„Hand Gottes“ zieht die Kugeln

Auslosung zur WM 2018: Das ist Diego Maradona

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Diego Maradona fungiert bei der Auslosung zur WM 2018 im Moskauer Kreml als Assistent.

Am Freitag werden die Gruppen der WM-Endrunde in Russland ausgelost. Mit dabei im Kreml von Moskau wird dann auch Fußball-Legende Diego Maradona sein - als Assistent der Ziehung.

München - Die „Hand Gottes“ wird am Freitag, 1. Dezember, bei der Gruppen-Auslosung zur WM 2018 ihre Finger im Spiel haben (bei tz.de* können Sie nachlesen, wie Sie die Auslosung live im TV, im Live-Stream in und bei uns im Live-Ticker verfolgen können). Die genaue Uhrzeit zur Auslosung und die möglichen Gruppengegner von Deutschland gibt es in unseren Zusammenfassungen.

Da kann man nur hoffen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Beim vermeintlich größten Triumph in der Karriere des Diego Maradona war dies nicht der Fall. Nämlich bei der WM 1986 in Argentinien, als der damalige Angreifer des SSC Neapel gleich mit zwei besonderen Kuriositäten in Erscheinung trat: Im Viertelfinale gegen England lagen die Argentinier mit 0:1 zurück, ehe der quirlige Dribbler einen Doppelpass zum Ausgleich im Gehäuse der Engländer unterbrachte. Dieser Doppelpass hatte es jedoch in sich: Wie erst die Zeitlupe verriet, wurde der Ball irregulär statt mit dem Kopf mit der Hand über Torwart Peter Shilton hinweg ins Tor des Gegners befördert.

Die Auslosung können Sie übrigens bei uns im Live Ticker verfolgen.

Nach der Partie erklärte Maradona die weitreichende Fehlentscheidung: „Es war der Kopf Maradonas und die Hand Gottes.“ Im gleichen Match und nur wenige Minuten nach dem Skandal-Tor vollendete der Superstar auch noch ein Solo-Dribbling über die Hälfte des Spielfeldes hinweg bis ins Gehäuse der Engländer, worauf Argentinien das Duell mit 2:1 für sich entscheiden sollte. Der spektakuläre Treffer wurde von der FIFA nicht nur zum „WM-Tor des Jahrhunderts“ gekürt - vor dem Schauplatz Aztekenstadion befindet sich heute eine Maradona-Statue, die an den legendären Triumph erinnert. Der Spielmacher selbst war es auch, der im Halbfinale gegen Belgien mit einem Doppelpack das Weiterkommen sicherte. Im Endspiel gelang bekanntermaßen auch der Sieg über die Bundesrepublik Deutschland.

FC Barcelona holte Diego Maradona 1982 nach Europa

In den 80er-Jahren leuchtete der Stern von Diego Maradona strahlend, große Bekanntheit erreichte das außergewöhnliche Talent bereits vor der Heim-WM 1978. Bei dieser fand der damals 17-Jährige trotz hervorragender Leistungen noch keine Berücksichtigung, weil Trainer Cesar Luis Menotti den Jungspund vor dem großen Druck bewahren wollte. Im Jahr nach dem Turnier, bei dem Argentinien seinen ersten WM-Titel feierte, wurde der Spielgestalter erstmals Torschützenkönig der Primera Division des südamerikanischen Landes. Das sollte ihm auch die folgenden zwei Spielzeiten gelingen und der 21-jährige Maradona galt fortan als Shootingstar des Weltfußballs. Als nach der WM 1982 dann der Wechsel zum damals schon ruhmreichen FC Barcelona über die Bühne ging, avancierte Maradona auch in Europa endgültig zum Superstar.

Der größte Moment in der Karriere des Maradona: der Weltmeister-Titel 1986 mit Argentinien.

In den Jahren darauf machte der 1,65 Meter große Profi zunehmend auch durch Disziplinlosigkeiten Schlagzeilen. Bei der WM 1990 hatte der Weltsportler des Jahres 1986 mit Übergewicht zu kämpfen, führte sein Team aber dennoch zur Neuauflage des Endspiels gegen Deutschland. In diesem Finale sollte das DFB-Team unter Teamchef Franz Beckenbauer die Oberhand behalten. Abseits des Fußballplatzes machte der heute 57-Jährige mit Doping- und Drogenproblemen von sich reden, außerdem wurden ihm zu seiner Zeit beim SSC Neapel zwischen 1984 und 1991 Kontakte zur Mafia-Organisation Camorra nachgesagt.

Kurz nach der Jahrtausendwende erlitt Maradona während eines Urlaubes im uruguayischen Badeort Punta del Este einen schweren Herzinfarkt, als Ursache wurde übermäßiger Kokainkonsum festgestellt. Der extravagante Südamerikaner unterzog sich daraufhin einer Entziehungskur auf Kuba, wo Berichten zufolge eine Freundschaft mit Fidel Castro entstand.

Beim SSC Neapel wurde Maradona zur Legende

Beim italienischen Traditionsverein SSC Neapel genießt der Argentinier bis heute Legenden-Status. Für die damalige Rekordablösesumme in Höhe von umgerechnet 24 Millionen D-Mark wechselte Maradona 1984 vom FC Barcelona zum SSC Neapel, damals ein mittelmäßiger Serie-A-Klub. Mit den Süditalienern konnte die „Hand Gottes“ zahlreiche Titel feiern, darunter das Double mit Meisterschaft und Pokal sowie 1989 der Gewinn des UEFA-Pokals mit einem Finalerfolg über den VfB Stuttgart. Bis heute verehren die Bürger der Stadt den Argentinier: „Neapel ohne Maradona ist wie Maria ohne Jesus“ titelte Zeit Online.

Nach seinem Karriereende als aktiver Fußballer versuchte sich Diego Maradona auch als Trainer. Das Highlight dieser Bemühungen stellte die WM-Teilnahme mit seiner Heimatauswahl bei der WM 2010 in Südafrika dar. Nach der erfolgreichen WM-Quali sorgte Diego Armando Maradona, so sein vollständiger Name, mit Aussagen über seine Kritiker auf einer Pressekonferenz für einen Skandal. Der Coach wurde daraufhin zwei Monate gesperrt und musste 25.000 Schweizer Franken Strafe zahlen. Beim Turnier war für die Argentinier im Viertelfinale nach einem 0:4 gegen Deutschland Schluss, wenige Wochen danach wurde die Fußball-Legende der „Gauchos“ entlassen. Nach diversen Enttäuschungen als Vereinstrainer steht das Urgestein mittlerweile in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Al-Fudschaira SC unter Vertrag.

Bei der Auslosung zur WM 2018 in Russland am Freitag betritt Diego Maradona wieder die große Fußballbühne: Wie der Weltverband FIFA mitteilte, wird die argentinische Legende mit den früheren Starkickern Laurent Blanc (Frankreich), Gordon Banks (England), Cafu (Brasilien), Fabio Cannavaro (Italien), Diego Forlán (Uruguay) und Carles Puyol (Spanien) die russische Sportjournalistin Maria Komandnaja und Gary Lineker bei der Ziehung der Kugeln unterstützen.

Lesen Sie auch: WM 2018 in Russland: Das sind die Favoriten auf den Titel

Bei tz.de* finden Sie alle Infos zu Gruppen, Spielplan und Stadien bei der WM 2018 im Überblick.

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PF

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