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HALBZEIT AUF DEM WEG ZUR FUSSBALL-WELTMEISTERSCHAFT 2022

Katar verspricht Spaß-WM

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Alltag in „Al Bayt City“: 2500 Arbeiter leben dort, die das gleichnamige Stadion bis August 2018 fertigstellen sollen.

Im Dezember 2010 wurde die Vergabe der WM 2022 nach Katar beschlossen; im Dezember 2022 soll wenige Tage vor Weihnachten das Finale in Doha stattfinden. Es gibt harte Kritik am Wüstenemirat. Nun ist Halbzeit auf dem Weg zum Turnier. Hat sich etwas verbessert? Katar bewegt sich. Immerhin.

Al Khor – Es ist ein gefundenes Fressen für Zyniker, und das nicht nur, weil das Plakat mitten in der Wüste zwischen Al Khor und Doha ausgerechnet in der Kantine der Arbeiterstadt „Al Bayt“ hängt. Soeben wird den Besuchern erklärt, wie penibel man darauf achtet, in der Küche jede Lebenseinstellung zu berücksichtigen – was nicht leicht ist bei 2500 Mann aus 30 Nationen. In diesem Gebäude zum Beispiel werde für Inder, Pakistani, Araber und Vegetarier gekocht, man will da jedem Glauben und allen Weltanschauung gerecht werden. All das klingt schön, doch das Plakat zwischen zwei Wasserspendern grenzt dennoch an Hohn. „Eat well, work hard, be happy“, steht darauf zu lesen. „Iss gut, arbeite hart und sei glücklich“. – Prost, Mahlzeit.

Es gab zu viele verstörende Berichte und Bilder über die Lebensbedingungen der aus Indien, Bangladesch, Nepal, Pakistan und weiteren Selbstbedienungsläden der Dritten Welt importierten Arbeiter, als dass man nicht zumindest skeptisch sein muss, wenn einem plötzlich eine heile Welt vorgeführt wird. Allerdings ist das die Krux: Katar beteuert, es bewege sich, verbessere die Standards – und wenn nun eine Gruppe Journalisten aus dem Ausland partout nicht glauben möchte, was ihnen in „Al Bayt City“ gezeigt wird?

Nach der Führung über die WM-Baustelle und die Arbeiterstadt bittet Hassan Al Thawadi zum Gespräch. Der OK-Generalsekretär Katars startet mit einer Charmeoffensive: Drei Mal fragt er, wie es so gehe. Er sitzt im 29. Stock des „Al Bidda Towers“, der Überblick über alle Bauprojekte in Doha – es sind viele – ist grandios. 1995 stand hier ein Hotel, sonst gab es nur Sand, Sand, Sand erzählt er. Hinter ihm hebt sich der Slogan „Deliver amazing“ von der Wand ab: „Erstaunliches liefern“ ist das Motto seines Komitees. Der Kopf von Hassan Al Thawadi spiegelt sich in der Tischplatte vor ihm. Ein Sinnbild? Hat Katar zwei Gesichter – eines für die Öffentlichkeit und eines in der Realität?

Gleich eine der ersten Fragen zielt auf die Situation der Arbeiter ab. Natürlich, sagt er, kann man alles verbessern – „aber das kann jedes Land“. Die Deutschen frage keiner, wie es um ihre Gastarbeiter aus Rumänien steht, merkt er an – spitzfindig und nicht ganz zu Unrecht. Katars Problem sei das Misstrauen in der westlichen Welt. Das „Kafala-System“, das die Gastarbeiter entrechtete, weil es den Firmen erlaubte, ihre Pässe zu kassieren, sei zum Beispiel im Dezember abgeschafft worden. Dies und dass die Regierung eine ganze Stadt nach internationalen Standards für 100 000 Gastarbeiter gebaut sowie andere Konzerne zu ähnlichen Projekten aufgerufen habe, dringe zu selten bis in die Weltöffentlichkeit vor, so Al Thawadi. Ob er das unfair finde? „Ich sage nicht unfair, denn ich mag solche negativen Ausdrücke nicht“, entgegnet er sehr geschickt, „aber ich sage: Die Leute wissen es einfach nicht besser.“

Tatsächlich ist einiges passiert in Katar. Denn die Angst ging um, dass das Projekt WM 2022 ernsthaft gefährdet werden könnte. Inzwischen wird Katar von vielen Seiten bescheinigt, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Langsam zwar. Aber immerhin.

In „Al Bayt City“ arbeiten die Menschen seit September 2015, nach der Fertigstellung im August 2018 sollen 65 000 Fans ins Stadion passen. Das Design entspricht einem Beduinen-Zelt, das größte Zelt der Welt wird es sein, heißt es bei den Entwicklern stolz, und rund um die Beduinen-Behausung entsteht eine ganze Sportstadt, inklusive Energiekraftwerk. Es ist eines von acht Stadion-Projekten, und eines der ambitioniertesten. Das „Al Bayt“ bleibt lange Turnier-Gastgeber, ein Halbfinale findet hier statt, und wenn der Weltmeister gekürt ist, verwandelt man es in eine Mehrzweck-Arena mit 30 000 Plätzen. Der oberste Rang wird dann abgetragen und in die Dritte Welt versandt, der zweite Rang zu einem Hotel umgebaut. Die VIP-Boxen werden zu Luxussuiten.

Für die Arbeiter in „Al Bayt City“ klingt das wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Sie teilen sich zu viert einen Raum, wenn sie gerade nicht auf einer der drei Tagesschichten sind, geschweißt und gebohrt wird rund um die Uhr. Jeder hat ein Bett, einen Schrank mit Schloss und sechs Quadratmeter Privatsphäre, dank eines Vorhangs. In den Zimmern ist Kochen untersagt, Unfallgefahr. Draußen gibt es Tennis- und Basketballplätze, einige Fitness- und Freizeiträume, Kiosk, Wäscherei, Internet, Fernsehen, Friseur und ein eigenes Kino. Sprechen dürfen die Journalisten mit den Arbeitern aber nicht – da fehle die entsprechende Genehmigung, heißt es bei der Führung mit Bedauern.

1,5 Millionen Besucher erwartet Katar zum Turnier. In Al Thawadis Augen findet so langsam ein Umschwung bei den Fans statt; sie würden allmählich die Vorteile dieser ersten Winter-WM der Geschichte begreifen. Er selber erwähnt das mehrfach im Gespräch, er ist ein guter Verkäufer. Aber tatsächlich dürfte der eine oder andere Gefallen an der Idee finden, zwischen zwei Spielen eine Weile am Strand zu liegen. Zwei Vorteile hat Katar 2022 gegenüber Südafrika, Brasilien und Russland auf jeden Fall: Das Land ist ungefähr so groß wie Hessen, was den Fans wie den Spielern strapaziöse Reisen erspart. Zudem sind die Profis im November besser in Schuss als gewöhnlich bei einer WM, die ja traditionell an eine lange Saison geklebt ist.

Eine große Frage ist – denn das Bier gehört nun einmal zu einem Fußball-Großereignis – der Umgang mit Alkohol. In Katar ist der Konsum weitgehend verboten, nur ein paar wenige Hotels dürfen ihn ausschenken. Al Thawadi sieht auch hier keine Probleme: Es werde bei der WM Alkohol geben – „aber immer im Rahmen unserer Gesetze“. Das heißt: Auf öffentlichen Plätzen und auch in den Stadien sitzen die Fans auf dem Trockenen, doch es werden entsprechende Fanzonen in den Städten aufgebaut, in denen der Konsum von Alkohol gestattet ist. Im Übrigen, meint Katars WM-OK-Chef, werde das auch in westlichen Ländern ähnlich gehalten, in den USA dürfe ja etwa auch keiner auf der Straße trinken.

„Ich verspreche eine Spaß-WM“, sagt Al Thawadi zum Abschluss, „eine gastfreundliche arabische Welt, großartige Fan-Zonen, Strände und eine reichhaltige Kultur.“ Für viele Fans werde es der erste Besuch im Mittleren Osten sein, umso wichtiger sei es in der heutigen Zeit, dass der Fußball Menschen vereine. In seinen Augen wäre ein Entzug der WM ein falsches Zeichen gewesen, „wo doch heute so viel von Isolation gesprochen wird. Und ihr Deutschen, ihr wisst das doch genau: 1954 hat der WM-Sieg euer ganzes Land angehoben – das war kein Traum, das ist wirklich passiert! Die WM in der arabischen Welt auszurichten, bedeutet für uns das Gleiche. Ihr Deutschen könnt an so einer Wirkung nicht zweifeln. Ihr wisst es selbst.“

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