Ballack denkt derzeit nicht an DFB-Comeback

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Michael Ballack will nichts überstürzen

Köln - Michael Ballack denkt derzeit nicht an ein Comeback in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und schätzt seine Chancen auf eine Rückkehr in die DFB-Auswahl äußerst realistisch ein.

„Ich habe noch nicht wieder für Bayer gespielt und muss erst einmal schauen, dass ich zu alter Leistungsstärke finde. Wenn ich meinen Rhythmus wiedergefunden habe, werde ich sehen, inwieweit sich das noch auf die deutsche Nationalmannschaft auswirkt. Das Ziel, für sie zu spielen, ist natürlich da. Das habe ich mein Leben lang gehabt. Aber ich muss erst einmal zurück auf das Niveau kommen, um für die Nationalmannschaft ein Thema zu sein“, sagte der 34 Jahre alte Kapitän der deutschen Mannschaft in einem Interview mit der Tageszeitung die Welt.

Deswegen sei auch die EM 2012 in der Ukraine und Polen für ihn derzeit noch ganz weit weg. „Im Moment habe ich ganz andere Sorgen, als mir Gedanken darüber zu machen, was 2012 passiert. Das heißt, ich muss erst einmal wieder Fußball spielen und den Weg ins Bayer-Team finden. Wenn mir das gelungen ist, kann ich an die Nationalelf denken. Alles andere bringt jetzt nichts. So realistisch muss ich sein - und bin ich das auch“, so Ballack.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

August 2006: Wenige Tage vor der Premiere von Joachim Löw als Bundestrainer verletzt sich Ballack im englischen Supercup-Spiel mit dem FC Chelsea gegen den FC Liverpool an der Hüfte. Ein Einsatz beim Löw-Debüt gegen Schweden (3:0) in Gelsenkirchen ist nicht möglich. © Getty
April 2007 - Februar 2008: Ballack zieht sich im Ligaspiel gegen Newcastle eine Knöchelverletzung zu. Nach einer ersten Operation muss er zunächst die Teilnahme an den Länderspielen gegen San Marino und die Slowakei absagen. Comeback-Pläne scheitern, es folgt eine zweite Operation und eine Auseinandersetzung zwischen dem Spieler, Chelsea, und den DFB-Verantwortlichen um die Behandlung von Ballacks Knöchel. Erst zu Beginn des Jahres 2008 kann Ballack nach fast einem Jahr Länderspiel-Zwangspause wieder im DFB-Trikot auflaufen. © Getty
Juni 2008: Einen Tag vor dem EM-Finale wird publik, dass Ballack wegen einer Wadenverletzung nicht trainieren kann. Löw ging nicht davon aus, dass sein Kapitän gegen Spanien spielen kann. 24 Stunden später steht der Kapitän aber auf dem Rasen, kann die 0:1-Niederlage gegen die Iberer aber nicht verhindern. © Getty
August - September 2008: Im Ligaspiel gegen Portsmouth zieht sich Ballack eine Sehnenverletzung im linken Mittelfuß zu und sagt für das Länderspiel gegen Belgien (2:0) ab. Vier Tage später spielt er gegen Wigan Athletic wieder für Chelsea, doch die Probleme bleiben. Nach einer Untersuchung bei Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt muss er aber auch für die WM-Qualifikation in Liechtenstein und Finnland absagen. © Getty
Oktober - November 2008: Die rechte „Problem-Wade“ macht Ballack nach einem Tritt beim 2:1 gegen Russland erneut zu schaffen. Ballack verpasst zwar das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Wales, kann jedoch auflaufen. Nach der Partie (1:0) klagt er über Schmerzen in den Füßen. In Augsburg wird ihm im Vorderfuß jeweils ein Neurom (gutartige Knotenbildung) entfernt. Müller-Wohlfahrt ging von 2 Wochen Pause aus. Doch nach dem Streit mit Bundestrainer Löw steht Ballack einen Monat nach seiner OP nicht im Kader für das Länderspiel gegen England. © Getty
Dezember 2008: Trotz einer Platzwunde an der rechten Schläfe hält Ballack mit einem Kopfverband im Ligaspiel bei den Bolton Wanderers bis zum Schluss durch. © Getty
Juli 2009: Ballack erlitt im Vorbereitungsspiel von Chelsea beiden Seattle Sounders einen Bruch des kleinen Zehs und flog aus dem Trainingslager nach England zurück, wo er mit einer Spezialbandage ein individuelles Fitnessprogramm absolviert. Der Einsatz im WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan drei Wochen später wird zum Wettlauf gegen die Zeit. © Getty
Mai 2010: Ballack wird im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea gegen Portsmouth von Kevin Boateng gefoult und muss ausgewechselt werden. Eine erste Röntgenuntersuchung ergibt, dass nichts gebrochen ist. Der Knöchel ist stark geschwollen, sodass erst am Montag in München bei Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt in München eine Kernspintomographie folgt. Dabei wurde ein Innenbandriss und ein Teilriss der Syndesmose im oberen rechten Sprunggelenk diagnostiziert. Damit ist das WM-Aus perfekt. © Getty
September 2010: Im dritten Bundesliga-Spiel seit seiner Rückkehr zu Bayer Leverkusen verletzte sich Ballack schon wieder. Diagnose: Eine feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines - sechs Wochen Pause. Damit verzögert sich das Comeback in der Nationalmannschaft zunächst. © Getty
Im Mai 2011 endet schließlich Ballacks Karriere in der Nationalmannschaft, Bundestrainer Joachim Löw (r.) erklärt, künftig nicht mehr auf den Mittelfeldspieler zu setzen. © getty

Der 98-malige Nationalspieler, der infolge von schweren Verletzungen die WM in Südafrika und den Großteil der Bundesliga-Hinrunde verpasst hatte, ist sich wenige Tage vor dem Rückrundenstart auch über seine schwierige Situation bei seinem Klub Bayer Leverkusen bewusst. „Ich kann nach so einer langen Verletzung nicht gleich große Ansprüche stellen und erwarten, dass ich sofort von Beginn an spielen werde. Ich bin mir bewusst, dass ich mich erst ins Team kämpfen muss. Das wird bei der Konkurrenz nicht einfach für mich, aber ich werde alles dafür tun“, sagte Ballack. Sein Trainer Jupp Heynckes hatte angedeutet, dass Ballack am Freitag zum Rückrundenstart gegen Tabellenführer Borussia Dortmund nicht zur Startformation der Leverkusener gehören wird. Ob der Mittelfeldspieler überhaupt zum Aufgebot zählt, ist derzeit unklar.

Erst wenn er bei Bayer wieder regelmäßig spiele, werde er sich auch wieder verstärkt mit der Nationalmannschaft beschäftigen, so Ballack. Deshalb wollte er über den Streit um die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft mit WM-Spielführer Philipp Lahm auch nicht mehr großartig sprechen. „Was die ganze Angelegenheit betrifft, ist doch alles gesagt worden - spätestens seit der Bundestrainer sich dazu geäußert hat. Ich möchte nicht jedes Mal etwas kommentieren. Damit sollte man das auch belassen. Wir tun alle gut daran, das nicht immer wieder zu thematisieren. Ich will es jedenfalls nicht. Denn eins ist doch nicht zu übersehen: Die Mannschaft funktioniert und ist intakt.“ Zudem habe er mit Lahm dieses Thema erörtert: „Wir haben vor einigen Wochen miteinander gesprochen. Aber das sind Dinge, die unter uns bleiben.“

sid

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