Ex-Manager schreibt für die tz

Rettig: Ich kann dem FCA zu Reuter nur gratulieren

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Andreas Rettig tritt am 1. Januar das Amt als Geschäftsführer der DFL an

Augsburg - Vor seinem Amtsantritt bei der DFL schreibt der langjährige FCA-Manager Andreas Rettig in der tz-Expertenkolumne über den Umbruch bei seinem Ex-Verein. Von Stefan Reuter ist Rettig begeistert.

Eines vorweg: Der FCA ist noch nicht abgestiegen, und diese Kolumne schreibe ich noch als Privatier, denn erst am 1. 1. trete ich meinen Dienst bei der DFL an. Ab diesem Zeitpunkt habe ich 36 Lieblingsvereine.

Nun zu meinem Ex-Klub. Das Kalenderjahr 2012 lief für den FCA zweigeteilt: im Mai der von niemandem außerhalb Augsburgs für möglich gehaltene Klassenerhalt, im Dezember nach der Halbserie Platz 17 mit 9 Punkten. Dennoch muss ich eine Lanze für den Standort und vor allem für den Klub brechen.

Warum? Der Verein steht wirtschaftlich gut da und hat zuletzt mehr als eine Milion Euro Gewinn ausgewiesen. Der FCA hat ein tolles Stadion mit begeisterungsfähigen Fans, einen breiten und potenten Sponsorenkreis, alle Jugendmannschaften spielen in der höchsten Klasse. In der Vereinsführung herrscht mit Walther Seinsch und Peter Bircks Kontinuität.

Zugegeben gab es einige Personalveränderungen, aber auch diese gehören im Profifußball dazu, wenn man merkt, dass es an irgendeiner Stelle nicht passt. Der FCA hat gestern mit Stefan Reuter einen neuen Geschäftsführer Sport vorgestellt. Ich kann hierzu nur gratulieren. Stefan ist menschlich integer, hat ein gutes Netzwerk und genießt im Kollegenkreis ein hohes Ansehen.

Sicherheitskonzept: Die beschlossenen Anträge

Die 36 Proficlubs haben bei ihrer Mitgliederversammlung (Foto: Liga-Präsident Reinhard Rauball) am 12.12.2012 in Frankfurt/Main mehrheitlich für die 16 Anträge gestimmt, die teilweise noch einmal abgeändert wurden. Wir erläutern in Kurzform die Maßnahmen, die für weniger Gewalt im deutschen Fußball sorgen sollen © dapd
Antrag 1: Die Veranstaltungsleiter von Bundesliga-Spielen bekommen eine genaue Funktionsbeschreibung. Sie müssen in jedem Heimspiel anwesend und erreichbar sein - das gilt auch für den Sicherheitsbeauftragten des Clubs. Der Fanbeauftragte ist verpflichtet, an Sicherheitsbesprechungen teilzunehmen. © dapd
Antrag 2: Die Clubs müssen sich verpflichten, dass sie nach besten Kräften mit Vertretern ihrer organisierten Fanszene einen offenen, regelmäßigen und verbindlichen Dialog etablieren. © dapd
Anträge 3 und 4: Die Polizei bekommt bei der Videoüberwachung in den Stadien mehr Kompetenzen. Ihre Befehlsstelle ist mit einer Vorrangschaltung auszustatten. © dapd
Antrag 5: Der Ordnungsdienst des Gastvereins wird im Stadion des Heimvereins mit einbezogen, dieser soll die Fans auch bei der Anreise begleiten. Heim- und Gastverein legen Details fest. Es gilt eine beratende und unterstützende Tätigkeit. © dpa
Antrag 6: Die Sicherheitsbeauftragten des gastgebenden Vereins müssen bei jedem Heimspiel anwesend sein. Bei Begegnungen mit erhöhtem Risiko muss auch der Sicherheitsbeauftragte der Gastmannschaft dabei sein. Sie erfassen Auffälligkeiten und Ausschreitungen in einem Spieltagreport. © dpa
Antrag 7: Bei Spielen mit erhöhtem Risiko muss der Veranstaltungsleiter des Heimvereins an Sicherheitsbesprechungen teilnehmen und außerdem in ständigem Kontakt zur Polizei stehen. © dpa
Antrag 8: Zur Sicherstellung eines störungsfreien Spielablaufs und Verhinderung von Gefahren für die Zuschauer, Spieler und Schiedsrichter gibt es an den Stadioneingängen lageabhängige Kontrollen der Besucher und der von ihnen mitgeführten Gegenstände. © dpa
Die Einrichtungen müssen so beschaffen sein, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen, insbesondere verhältnismäßig und sorgfältig durchgeführt werden können. Nicht ins Stadion mitgenommen werden dürfen Waffen und pyrotechnische Gegenstände sowie Gegenstände, mit denen Zuschauer ihre Identität verbergen können. © dpa
Antrag 9: Ordnungsdienstkräfte werden für die Besonderheiten im Fußball geschult. Fan- und Sicherheitsbeauftragte dürfen dabei mitwirken. © dpa
Antrag 10: Die Fanbetreuer heißen künftig Fanbeauftragte und nehmen an Sicherheitsbesprechungen statt. © dpa
Antrag 11: Der Heimverein legt - nach Anhörung der Sicherheitsorgane und Polizei - fest, wann ein Spiel mit erhöhtem Risiko ausgerufen wird. Dies kann aber auch der DFB tun. Als Maßnahmen gelten unter anderem eine Ticket-Begrenzung für Steh- und Sitzplätze und die Durchführung von verstärkten Personenkontrollen. Dazu gibt es noch Spiele unter Beobachtung. © dpa
Antrag 12: Ein Zertifizierungsverfahren („Stadionerlebnis“) soll entwickelt werden. © Getty
Antrag 13: Eine ständige Kommission „Stadionerlebnis“ wird beim Ligaverband eingerichtet. © dpa
Antrag 14: Auswärtsfans bekommen 10 Prozent der Eintrittskarten. Das Kontingent kann nur reduziert werden nach einer Entscheidung eines DFB-Rechtsorgans oder nach Festlegung durch den Heimverein. Dies aber nur bei einer besonderen Gefahrenlage und im Einvernehmen mit den Sicherheitsinstitutionen und nach Anhörung des Gastclubs. © dpa
Antrag 15: Die DFB-Sportgerichtsbarkeit wird weiterentwickelt, damit diese verstärkt präventiv und nicht nur mit Strafen arbeiten kann. Die Beschlüsse sollen beim DFB-Bundestag im Oktober 2013 gefasst werden. © Getty
Antrag 16: Erlöse aus der Vermarktung (Fernsehgelder) werden teilweise nur zweckgebunden an die Vereine ausbezahlt, wenn diese wiederholt Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllen. © Getty

Ein Verein, der seine Situation richtig einschätzt und keinen wirtschaftlichen Blödsinn macht, ist mir lieber als Kapitalgesellschaften, die eine Hasardeurmentalität an den Tag legen. Dieses ist beim FC Augsburg ausgeschlossen. Ich bin mir sicher, dass am Standort Augsburg ungeachtet des Saisonausgangs der Profifußball langfristig etabliert wird.

Von Andreas Rettig, designierter DFL-Geschäftsführer und langjähriger FCA-Manager

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