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Klare Live-Kritik an Jogi Löw: Bastian Schweinsteiger glänzt als ARD-Experte wie einst im WM-Finale

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Von: Patrick Mayer

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Wurden 2014 in Brasilien gemeinsam Weltmeister: Bastian Schweinsteiger (li.) und Bundestrainer Joachim Löw.
Wurden 2014 in Brasilien gemeinsam Weltmeister: Bastian Schweinsteiger (li.) und Bundestrainer Joachim Löw. © Andreas Gebert/dpa

Bastian Schweinsteiger zerlegt als ARD-Experte den Fußball von Bundestrainer Joachim Löw und stellt die Identifikation Deutschlands mit der Nationalmannschaft infrage. Das ist mutig - und in der verfahrenen Situation genau richtig. Eine TV-Kritik.

München - Das Foto ging in die deutsche Fußball-Geschichte ein. 13. Juli 2014, Maracana-Stadion, Rio de Janeiro.

DFB-Team: Bundestrainer Joachim Löw unter Druck - Kritik von Bayern-Legende Bastian Schweinsteiger

Darauf zu sehen: Bundestrainer Joachim Löw und der vom Abnutzungskampf gegen die Argentinier (1:0) schwer gezeichnete Bastian Schweinsteiger liegen sich überglücklich in den Armen und genießen weinend den Sieg im WM-Finale.

Kaum zu glauben, dass der damalige Kapitän Schweinsteiger seinen einstigen Mentor Löw mehr als sechs Jahre später derart hart anpacken würde.

Und das auch noch in aller Öffentlichkeit. So geschehen vor, während und nach dem 2:1 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft in der Ukraine. Kurz zusammengefasst, nahm die Ikone des FC Bayern München den Fußball des DFB-Teams und die Taktik des offenbar recht beratungsressistenten Bundestrainers regelrecht auseinander.

Bastian Schweinsteiger als ARD-Experte: Ex-FC-Bayern-Star kritisiert Mentor Joachim Löw

„Man kann sich nicht mehr 100-prozentig mit der Nationalmannschaft identifizieren, und das ist schade“, sagte der 36-jährige Oberbayer vor Millionenpublikum als Experte in der ARD. Auch beim Nations-League-Spiel Deutschland gegen die Schweiz (Dienstag, 20.45 Uhr, bei tz.de im Live-Ticker) ist der langjährige Münchner in dieser Funktion wieder im Einsatz.

Rumms! Und das ausgerechnet von jenem Mann, bei dem man immer das Gefühl hatte, mit welchem Stolz er den Adler auf der Brust trägt.

Löws Fußball wurde vom einstigen Bayern-Star infrage gestellt: „Wenn man große Ziele hat, wenn man eines der besten Teams in Europa sein möchte, muss man eine gewisse Achse auf dem Platz haben. Man muss diese Abläufe, Automatismen in sich haben. Insgeheim will die Mannschaft wissen - gerade wenn es Richtung Europameisterschaft geht: Wie spielen wir? Wer sind unsere Spieler? Wie sind unsere Taktiken?“

FC Bayern München: ARD-Experte Bastian Schweinsteiger macht Druck auf die deutsche Nationalmannschaft

Und der frühere Leader des FC Bayern forderte Wortführer auf dem Platz: „Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Stimmen auf dem Platz zu hören sind. Es ist enorm wichtig, dass du in der Verteidigung Spieler hast, die Kommandos nach vorne geben.“

Dass Schweinsteiger derart schonungslos verbal zulangt, war nicht unbedingt zu erwarten, als Das Erste ihn als neuen Experten zur deutschen Nationalmannschaft vorstellte. Schließlich spielte er selbst noch mit manchen der aktuellen Spieler (Manuel Neuer, Toni Kroos, Julian Draxler, Emre Can) zusammen. Und schließlich spielte er unter Löw.

Der 60-jährige Badener steht nach schwankenden Leistungen der Nationalelf und wegen einer spürbaren Unlust der deutschen Fußball-Fans auf das DFB-Team gehörig unter Druck.

Dennoch scheute Schweinsteiger klare Worte gegen den Bundestrainer nicht, nachdem zuvor Kumpel Lukas Podolski beim 3:3 gegen die Türkei bei RTL moderat geblieben war.

FC-Bayern-Ikone als ARD-Experte: Bastian Schweinsteiger geht dahin, wo es weh tut

Das Netz feierte die Bayern-Legende umgehend. „Einer, der Jogi mal klar die Meinung gesagt hat!“, schrieb ein User unter ein Instagram-Posting des Weltmeisters aus dem ARD-Studio. Ein anderer Nutzer meinte: „Mit Abstand der angenehmste „Experte“ der letzten Jahre ... sehr gut gemacht.“

Eine Instagram-Nutzerin kommentierte: „Du hast das mega gemacht. Endlich mal jemand, der auch kritische Worte findet.“ Das war so nicht zu erwarten, kommt aber genau zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich ist die Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt am Main als Wohlfühloase bekannt, dort, wo der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Zentrale hat.

Da tut es gut, dass mal einer mit viel Reputation kommt und dahin geht, wo es richtig weh tut. Genauso wie damals, im WM-Finale gegen Argentinien. (pm)

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