Beim AS Monaco fliegen Sitze und Baguettes

Monaco - Vor sieben Jahren stand AS Monaco noch im Champions-League-Finale - nun ist der stolze siebenmalige französische Fußball-Meister mit Tränen und Randale in die Zweitklassigkeit abgestürzt.

 Als durch ein 0:2 gegen Olympique Lyon der erste Abstieg seit 35 Jahren feststand, rasteten zahlreiche Fans aus. Mit aus der Verankerung gerissenen Sitzschalen, Fahnenstangen und - landestypisch - Baguettes bewarfen sie die vor dem Block postierten Polizisten.

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

Edelfan Fürst Albert hatte sich den peinlichen Abschied seines Vereins erspart. Er saß während des Spiels beim traditionellen Gala-Dinner mit dem deutschen Formel-1-Sieger Sebastian Vettel, ließ sich aber ständig über das Geschehen im wenige Kilometer entfernten Stade Louis II informieren.

In der Mehrheit waren es jüngere Fans, denen nach dem Schlusspfiff die Nerven durchgingen. Solche, die den Verein aus dem Fürstentum noch nie in der 2. Liga erlebt haben - und für die das eigentlich auch unvorstellbar war. Sie haben Stars wie Jürgen Klinsmann, Thierry Henry oder Roger Milla zugejubelt, Weltmeister wie Fabien Barthez, Youri Djorkaeff, Emmanuel Petit, Lilian Thuram oder David Trezeguet in ihren Reihen gewusst. Und sahen ihre „Rouge et Blanc“ (die Rot-Weißen) 2004 nach Triumphen über Real Madrid und den FC Chelsea im Champions-League-Finale. Dieses verlor das Team um Fernando Morientes und Ludovic Giuly aber 0:3 gegen den FC Porto.

Monaco stieg mit nur 40 Gegentoren aus 38 Spielen und fünf Punkten Rückstand auf Rang neun ab, doch der Niedergang hatte sich angedeutet. Die Mannschaft hat keinen Star mehr, der Etat liegt mit 47 Millionen Euro nur noch im Mittelfeld der Liga, vier Präsidenten und sechs Trainer in sechs Jahren sind Zeugen des Chaos.

Um den ersten Abstieg seit 1976 zu verhindern, hatte der Klub um Sportdirektor Marc Keller (früher Karlsruher SC) alles versucht. Die günstigsten Karten wurden für fünf Euro verkauft, so kamen immerhin mehr als 11.000 Zuschauer. Mit auf den Sitzen ausgelegten Fähnchen sorgten die Fans vor dem Anpfiff für Stimmung, doch spätestens nach dem 0:1 schlug diese in Frust und Aggression um.

„Ich bin sehr enttäuscht, aber man muss die Gesetze des Fußballs respektieren und fragen, wie es so weit kommen konnte“, sagte Trainer Laurent Banide fassungslos. Dass der Klub aus dem Fürstentum vielen in der Liga ein Dorn im Auge war, ist ihm aber bewusst.

„Einige werden sich freuen“, sagte er: „Aber Monaco in der 2. Liga, das ist ein großer Verlust für den französischen Fußball.“ Wie die Rückkehr zur alten Stärke zu schaffen ist, glaubt der Coach auch zu wissen. Jedenfalls nicht mit jener zusammengewürfelten Mannschaft, die im „Endspiel“ um den Klassenerhalt nie den Eindruck erweckte, es schaffen zu können. „Wenn wir unsere Seele wiederfinden, haben wir die Chance, irgendwann wieder ein großer Verein zu werden“, sagte Banide.

Lyon rettete sich durch den Sieg auf den letzten Drücker in die Qualifikation zur Champions League, wo „OL“ seit Jahren das französische Aushängeschild ist. Trainer Claude Puel wird das aber wohl nicht den Job retten, sein Nachfolger wird angeblich Jean Fernandez von AJ Auxerre. 

sid 

Rubriklistenbild: © dpa

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