Augsburg: Hauskrach und Heimsieg

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Der Schlusspunkt: Edmond Kapllani in der Nachspielzeit mit dem 2:0 gegen Wolfsburgs Tormann Benaglio. Foto: dpa

Augsburg - Der FC Augsburg kam im siebten Versuch zum ersten Heimsieg in der Bundesliga. 2:0 über den VfL Wolfsburg, dessen Trainer Felix Magath sagte, von zwei Mannschaften habe „nur eine gemerkt, dass sie im Überlebenskampf steckt“.

Was war da los? Wie konnte das nur passieren? Dass man als Linksfüßer den Ball in halblinker Position bekommt und ihn aus 15 Meter in Richtung Eckfahne verzieht? Dass man nur den gegnerischen Torwart noch vor sich hat, einschießen kann, aber sich zu einem Querpass verkünstelt, der in einer Meute von drei Wolfsburger Spielern endet? Tobias Werner, Mittelfeldspieler des FC Augsburg, hatte einige erschütternde Szenen im Spiel, er kassierte einen verdeckten Tadel seines Trainers Jos Luhukay („Wir hatten Konterchancen mit Namen Tobias Werner“), doch hinterher hatten seine Stümpereien nur das Gewicht harmloser Anekdoten. „Normal“, sagte der Augsburger, „bin ich da schon etwas kaltschnäuziger. Wahrscheinlich hatte ich einen Klecks in der Hose.“

Alles verziehen, alles egal – denn der FC Augsburg kam im siebten Versuch zum ersten Heimsieg in der Bundesliga. 2:0 über den VfL Wolfsburg, dessen Trainer Felix Magath sagte, von zwei Mannschaften habe „nur eine gemerkt, dass sie im Überlebenskampf steckt“. Seine habe es zu sehr mit spielerischen Mitteln versuchen wollen, und lediglich zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte sie eine Phase, in der die technische Überlegenheit sichtbar wurde. Die Schlüsselmomente waren ein Abschluss- Scheitern von Alexander Madlung am Augsburger Tor65. fiel dann das 1:0 für den FCA. Durch Daniel Brinkmann, eines der fleißigen Mittelfeld- Lieschen, die bisweilen wie Zweitligaspieler wirken, die sich in die erste Bundesliga verirrt haben. Bemerkenswert an dem Tor war die Vorbereitung durch Sascha Mölders, einsamer Rackerer in der Sturmspitze. „Aus dem Augenwinkel habe ich gesehen, dass Daniel Brinkmann durchläuft.“ Kunstvoll hob Mölders den Ball über sich und die Wolfsburger Abwehrspieler. Mölders selbst ist seit dem zweiten Spieltag torlos (steht bei rund 1100 Minuten) und freute sich wenigstens über den Assist, den er darauf zurückführte, „dass meine kleine Tochter mir im Kindergarten einen Stern gebastelt hat“. Nach dem 2:0 gegen Wolfsburg beugte er sich zu seinem Mädchen hinab: „Wenn du jetzt zwei Sterne bastelst, macht Papa ein Tor.“

Adventliche Harmonie – sie wurde auch im Umfeld demonstriert, nachdem die Woche über sich ein Hauskrach aufgebaut hatte. Grundsatzaussagen von Manager Andreas Rettig, der stets den Sparkurs des Vereins propagierte, standen im Widerspruch zu den Bemerkungen von Präsident Walther Seinsch, der Neuzugänge zur Winterpause ankündigte und sagte, Geld sei schon da, das habe man nur nicht richtig kommuniziert. Ein Konflikt zwischen Boss Seinsch und leitendem Angestellten Rettig, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft? Trainer Jos Luhukay hat sich ein wenig eingemischt und mit beiden Parteien Vier- Augen-Gespräche geführt. Sein Eindruck: „Die Harmonie und die Chemie ist da.“ Rettig sagt, der Präsident habe ihm versichert, „dass er mich nicht an den Pranger stellen wollte“. Zum Inhaltlichen: „Wir können nicht soviel zahlen, dass ein Spieler alle anderen Angebote aus der Bundesliga unter den Stapel legt – doch Erstligagehälter gibt es bei uns schon.“ Der Manager spricht von einem „Höchstmaß an Jobzufriedenheit, das ich in Augsburg habe; es ist auch weder was vorgefallen noch gibt es andere Angebote“ – doch bis Januar will er überlegen, ob und wie es für ihn weitergeht in Augsburg.

Klar ist: Die Mannschaft bekommt ein paar Zugänge, Jos Luhukay spricht davon, dass wir „neu aufgestellt in die Rückrunde gehen“. Den Muntermacher-Sieg vom Samstag (Rettig: „Wichtig für den Kopf, mehr wert als drei Punkte“) hat der FC Augsburg auch gleich genutzt: Ab morgen verkauft er Dauerkarten für die Rückrunde.

Quelle: fussball-vorort.de

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