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"Am Anfang hatten wir die Hosen voll…"

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Er ist der Vater des FCA-Erfolgs: Ex-Unternehmer Walther Seinsch
Er ist der Vater des FCA-Erfolgs: Ex-Unternehmer Walther Seinsch © dpa

Augsburg - Walther Seinsch hängt mit Leib und Seele an seinem FC Augsburg.

Die sensationelle Aufholjagd zum Ende der Hinrunde hat auch den Klub-Präsidenten schwer beeindruckt: zehn Spiele ohne Niederlage! Doch in Augsburg herrschte nicht immer eitel Sonnenschein. Im Interview mit der tz diskutiert Seinsch das Thema Aufstieg und erklärt seine Fußball-Philosophie.

Gleich zur Sache, Herr Seinsch: Was ist in der Rückrunde noch drin?

Seinsch: Der Klassenerhalt.

Warum so genügsam? Andere zählen den FCA zum Kreis der Aufstiegskandidaten…

Seinsch: Wir werden nicht sagen, dass wir nicht aufsteigen wollen – wenn wir können. Bei den Aufstiegskandidaten sind wir an siebter oder achter Stelle. Vor uns stehen bessere Mannschaften. Eine prinzipielle Chance gibt es, die liegt vielleicht bei zehn bis 15 Prozent. Aber wir wollen mal bescheiden bleiben. Vor ein paar Wochen haben wir noch an ganz andere Dinge gedacht. Da hatten wir noch Angst. Die ist jetzt weg. Denn absteigen können wir wohl kaum noch.

Wären die Chancen mit teuren Neuverpflichtungen besser?

Seinsch: Das widerspräche ja allen Regeln der Fußballkunst. Es wäre absurd, eine funktionierende Mannschaft auseinanderzureißen. Mal abgesehen davon, dass wir das Geld dafür nicht haben und gar keine geeigneten Spieler auf dem Markt waren. Wir haben uns aber auch nicht bemüht.

Gab es in der Hinrunde Momente, in denen Ihnen Ihr FCA keinen Spaß mehr gemacht hat?

Seinsch: Ja klar! Am Anfang. Wem hat er da Spaß gemacht? Da hatten wir die Hosen voll…

Flitzer auf dem Fußballplatz

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Auf der Jahreshauptversammlung haben Sie wie im Jahr zuvor die Fans kritisiert. Warum?

Seinsch: In vereinzelten Briefen sind die Verantwortlichen des FCA in unflätiger Manier unter der Gürtellinie beschimpft worden. Wenn ich das einem Anwalt gebe, wird der Betreffende wegen Beleidigung belangt. Aber das machen wir natürlich nicht. Gegen solche Briefe habe ich mich verwahrt. Ein Grundmaß an Respekt – allen gegenüber – muss sein im Leben!

Bekommen Sie immer noch unverschämte Briefe?

Seinsch: Seit Monaten nicht (lacht)! Das geht immer mit dem Punktestand einher.

Stattdessen Glückwunschkarten?

Seinsch: Die vielen Briefe zu Weihnachten konnte ich gar nicht alle beantworten. Ein Fanklub hat mir einen Sombrero geschenkt, der mit der Vereinshymne bestickt ist. Das war ganz toll! Im Grunde ist alles wunderbar.

Sie haben sich also wieder alle lieb?

Seinsch: Mein Wunschtraum ist es, dass die Fans ihre Mannschaft immer unterstützen – immer! Auch wenn die zehnmal schlecht spielen und zehnmal verlieren – immer! Die Fans wissen doch: Ein Spieler, der nicht spurt, schlecht trainiert und den Mund aufreißt, wird intern schon bedient. Aber die Fans sind doch der Klub. Sie schaden sich selbst, wenn sie die Mannschaft anpinkeln. Dann spielt die noch schlechter. Ist doch logisch. Solidarität, das ist meine Philosophie, die ich vermitteln will. Es gibt doch im Leben schon zu viel Mieses, Negatives – Finanzkrise, dies und das.

Im Stadionkurier haben Sie schon vom Uefa-Cup-Sieg geträumt. Wann wird der wahr?

Seinsch: Welcher Jahrgang sind Sie denn?

Jahrgang 1984. Glauben Sie, ich könnte das nicht mehr erleben?

Seinsch: Sie sowieso! Ich hoffe, dass ich das noch erlebe (lacht)! Na ja, schauen wir mal. Das mit dem Uefa-Cup lässt sich gar nicht planen.

Tobias Kimmel

Quelle: tz

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