit Pissoirs? Da sind selbst die Infrastrukturen nur für Jungs geschaffen“, beklagte die Torhüterin und forderte: „Da muss ein Umdenken stattfinden.“

„Natürlich geht es auch ums Geld, aber zum anderen geht es eher um die Infrastruktur. Jeder Klub, Bundesligist oder Zweitligist, hat die infrastrukturelle Möglichkeit, den Frauen eine Kabine und einen vernünftigen Trainingsplatz zur Verfügung zu stellen“, sagte die 30-Jährige.

Oder in der Kabine: für 18 Spielerinnen nur eine Toilette. Aber mit Pissoirs?

Almuth Schult

Almuth Schult klagt fehlende Professionalität im Frauenfußball an

In Spanien und England gebe es jetzt professionelle Strukturen im Frauenfußball - in Deutschland nicht überall. „Wir haben Topklubs in Deutschland, wie zum Beispiel den VfL Wolfsburg, bei dem ich spiele, wie den FC Bayern München, wo die Gegebenheiten da sind, um zu sagen: Wir sind professionelle Fußballer“, betonte Schult. „Aber es ist nicht überall so. Und das ist schon ein Problem in Deutschland, weil der Frauenfußball nicht ganz so anerkannt und respektiert ist wie vielleicht in anderen Ländern.“ Nicht jeder Verein der Bundesliga könne sich heute „wirklich professionell“ nennen, meinte Schult.

Die Zwillings-Mama zählt zu den neun Frauen, die die Initiative „Fußball kann mehr“ ins Leben gerufen haben. Darin fordern die Initiatorinnen „klare Regeln im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball“. Dazu zählt unter anderem eine Quote für Fußballverbände von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen. Schult war abseits des Rasens im Sommer bei der EM als ARD-Expertin im Einsatz. (ck/dpa)

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