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Bayern-Bosse wortkarg nach „dreckigem“ Sieg

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Torjubel
Münchens Leroy Sane (l-r) bejubelt sein Tor zum 1:0 mit Alphonso Davies und Jamal Musiala. © Peter Kneffel/dpa

Eine solche Woche ist selbst dem einst als FC Hollywood titulierten FC Bayern fremd. Nach verschärften Corona-Sorgen und JHV-Turbulenzen retten die Tor-Rekordler zumindest die Tabellenspitze.

München - Die wortkargen Bosse Oliver Kahn und Herbert Hainer atmeten nach der wilden Jahreshauptversammlung erleichtert auf. Vorstandschef und Präsident freuten sich, dass eine Woche vor dem deutschen Clásico wenigstens die Tabellenspitze gerettet und damit weitere Unruhe vermieden wurde.

„Es ist natürlich wichtig, als Tabellenführer nach Dortmund zu gehen“, sagte Trainer Julian Nagelsmann nach dem mühsamen 1:0 gegen Arminia Bielefeld. „Ich glaube, dass das Thema Jahreshauptversammlung die Mannschaft nicht sehr belastet hat.“ Ein Punkt beträgt der Vorsprung der Münchner vor dem brisanten Liga-Gipfel auf den BVB.

„Die Außenwirkung war nicht gut“

Eine wilde Woche mit der Infektion von Impfzauderer Joshua Kimmich als Höhepunkt im Corona-Dilemma und chaotischen Zuständen beim Mitgliederkonvent wegen der heiklen Katar-Frage endet dank des feinen Schlenzers von Leroy Sané gegen die Arminia zumindest sportlich erfolgreich. „Wir fahren wieder langsam in ruhigeren Gewässern, aber ich mag es auch, wenn es mal ein bisschen welliger ist“, fasste es Thomas Müller zusammen. Er war von der JHV überrascht. „Die Außenwirkung war auf jeden Fall nicht gut. Da muss man jetzt kein Experte sein, um das beurteilen zu können.“

In angespannten Tagen, die selbst in der Historie des früher als FC Hollywood titulierten Clubs einzigartig sind, ist vor allem Coach Nagelsmann gefordert. „Es gab wahrscheinlich schon einfachere Situationen, um Bayern-Trainer zu werden“, scherzte der 34-Jährige mit Blick auf die zurückliegenden Erfolge, Corona-Sorgen und eben die Jahreshauptversammlung.

Sein neues Amt bringt aber auch nette Kurztrips wie am Montag nach Paris mit: Eine kleine Bayern-Delegation um Weltfußballer Robert Lewandowski hofft dann auf die Ehrung mit dem Ballon d'Or. „Ich glaube, es gibt keinen Spieler auf der Welt, der es mehr verdient hätte, das Ding zu gewinnen“, sagte Nagelsmann.

Nagelsmann agiert als Sprecher des Rekordmeisters

Während Nagelsmanns Vorgesetzte Kahn und Hasan Salihamidzic ebenso wie Aufsichtsratschef Herbert Hainer beim Bielefeld-Spiel keine Interviews gaben, agierte der Coach weiter mit großem diplomatischem Geschick als Sprecher des Rekordmeisters. „Wenn du einen Weltverein übernimmst als Trainer, dann gehören hin und wieder so politische Themen dazu - und dann bin ich auch ein Typ, der seine Meinung sagt und äußert“, erklärte Nagelsmann. „Es ist Teil meiner Aufgabe, meinen Senf dazuzugeben.“ Er wolle aber auch Lösungen aufzeigen.

Kürzlich bezeichnete er sich selbst beim Blick auf die Herz-OP von Kingsley Coman als „Doktor Schiwago“, nun glänzt er als Außenminister. „Es geht um Bayern München, dass wir die beste Lösung finden, um auch in Zukunft in allen Wettbewerben gut bis bestmöglich vertreten zu sein“, forderte Nagelsmann. In den Katakomben habe er einen Oliver Kahn erlebt, der auf ihn „einen ganz normalen Eindruck“ gemacht habe: „Nicht irgendwie besonders down oder nachdenklich.“

„Wichtig, mit den Fans in den Dialog zu gehen“

Die TV-Kameras fingen am Samstag vor nur 12.000 Zuschauern - es wären rund 6000 mehr erlaubt gewesen - wiederholt eine Führungsriege ein, die nicht gut gelaunt dreinschaute. „Die Jahreshauptversammlung am Donnerstag beschäftigt mich natürlich immer noch sehr“, sagte Kahn am Sonntag.

„Das ist ganz normal bei einem Verein. Da läuft nicht immer alles lupenrein“, sagte Kapitän Manuel Neuer. „Da ist es ganz wichtig, dass der Verein mit den Fans in den Dialog geht und darüber spricht.“ In dieser Hinsicht gibt es Signale. Vereinsmitglied Michael Ott twitterte, dass Hainer mit ihm telefoniert habe. „Wir haben uns kurz über die JHV ausgetauscht und sind so verblieben, dass wir ein persönliches Gespräch zu Katar und der JHV führen werden.“

Sein Antrag, der sich gegen die hochdotierte Geschäftsbeziehung des FC Bayern mit Katar richtete, hatte viel Wirbel zur Folge. Am Ende gab es Buhrufe, Pfiffe und „Hainer raus“-Rufe. Der Gescholtene erklärte bereits, Lehren aus dem missglückten Abend ziehen zu wollen. „Offenbar ist in den Emotionen einiges nicht angekommen, was mir in Zukunft wichtig ist“, twitterte Kahn.

Der Verein, „der schon viele Probleme oder Dinge im Sinne seiner Fans und Mitglieder gelöst hat“, werde auch das hinbekommen, sagte Müller. „Ich bin jemand, der in die Zukunft schaut und schaut, was kann ich da beeinflussen. Ich als Spieler kann beeinflussen, dass wir nächsten Samstag in Dortmund ein sehr gutes Spiel machen.“ In seinem 396. Liga-Spiel für den FC Bayern zog er mit Franz Beckenbauer gleich, Vorlage Nummer 21 bedeutete Rekord im Kalenderjahr 2021. Wie auch das 102. Tor des Jahres der Münchner durch Sanè. „Es gibt ganz viele kleine Details, die er genial macht“, sagte Nagelsmann.

Den Auftritt gegen Bielefeld goutierte Nagelsmann als klare Leistungssteigerung im Vergleich zum 1:2 eine Woche zuvor beim FC Augsburg. Die zuletzt aus Corona-Gründen fehlenden Niklas Süle, Serge Gnabry und Jamal Musiala konnten wieder Wettkampfpraxis sammeln. „Wir stehen gut da und fahren voller Vorfreude nach Dortmund“, sagte Nagelsmann, dem Kahn in den Katakomben gratulierte. „Er hat gesagt, Glückwunsch, ein dreckiger 1:0-Sieg ist wichtig.“ dpa

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