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Bundesliga-Legende tot: Sein Spitzname war „Dr. Hammer“ - „Hatte riesiges Herz für die Jungen“

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Von: Marcus Giebel

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Bernd Nickel läuft mit dem Ball am Fuß über den Rasen
Machte sich in der frühen Bundesliga-Zeit einen Namen: Bernd Nickel ist im Alter von 72 Jahren gestorben. © Hartenfelser/Laci Perenyi/IMAGO

Er war der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga. Nun ist er tot: Die Rede ist von Eintracht Frankfurts Bernd Nickel. „Dr. Hammer“ wurde 72 Jahre alt, wie sein früherer Verein mitteilte.

München - Die Bundesliga trauert um eine weitere Legende. Wenige Wochen nach dem Tod von Rekordtorschütze Gerd Müller ist mit Bernd Nickel ein weiterer Torjäger aus der Anfangszeit der Liga gestorben. Das bestätigt sein früherer Verein Eintracht Frankfurt,

Der „Dr. Hammer“ gerufene Ex-Profi wurde 72 Jahre alt. „Bernd Nickel ist nach langer Krankheit am Mittwochmorgen gestorben“, schreibt der Verein. Präsident Peter Fischer betont in der Mitteilung: „Mit Bernd Nickel verlieren wir eine der ganz großen Identifikationsfiguren des Vereins. ‚Dr. Hammer‘ war ein Markenbegriff für die Eintracht.“

Bernd Nickel gestorben: „Seine Freistöße waren einmalig, er war ein begnadeter Fußballer“

Auch Jürgen Grabowski, der gemeinsam mit Nickel und Bernd Hölzenbein so manches Offensivfeuerwerk auf dem Rasen abbrannte, kommt zu Wort. „Bernd Nickel, den wir immer ‚Nackel‘ nannten, war ganz wichtig für unser Spiel bei der Eintracht. Seine Freistöße waren einmalig, er war ein begnadeter Fußballer“, erinnert der 77-Jährige: „Und das schöne war, dass wir auch nach der aktiven Zeit enge Freunde geblieben sind.“

In der Bild wird Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel mit den Worten zitiert: „Ich bin geschockt. Ich bin mit 17 damals in sein Zimmer bei Eintracht gezogen. Bernd war kein Lauter, aber er hatte ein riesiges Herz für die Jungen.“

Bernd Nickel gestorben: Frankfurter ist treffsicherster Mittelfeldspieler der Bundesliga

Nickel lief zwischen 1968 und 1983 in 426 Bundesliga-Spielen für die Hessen auf. Mit 141 Treffern steht er auf Platz 18 der ewigen Torjägerliste - noch vor Uwe Seeler, Horst Hrubesch oder Rudi Völler. Dabei war der passionierte Golfspieler Mittelfeldspieler. Und der treffsicherste seiner Art. Er gewann 1974, 1975 und 1981 den DFB-Pokal und 1980 den UEFA Cup, Vorgänger der heutigen Europa League. Nach seiner Bundesliga-Zeit trug Nickel auch noch das Trikot der BSC Young Boys aus Bern, für die er in 20 Einsätzen elf Treffer beisteuerte.

Gefürchtet war der aus dem mittelhessischen Ort Eisemroth stammende Nickel für seinen harten und platzierten Schuss, den er schon im Kindesalter am Scheunentor trainierte. In seiner Karriere verwandelte er auch vier Eckbälle direkt - passenderweise aus jeder der vier Ecken im Waldstadion. Die Düpierten waren der FC Bayern, der 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf.

Bernd Nickel (M.) schießt per Seitfallzieher, Paul Breitner (l.) und Franz Beckenbauer können zur zuschauen
Artistisch: Auch die Bayern-Stars Paul Breitner (l.) und Franz Beckenbauer (r.) konnten Bernd Nickels Torhunger hier nicht bändigen. © IMAGO / Ferdi Hartung

Bernd Nickel gestorben: Nur ein Länderspiel für die A-Nationalmannschaft - aber bei Olympia 1972 dabei

In der A-Nationalmannschaft war Nickel unter den Bundestrainern Helmut Schön und Jupp Derwall trotz seiner Abschlussstärke nie wirklich gefragt. Lediglich beim Qualifikationsspiel für die EM 1976 auf Malta (1:0) durfte er für 45 Minuten mitmischen.

Dafür ist Nickel Rekordtorschütze der Nationalmannschaft der Amateure, für die er in 41 Partien zwischen 1968 und 1972 18 mal traf. Den Abschluss dieser Zeit bildeten die Olympischen Sommerspiele 1972 in München, bei denen ihm in sechs Partien sechs Treffer gelangen. Allerdings netzte er lediglich in der ersten Gruppenphase ein: beim 3:0 über Marokko zweimal, beim 7:0 über die USA viermal.

Bernd Nickel gestorben: Nach der Karriere Spielervermittler und Betreiber von Sportartikelgeschäft

1971 lief Nickel zusammen mit Uli Hoeneß bei einem 2:0 über Albanien für die U23-Nationalmannschaft auf. Für die B-Nationalmannschaft spielte er fünfmal, dabei gelangen ihm drei Tore.

Nach seiner aktiven Zeit betätigte sich Nickel zunächst als Spielervermittler und besaß die dafür von der UEFA vergebene Lizenz. Später betrieb er in der Nähe seines Heimatortes ein Sportartikelgeschäft, das er Anfang 2012 aufgab. (mg)

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