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Für Jonker und für Heynckes zählt nur ein Sieg

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Für dem designierten Bayern-Trainer Jupp Heynckes (rechts) und für den aktuellen Bayern-Trainer Andries Jonker zählt am Sonntag beim Spiel Bayern gegen Bayer nur ein Sieg. © dpa

München - Das Liga-Spitzenspiel von Bayer Leverkusen bei Bayern München birgt Brisanz: Der künftige Bayern-Trainer Jupp Heynckes tritt mit dem Tabellenzweiten beim Vierten an. Für Heynckes und für Bayern-Trainer Andries Jonker zählt nur ein Sieg.

Die Feldherrnpose ist nicht das Ding des Josef Heynckes. Während sich andere Fußballlehrer gerne auf dem Trainingsplatz wie ein Generalfeldmarschall gebärden und die „Unternehmer in kurzen Hosen“ nach ihrer Pfeife tanzen lassen, zeichnet Jupp Heynckes seine große Gelassenheit und Ruhe aus. Mit Argusaugen beobachtet er den Trainingseinsatz seiner Schützlinge, greift mal hier, mal da korrigierend ein, ohne aber das große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Der Cheftrainer von Bayer Leverkusen, dessen Sweatshirt seine Initialen „J.H.“ ziert, braucht nicht wie ein Rumpelstilzchen herumzuhüpfen, er genießt eine fast automatische Autorität. Wenn er mit ausgebreiteten Armen seine Anweisungen an die Spieler richtet, gibt es keinen, der nicht aufmerksam zuhört und Folge leistet - dies gilt selbst für Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack.

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Nicht immer waren Heynckes und der Capitano seit Beginn ihrer Zusammenarbeit im vergangenen Sommer unterm Bayer-Kreuz ein Herz und eine Seele, es knirschte zwischenzeitlich heftig im Gebälk. Doch in den letzten Spielen haben sich beide zusammengerauft, „Balle“ zählt auch im Bundesliga-Hit am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) bei Bayern München zu den Gesetzten im Konzept des Trainers.

Speziell für Heynckes ist es ein ganz besonderes Spiel. Ab 1. Juli steht der älteste Bundesliga-Coach zum dritten Mal in seiner Trainerkarriere auf der Kommandobrücke des Rekordmeisters. Der einstige Weltklassestürmer war der Wunschkandidat der Bayern-Führung um Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß für die Nachfolge von Louis van Gaal, der vor Wochenfrist unmittelbar nach dem enttäuschenden 1:1 im bayerisch-fränkischen Derby beim 1. FC Nürnberg beurlaubt wurde.

Heynckes kämpft am Sonntag mit dem Werksklub um den Anschluss an Tabellenführer Borussia Dortmund (fünf Punkte Vorsprung), während er gleichzeitig mit einem Sieg in der Allianz Arena den Champions-League-Ambitionen der Bayern einen herben Dämpfer versetzen könnte. Auf den Punkt gebracht: Gewinnt er mit den Rheinländern den direkten Vergleich, könnte der Trainer-Fuchs den entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass er er nächste Saison mit den Bayern nur in der Europa League spielt. Davor graust nicht nur FCB-Superstar Arjen Robben...

Bundesligatrainer und ihr Weg zur ersten Chefstelle

„Das Anspruchsdenken in München ist immer hoch. Die Motivation, in der kommenden Saison Champions League spielen zu können, ist enorm wichtig. Aber ich habe keinen Einfluss darauf, hier und jetzt zählt für mich nur Bayer Leverkusen“, sagte „Don Jupp“ im kicker-Interview und macht kein Geheimnis daraus, dass ein Erfolg an der Isar die entscheidenden Prozentpunkte im Titelendspurt bei seiner jetzigen Mannschaft freisetzen könnte, um den BVB vielleicht doch noch abzufangen. Nicht nur für den FC Bayern, auch für Heynckes zählt am Sonntag nur ein Sieg.

Dass er mit Bayer die Rückrundentabelle anführt und den Rückstand auf Dortmund sukzessive verkürzt hat, kommt nicht von ungefähr. „Hier ist etwas gewachsen, das ist mehr als einfach nur das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft. Das hat viel mit Achtung, Respekt und gegenseitigem Vertrauen zu tun. Diese Werte spielen eine große Rolle bei uns“, analysierte Heynckes, der bei Bayer eher Kumpel der Spieler ist.

Ganz anders hat sich van Gaal an der Säbener Straße gegeben. Der knorrige Niederländer hat seine One-Man-Show durchgezogen - ohne Rücksicht auf Verluste. Am Ende war vor allem Hoeneß, im Übrigen ein langjähriger Spezi von Heynckes, der Selbstgefälligkeit van Gaals überdrüssig.

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Der Gegenentwurf ist Heynckes, dies hat er schon in der Nach-Klinsmann-Ära 2009 bewiesen, als er die Bayern in seiner Fünf-Spiele-Mission noch zur Vize-Meisterschaft und in die Champions League geführt hatte. Unter Heynckes hatte es den Bayern-Assen vor zwei Jahren plötzlich wieder Spaß gemacht, die Blockade wurde behoben. Gleiches soll „Kumpel Jupp“ ab der neuen Saison vollbringen.

Unter welchen Voraussetzungen, ob als Champions-League- oder Europa-League-Teilnehmer, darüber wird maßgeblich der Sonntag entscheiden...

Von Ralph Durry

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