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Davies & Co.: Warum so viele Top-Talente im Fußball aus Nordamerika kommen

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Von: Johannes Ohr

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Alphonso Davies hält den Ball mit dem Kopf hoch
Alphonso Davies hat in Kanada das Kicken gelernt und ist bei Bayern durchgestartet. (Symbolbild) © IMAGO / kolbert-press

Zur Saisonvorbereitung reist der FC Bayern München in die USA. Dort boomt die nordamerikanische Fußball-Liga aktuell, die Bayern sichten dort Talente wie Alphonso Davies. Was steckt dahinter?

München - Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Bereits zum fünften Mal reist der FC Bayern vom 18. bis 24. Juli in der Saisonvorbereitung in die USA. Die Vereinigten Staaten sind längst mehr als nur ein PR-Projekt: Keine andere Liga boomt weltweit aktuell so sehr wie die amerikanisch-kanadische Major League Soccer (MLS). In einer Kurz-Serie erklärt die tz den Aufschwung der MLS.

Ein Flüchtling aus Ghana, der in Kanada das Kicken lernt und beim FC Bayern durchstartet. Keine Frage: Alphonso Davies, der sich während seines Malta-Urlaubs unter Freizeit-Kicker mischte, hat die Wahrnehmung der MLS-Talente bei vielen europäischen Profi-Klubs zum Positiven verändert. Seit seinem Transfer 2019 zum FC Bayern gingen bis heute acht weitere Nordamerika-Talente für mindestens sechs Millionen Euro über den Ladentisch - zusammengerechnet kosteten sie 71 Mio. Euro. Wo kommen alle diese Roh-Diamanten plötzlich her?

Warum die MLS so boomt: Der Faktor „Spaß“

Basketball, Football, Baseball. Die klassischen Lieblingsportarten dominieren zwar nach wie vor. Doch immer mehr Kids kicken. „Vor zehn Jahren haben die Jugendlichen Fußball noch als zweites oder drittes Hobby betrieben. Das ist jetzt anders“, sagt Washington-Profi Julian Gressel zur tz. „Es gibt eine riesige Auswahl an Talenten. Die Liga hat das erkannt und will das Potential unbedingt fördern und nutzen. Das macht sich jetzt mehr und mehr bezahlt.“

Der Faktor „Förderung“ bei der MLS

Um die Rohdiamanten zu Superstars zu formen, drehen Liga, Vereine und Verbände an mehreren Stellschrauben. Zwei Dinge spielen dabei für Axel Schuster eine besonders große Rolle. Der Ex-Schalker ist Geschäftsführer bei den Vancouver Whitecaps - der Klub, bei dem Davies seine ersten Schritte als Profi machte. „Die Trainerausbildung wird immer besser“, sagt Schuster zur tz. Zudem sei auch die Talentsichtung „viel besser“ geworden.

Extrem wichtig - allein bei den Whitecaps sind über 20.000 Jugendspieler registriert! „Bei der Masse ist es schwierig, die hundert Besten eines jeden Jahrgangs zu finden. Das Verständnis dafür, was ein Spieler in welchem Alter können muss, ist jetzt aber da“, erklärt Schuster. Auch die MLS drückt aufs Gaspedal. 2022 ging die MLS Next Pro an den Start, die künftig den Unterbau der Profis bilden soll. 20 von 22 Teams sind Nachwuchsmannschaften der Profi-Klubs. Damit die nicht doch einfach nur auf Spieler aus Übersee setzen, ist die Anzahl der Kaderplätze für Ausländer begrenzt. 2022 wurden 224 davon auf 28 Klubs aufgeteilt.

MLS: Der Faktor „Marketing“

Die Rechnung ist simpel: Das Risiko, ein MLS-Talent zu verpflichten, ist je nach Investition überschaubar. Geht ein Juwel wie Davies aber durch die Decke, stehen potenzielle Sponsoren Schlange. Dass der FC Bayern eine Partnerschaft mit dem FC Dallas unterhält, hat deshalb auch wirtschaftliche Gründe. Dass sich die Kooperation sportlich lohnen kann, zeigt das Beispiel Chris Richards. 2018 schaffte der Verteidiger den Sprung aus Texas nach Bayern -und gilt seither wie Davies als Vorbild.

Übrigens: Viel hätte nicht gefehlt, und „Phonzie“ wäre gar nicht erst in München gelandet. „Der VfB Stuttgart war der erste Verein, der sich gemeldet hat“, verrät Schuster. „Dann kamen Vereine aus Spanien und England, bis die Bayern die ersten waren, die sich ins Flugzeug nach Vancouver gesetzt haben.“ 

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