"Fußball ist kein Wunschkonzert"

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Michael Ballack kämpft um den Anschluss

Leverkusen - Das Ziel ist das Spitzenspiel. „Capitano“ Michael Ballack kämpft nach dem „Seuchenjahr“ 2010 um sein Comeback bei Bayer Leverkusen.

Er will zum Duell mit dem Bundesliga-Herbstmeister Borussia Dortmund wieder topfit sein. „Wer sieht, wie der Junge allein stundenlang trainiert, der weiß: Michael Ballack brennt“, sagte Wolfgang Holzhäuser.

Der Geschäftsführer des Werksklubs will nicht zu viel Druck auf den 98-maligen Nationalspieler ausüben, der seit Wochenbeginn nach zwei Tagen Weihnachtsurlaub wieder rund um die Uhr schuftet. Denn Ballack soll behutsam aufgebaut werden. „Es wird nicht leicht für ihn nach zwei schweren Verletzungen in so kurzer Zeit. Aber es sieht gut bei Michael aus, und das macht uns allen Mut“, sagte Holzhäuser.

Ballacks Krankenakte in der Nationalmannschaft seit 2006

August 2006: Wenige Tage vor der Premiere von Joachim Löw als Bundestrainer verletzt sich Ballack im englischen Supercup-Spiel mit dem FC Chelsea gegen den FC Liverpool an der Hüfte. Ein Einsatz beim Löw-Debüt gegen Schweden (3:0) in Gelsenkirchen ist nicht möglich.  © Getty
April 2007 - Februar 2008: Ballack zieht sich im Ligaspiel gegen Newcastle eine Knöchelverletzung zu. Nach einer ersten Operation muss er zunächst die Teilnahme an den Länderspielen gegen San Marino und die Slowakei absagen. Comeback-Pläne scheitern, es folgt eine zweite Operation und eine Auseinandersetzung zwischen dem Spieler, Chelsea, und den DFB-Verantwortlichen um die Behandlung von Ballacks Knöchel. Erst zu Beginn des Jahres 2008 kann Ballack nach fast einem Jahr Länderspiel-Zwangspause wieder im DFB-Trikot auflaufen.  © Getty
Juni 2008: Einen Tag vor dem EM-Finale wird publik, dass Ballack wegen einer Wadenverletzung nicht trainieren kann. Löw ging nicht davon aus, dass sein Kapitän gegen Spanien spielen kann. 24 Stunden später steht der Kapitän aber auf dem Rasen, kann die 0:1-Niederlage gegen die Iberer aber nicht verhindern.  © Getty
August - September 2008: Im Ligaspiel gegen Portsmouth zieht sich Ballack eine Sehnenverletzung im linken Mittelfuß zu und sagt für das Länderspiel gegen Belgien (2:0) ab. Vier Tage später spielt er gegen Wigan Athletic wieder für Chelsea, doch die Probleme bleiben. Nach einer Untersuchung bei Bayern- und DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt muss er aber auch für die WM-Qualifikation in Liechtenstein und Finnland absagen.  © Getty
Oktober - November 2008: Die rechte „Problem-Wade“ macht Ballack nach einem Tritt beim 2:1 gegen Russland erneut zu schaffen. Ballack verpasst zwar das Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Wales, kann jedoch auflaufen. Nach der Partie (1:0) klagt er über Schmerzen in den Füßen. In Augsburg wird ihm im Vorderfuß jeweils ein Neurom (gutartige Knotenbildung) entfernt. Müller-Wohlfahrt ging von 2 Wochen Pause aus. Doch nach dem Streit mit Bundestrainer Löw steht Ballack einen Monat nach seiner OP nicht im Kader für das Länderspiel gegen England.  © Getty
Dezember 2008: Trotz einer Platzwunde an der rechten Schläfe hält Ballack mit einem Kopfverband im Ligaspiel bei den Bolton Wanderers bis zum Schluss durch.  © Getty
Juli 2009: Ballack erlitt im Vorbereitungsspiel von Chelsea beiden Seattle Sounders einen Bruch des kleinen Zehs und flog aus dem Trainingslager nach England zurück, wo er mit einer Spezialbandage ein individuelles Fitnessprogramm absolviert. Der Einsatz im WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan drei Wochen später wird zum Wettlauf gegen die Zeit.  © Getty
Mai 2010: Ballack wird im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea gegen Portsmouth von Kevin Boateng gefoult und muss ausgewechselt werden. Eine erste Röntgenuntersuchung ergibt, dass nichts gebrochen ist. Der Knöchel ist stark geschwollen, sodass erst am Montag in München bei Nationalmannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt in München eine Kernspintomographie folgt. Dabei wurde ein Innenbandriss und ein Teilriss der Syndesmose im oberen rechten Sprunggelenk diagnostiziert. Damit ist das WM-Aus perfekt.  © Getty
September 2010: Im dritten Bundesliga-Spiel seit seiner Rückkehr zu Bayer Leverkusen verletzte sich Ballack schon wieder. Diagnose: Eine feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines - sechs Wochen Pause. Damit verzögert sich das Comeback in der Nationalmannschaft zunächst.  © Getty
Im Mai 2011 endet schließlich Ballacks Karriere in der Nationalmannschaft, Bundestrainer Joachim Löw (r.) erklärt, künftig nicht mehr auf den Mittelfeldspieler zu setzen.  © getty

Auch Bayers Sportchef Rudi Völler gibt sich weiter überzeugt, dass sich die 12-Millionen-Investition auszahlen wird. Obwohl Ballack in der Hinrunde bis zu seiner schweren Verletzung nur drei Bundesligaspiele absolvierte, hofft Völler, Ballack werde noch einschlagen. „Er ist der Typ Spieler, der uns letzte Saison hier und da gefehlt hat, wenn ein bisschen Gegenwind aufkam. Er muss sich jetzt zurückkämpfen und hat dann noch gute Jahre vor sich“, sagte Völler.

Ballack (34) will zumindest in der Bundesliga wieder richtig angreifen. An die EM 2012 in Polen und der Ukraine denkt er dagegen noch nicht. „Da muss man vorsichtig sein. Fußball ist kein Wunschkonzert. Ich habe schon gesehen, dass die Mannschaft auch ohne mich guten Fußball spielt. Auch nach mir geht der Fußball weiter. Aber trotzdem: Ich will noch einmal dabei sein, wenn ich die Leistung bringe und das Niveau, das man braucht, um in der absoluten Spitze zu spielen“, sagte Ballack.

Eine frohe Botschaft erhielt er kurz nach Weihnachten von Joachim Löw. Der Bundestrainer stellte Ballack im Falle einer Rückkehr in die DFB-Auswahl die Kapitänsbinde in Aussicht. „Er ist ihr Kapitän, wenn er wieder dabei ist“, sagte Löw: „Er braucht Spielpraxis. Wenn er die hat, regelt sich alles andere von allein.“ WM-Spielführer Philipp Lahm würde dann wieder ins zweite Glied rücken.

Dennoch müsste sich Ballack erheblich umstellen. Nach Ansicht von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff würde der Kapitän veränderte Gegebenheiten vorfinden. Ballack müsse sich natürlich „in eine neuformierte Mannschaft erst wieder integrieren. Vielleicht merkt er ja, dass es ihm guttut, wenn die Last nicht mehr auf ihm alleine liegt.“

sid

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