1. tz
  2. Sport
  3. Fußball

Bayern und das Defensiv-Puzzle: Die Analyse

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Louis van Gaal knuddelt Philipp Lahm am Dienstag - auf den Kapitän ist Verlass © dpa

München - Die Offensive weltklasse, die Defensive zu oft nur "kreisklasse": Während die Abteilung Attacke ein Traum ist, kämpft Bayern weiter gegen das Defensiv-Trauma.

Bayern ist im Offensivbereich mit Franck Ribery, Arjen Robben, Thomas Müller und Mario Gomez glänzend besetzt, doch die Hintermannschaft des deutschen Fußball-Rekordmeisters nur genügt selten den hohen Ansprüchen. Der deutsche Fußball-Rekordmeister bewegt sich meist zwischen Traum und Trauma.

Lediglich Kapitän Philipp Lahm und mit Abstrichen Nationalspieler Holger Badstuber verfügen in der wackeligen Abwehr über internationales Format und sind bei Trainer Louis van Gaal feste Größen. Ansonsten gleicht die Viererkette des FC Bayern vor dem Champions-League-Achtelfinale am Mittwochabend bei Titelverteidiger Inter Mailand einem Experimentierfeld.

Alleine beim 3:1-Erfolg am vergangenen Samstag in Mainz stellte van Gaal viermal um. Winterzugang Luiz Gustavo, für 17 Millionen von 1899 Hoffenheim gekommen, wurde sogar auf drei unterschiedlichen Positionen eingesetzt. Auch Danijel Pranjic, Anatoli Timoschtschuk und Breno waren von den Rochaden betroffen.

So sexy ist die Champions League

Van Gaal ist schon seit Saisonbeginn auf der Suche nach der idealen Defensivbesetzung. Zunächst galten neben Lahm und Badstuber noch Diego Contento und Daniel van Buyten als gesetzt. Doch beide sind mittlerweile zweite Wahl. Auch Breno muss sich derzeit mit der Reservistenrolle begnügen. Der Argentinier Martin Demichelis (FC Malaga) und Edson Braafheid (Hoffenheim) wurden bereits aussortiert. Timoschtschuk, Pranjic und Luiz Gustavo machen zudem kein Hehl daraus, dass sie viel lieber im defensiven Mittelfeld spielen würden.

In der Bayern-Abwehr, der Ehrenpräsident Franz Beckenbauer vor der Winterpause einige Male „Kindergartenfehler“ vorwarf, besteht im Sommer deshalb dringender Handlungsbedarf. Gesucht wird ein linker Verteidiger und ein Innenverteidiger - auch wenn van Gaal vor dem Inter-Spiel einmal mehr äußerte, dass er mit seiner Abwehr zufrieden sei. Und überdies beginne „die Verteidigung immer im Angriff“.

Für die anfällige Defensive waren im Winter schon einige Namen gehandelt worden. Gerüchte gab es um Domenico Criscito vom FC Genua 93, Jose Bosingwa (Chelsea) oder Leighton Baines (Everton) - geholt wurde Defensiv-“Allrounder“ Luiz Gustavo. Man werde jetzt erst einmal die nächsten Wochen abwarten „und dann überlegen, in welchen Bereichen es nötig ist, Veränderungen herbeizuführen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zurückhaltend.

Angesichts der Probleme dürften sich die Bayern-Bosse umso mehr ärgern, Mats Hummels im Februar 2009 für rund fünf Millionen Euro an Borussia Dortmund verkauft zu haben. Eine Rückholaktion, über die bereits spekuliuert wurde, würde die Bayern ein Vielfaches kosten.

Vor dem Mailand-Spiel schlug Präsident Uli Hoeneß mit Blick auf die wackelige Hintermannschaft deshalb folgende Marschroute vor: „Am allerbesten ist es, der Gegner kommt überhaupt nicht in unsere Hälfte. Dann kann nichts passieren.“

Viel lieber spricht Hoeneß deshalb über die hoch gelobte und äußerst durchschlagskräftige Offensive mit Robben, Ribery, Gomez und Müller. „Wir hatten in der großen Geschichte des FC Bayern selten vier überragende Offensivspieler. Das ist eine Traumkonstellation“, schwärmte der frühere Manager. Auch Rummenigge ist über seine magischen Vier „sehr, sehr glücklich“.

Doch Robben wehrte die Lobeshymnen vor dem Mailand-Spiel bescheiden ab: „Auch Franck und ich können nicht alleine spielen. Für uns ist die Mannschaft ganz wichtig. Wir brauchen alle Spieler - auch hinten.“

Thomas Niklaus, sid

Auch interessant

Kommentare