Weltstar verstorben

Argentinien und die Fußball-Welt trauern um Diego Maradona

Mit Barcelona in Meppen
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Am 4. August 1982 gab Maradona beim Testspiel beim SV Meppen sein Debüt im Trikot vom FC Barcelona. Foto: picture alliance / dpa
Größter Moment
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Sein größter Moment: Maradona wird 1986 mit Argentinien in Mexiko Weltmeister. Foto: picture-alliance / dpa
Hand Gottes
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Die «Hand Gottes»: Maradona (r) erzielt bei der WM 1986 mit der Hand ein Tor gegen England und deren Schlussmann Peter Shilton. Foto: picture alliance / dpa
Held von Neapel
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1987 und 1990 führt Maradona den SSC Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Foto: Alfredo Capozzi/DCM/dpa
Neuauflage
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In der Neuauflage des Endspiels von 1986 musste sich Maradona 1990 in Rom dem DFB-Team mit Gegenspieler Guido Buchwald geschlagen geben. Foto: picture alliance / dpa
Nationalcoach
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Als argentinischer Nationalcoach arbeitete Maradona auch mit Lionel Messi (l). Foto: Johann Hattingh/EPA/dpa

Er galt als einer der besten Fußballer der Welt. Mit seiner «Hand Gottes» und spektakulären Dribblings spielte Maradona sich in die Herzen der Fans. Mehr als einmal sprang er dem Tod von der Schippe. Am Mittwoch ist der «Goldjunge» im Alter von 60 Jahren gestorben.

Buenos Aires (dpa) - Diego Maradona küsst glückselig den goldenen WM-Pokal.

«Für immer», schreibt der argentinische Verband tief bestürzt zu diesem einen Foto aus einer anderen, längst vergangenen Zeit - und bestätigt die Nachricht, die den Weltfußball am Mittwoch für einen Moment stillstehen lässt. Diego Armando Maradona, der «Goldjunge», der Nationalheld, der Künstler zwischen Genie und Wahnsinn, ist tot. Er wurde nur 60 Jahre alt.

«Heute ist ein sehr trauriger Tag für alle Argentinier», sagte Präsident Alberto Fernández im Fernsehsender TyC Sports. «Diego hat Argentinien in der Welt repräsentiert, er hat uns mit Freude erfüllt und das werden wir niemals vergelten können.» Drei Tage lang soll Argentinien Trauer tragen. Maradonas Status, vielleicht auch seiner Verklärung, wird das gerecht.

«Ich habe einen großen Freund und die Welt hat eine Legende verloren», schrieb der Brasilianer Pelé (80) bei Twitter. «Ich hoffe, eines Tages können wir im Himmel zusammen Fußball spielen.» Maradona, Pelé, Franz Beckenbauer (75) - nur ganz wenige Fußballer erlangten diesen Status von Ikonen, Legenden. In Argentinien konnten sich die Fans im neuen Jahrtausend in Lionel Messi (33) verlieben - mit Maradonas fast väterlichem Segen. «Er verlässt uns, aber er geht nicht weg, weil Diego ewig ist», sagte Messi. «Ich behalte all die schönen Augenblicke in Erinnerung, die ich mit ihm erlebt habe.»

Medienberichten zufolge starb Maradona in seinem Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires an einem Herzinfarkt. Herbeigerufene Sanitäter konnten ihn demnach nicht wiederbeleben. «Wir sehen uns bald, mein Freund», twitterte sein Anwalt Matías Morla. «Bis in die Ewigkeit, Kommandant. Ich werde dich vermissen.» Die Nachricht verbreitete sich rasant um die Welt, die Europäische Fußball-Union ordnete für die Europapokal-Spiele Schweigeminuten an.

Im Jahr 1986 wurde Maradona mit Argentinien Weltmeister, sein mit der «Hand Gottes» erzieltes Tor während des Turniers steht in den Fußball-Geschichtsbüchern. «Ich denke, ich spreche für viele, wenn ich sage, dass es manchmal schien, als wäre er von der Hand Gottes berührt worden», sagte Farhan Haq, Sprecher der Vereinten Nationen am Mittwoch in New York. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, im Finale als Kapitän mit Deutschland unterlegener Gegner, sagte: «Mit Diego Maradona geht einer der größten Fußballer der Geschichte von uns. (...) Ich bin stolz, ihn auf dem Platz erlebt haben zu dürfen.»

1990, vier Jahre später scheiterte Maradona im WM-Finale von Rom an der deutschen Nationalmannschaft. «Mein Freund, ruhe in Frieden», schrieb Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Twitter. Rudi Völler sagte: «Diego Maradonas Tod trifft mich sehr. Er war mein Jahrgang, wir waren bei Weltmeisterschaften und in Italien oft Gegner. Ein wunderbarer Spieler - sein früher Tod ist ein herber Schlag für den Fußball und für Diegos Familie.»

Zuletzt war der 91-malige Nationalspieler wegen einer Gehirnblutung in einem Krankenhaus nahe der argentinischen Hauptstadt operiert worden und hatte dann einige Tage in der Klinik verbracht. Bereits an seinem 60. Geburtstag am 30. Oktober hatte er einen angeschlagenen Eindruck gemacht. Vor dem ersten Spiel nach der Corona-Pause mit seinem Verein Gimnasia y Esgrima La Plata, wo er sich wieder mal als Trainer versucht hatte, kam er zwar kurz ins Stadion, um Glückwünsche und Geschenke entgegenzunehmen. Er musste beim Gehen gestützt werden. Die Partie selbst verfolgte Maradona auf Anraten seines Arztes von zu Hause aus.

Immer wieder hatte der Superstar von einst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, der persönliche Niedergang des Idols schmerzte. Doch Maradona war immer zurückgekommen. Im Jahr 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch Kokainkonsum. Es folgten unter anderem Entziehungskuren und eine Magenverkleinerung.

Der Dribbelkünstler wuchs am Rande von Buenos Aires in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde schon in jungen Jahren vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt. Bereits mit 15 Jahren gab er sein Debüt in der Ersten Liga, mit 16 Jahren spielte er erstmals für die argentinische Nationalmannschaft und mit 19 Jahren wurde er zum ersten Mal zu Südamerikas Fußballer des Jahres gewählt. 1982 wechselte er nach Europa zum FC Barcelona. «Zwei Jahre Magie», schrieben die Katalanen.

Im Jahr 1989 gewann er in Italien mit dem SSC Neapel den UEFA-Pokal. «Für immer», twitterte Napoli und stellte ein blaues Herz dazu. «Ciao Diego.»

Abseits des Spielfeldes geriet Maradona immer wieder wegen seines Drogenkonsums und seiner Liebschaften in die Schlagzeilen. Sein Gewicht erreichte zwischenzeitlich lebensbedrohliche Ausmaße.

Nach dem Ende seiner Profikarriere trainierte Maradona die argentinische Nationalmannschaft, Al-Fujairah SC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und den mexikanischen Zweitligisten Dorados Sinaloa. Im vergangenen Jahr übernahm er schließlich den Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata in seinem Heimatland Argentinien. Es war der letzte Club, der mit dem «Goldjungen» zusammenarbeiten konnte.

© dpa-infocom, dpa:201125-99-462746/15

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Bericht Clarin

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