Schon acht Manager verschlissen

Rettig: Darum ist FCA-Boss Seinsch schwierig

Walther Seinsch (l.) und Andreas Rettig haben sechs Jahre zusammen gearbeitet

Augsburg - In seiner Amtszeit hat FCA-Boss Walther Seinsch bereits acht Manager verschlissen. Andreas Rettig war sechs Jahre bei den Schwaben - Rekord. Er erklärt, warum Seinsch so schwierig sein kann.

Walther Seinsch (71) hat einen hohen Verschleiß. Schon acht Manager sind gekommen und gegangen, seitdem der ehemalige Textilunternehmer den maroden Bayernligisten FC Augsburg im Jahr 2000 wiederbelebt hat. Zuletzt heuerte und feuerte der Präsident und Vorstandsvorsitzende des Erstligisten wilder denn je. Manfred Paula durfte zum Beginn dieser Saison nur drei Monate und eine Woche lang Manager Sport sein, ehe er wieder auf den Posten des Jugendleiters zurückgepfiffen wurde. Jürgen Rollmann stand darauf sogar nur elf Wochen bei den Schwaben durch. Dabei könnte man meinen, der Diplom-Journalist habe gewusst, worauf er sich einlässt. Schließlich war Rollmann bereits in der Saison 1999/2000 Manager und dazu Geschäftsstellenleiter des FCA. Davor hatte er 1996/97 auch das Tor des Vereins gehütet. Doch zu seiner Zeit als Funktionär an der Donauwörther Straße war Seinsch noch nicht der allmächtige Präsident und Vorstandsvorsitzende.

Die wahren Gründe für die "unüberbrückbaren Differenzen in der sportlichen Entwicklung", die in der offiziellen Version vor Weihnachten zur Trennung geführt haben, sind immer noch rätselhaft. Rollmanns forsche und selbstbewusste Art soll dem mächtigen Mann im Hintergrund nicht gefallen haben, wird gemutmaßt. Auch bei den Spielern soll der Verbaloffensivmanager (Kostprobe der Motivationskünste: "Aus einem verzagten Popo kommt kein fröhlicher Furz") nicht gut angekommen sein. Den Rest wird vielleicht erst ein Gericht klären. Derweil darf sich Stefan Reuter, ein echter Weltmeister, mit Seinsch auseinandersetzen.

Warum tun sich die Manager mit dem Puppenspieler im Hintergrund, der momentan so viele Fäden wie schon lange nicht mehr in der Hand hält, aber der Öffentlichkeit nicht mal mehr schriftlich Interviews an der Schreibmaschine tippt, so schwer?

Wenn einer Seinsch versteht, dann Andreas Rettig. Sechs Jahre lang hat der damalige Geschäftsführer mit ihm zusammen den FCA zu einem sympatischen Erstligisten mit eigenem Stadion gemanagt. Seit Rettig nach dem spektakulären Klassenerhalt in der vergangenen Saison freiwillig weg ist, hat in Augsburg das Chaos Einzug erhalten. Also was war sein Geheimnis? "Walther Seinsch ist schwierig, aber ich bin es auch", erklärt Rettig tz-online.de. Er, der am 1. Januar zum Geschäftsführer der DFL aufsteigt, habe sich keine bessere Zusammenarbeit vorstellen können. Ein "absolutes Vertrauensverhältnis" habe er mit Seinsch gehabt, versichert Rettig. Mögliche Streitpunkte sieht er aber auch. "Natürlich will er involviert sein und Bescheid wissen", sagt Rettig. Er könne sich aber kaum an eine Entscheidung erinnern, die sie am Ende nicht gemeinsam vertreten hätten. "Wir mussten gegenseitig beieinander Überzeugungsarbeit leisten", erinnert er sich: "Walther Seinsch will überzeugt werden. Er sagt nicht zu allem, was von der Geschäftsführung oder vom Trainer kommt, dass es gut ist, sondern er stellt die richtigen Fragen - kritische Fragen." Diese Reibung war in Rettigs Augen das Erfolgsgeheimnis des FCA. Der Rheinländer legt Wert darauf, dass er auch heute noch ein "exzellentes Verhältnis" zu Seinsch pflege. Bei seinem Nach-Nach-Nachfolger soll es nicht anders sein. Rettig sagt, und das ganz ohne Ironie: "Stefan Reuter kann sich auf Walther Seinsch freuen!"

Tobias Kimmel

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