BFV-Präsident erklärt seine Entscheidung

Rainer Koch: Darum werde ich nicht DFB-Präsident

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Rainer Koch war in Langenbach bei der Pflichtversammlung der Landkreis-Schiedsrichter zu Gast.

Langenbach - Hoher Besuch bei der Pflichtversammlung der Landkreis-Schiedsrichter: DFB-Interimspräsident Rainer Koch war am Montag nach Langenbach gekommen – und er hatte einige interessante Botschaften dabei.

Kaum hatte Rainer Koch, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und bis Mitte des Monats zudem noch Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), am Montagabend den großen Saal des Alten Wirts betreten, da war klar, dass dies kein unpersönlicher Abend werden würde. Zahlreiche Hände wurden geschüttelt, einige persönliche Umarmungen gab’s. Etwa für Schiedsrichter-Kassier Stefan Hany, mit dem Koch vor über 40 Jahren in der Landesliga als Schiedsrichter gelernt und gepfiffen hatte. „Mir war es ein Anliegen, mal wieder in den Landkreis Freising zu kommen“, begründete Koch seinen Besuch. „Denn während meiner Zeit im damaligen Kreisausschuss war ich unter anderem für Freising zuständig und hatte damit hier immer wieder zu tun.“

Es war also eine Art Rückkehr an die alte Wirkungsstätte für Koch, der seit dem unrühmlichen Ausscheiden von Wolfgang Niersbach im November zusammen mit Liga-Präsident Reinhard Rauball das Amt des DFB-Präsidenten bekleidet. Und Koch hatte einiges zu berichten vom BFV und DFB. Etwa, dass in Bayern Wochenende für Wochenende knapp eine halbe Million Menschen rund um die Fußballplätze von der C-Klasse bis hinauf in die Bundesliga unterwegs seien. Oder dass es insgesamt rund 30.000 Fußballmannschaften im Freistaat gebe und die stattliche Zahl von 13.000 Schiedsrichtern für den reibungslosen Ablauf der Partien sorgen würde. „Das zeigt, welchen Stellenwert der Fußball in Bayern einnimmt“, betonte Koch. Und auch im gesamten deutschen Fußball-Netzwerk habe der BFV eine sehr wichtige Rolle inne: So stelle Bayern im Vergleich zu den anderen Landesverbänden nicht nur einen Großteil der insgesamt 6,9 Millionen Mitglieder, sondern der BFV habe auch viel Mitspracherecht, wenn es etwa um die Einführung von Neuerungen geht.

Und um der Frage, warum er nicht DFB-Präsident bleiben wolle, zuvorzukommen, sagte Koch: Seit zwölf Jahren sei er nun schon für die Geschicke des BFV zuständig. Daher hätte er als DFB-Präsident nur weitergemacht, wenn ihn die BFV-Mitglieder „massenhaft hätten loshaben wollen“. Zudem hänge er, der Richter am Münchner Oberlandesgericht ist, sehr an seinem Beruf. Und darüber hinaus „ist das Umland von München überaus lebenswert, und ich mag es, an der Schnittstelle zwischen Profi- und Amateurfußball zu arbeiten.“ Nicht zuletzt bleibe er ja dem DFB als Vizepräsident erhalten – zumindest bis zum Herbst, wenn die regulären Neuwahlen anstehen. Am 15. April wird bekanntlich nur ein neuer Präsident gewählt.

Eine Absage erteilte Koch am Montagabend all den Kritikern, die meinten, dass der Amateurfußball ein sterbender Schwan sei und es nicht mehr viel bringe, dass der BFV in ihn investiere, etwa mit stetig neuen Online-Angeboten. „Das habe ich vor 40 Jahren als Schiedsrichter auch schon gehört – und man sieht ja, was daraus geworden ist.“ Jedoch warb Koch auch dafür, dass sich die Vereine verstärkt in der Öffentlichkeit präsentieren müssten: „Nur wer das als Klub macht, wird sich auch halten können.“ Ebenso rührte Koch für die medialen Neuerungen des BFV die Werbetrommel – etwa für den Live-Ticker bis hinunter in die untersten Amateurligen („Überlegen Sie mal, wie man früher an die Ergebnisse der anderen Mannschaften gekommen ist“) oder auch den Plan, in Zukunft Live-Videosequenzen zeitgleich zum Ticker einzuspielen. „Das gehört dazu, wenn wir den Fußball zeitgemäß darstellen wollen.“ 400 000 unique User, also einzelne Nutzer, habe die BFV-Webseite monatlich und sei damit die besucherstärkste regionale Sportplattform in Deutschland. „Da ist es klar, dass wir diese Seite weiterentwickeln müssen“, so Koch.

Wenig Neues gab es indes bei der Freisinger Schiedsrichtergruppe, wie Obmann Julia Kistler am Montag berichtete. Neu im Lehrteam sind seit diesem Jahr Erik Shenton, Dominik Maier und Timo Dahmen. Zudem warb Kistler für das Angebot, ein Spiel im Tandem zu leiten. Nicht zu vergessen: Am Samstag startet der nächste Neulingskurs der Freisinger Referees. Anmeldungen sind noch möglich.

Rainer Koch über brennende Fragen beim DFB

Rainer Koch zur Krise beim DFB um Schmiergeld und Stimmenkauf:

„Wir im Hintergrund haben davon alle nichts gewusst. Am Stammtisch schimpfen momentan viele über die WM-Vergabe nach Katar – wenn wir aber glaubwürdig sein wollen, müssen wir bei uns die gleichen Maßstäbe ansetzen und die Dinge klar ansprechen. So kann es beispielsweise nicht sein, dass einfach 6,7 Millionen Euro verschwinden. Wir können da nicht einfach den Mantel des Schweigens drüberlegen, da verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit. Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt werden.“

Zur anstehenden EM in Frankreich:

„Gerade, wenn man selbst eine Nacht in einem Fußballstadion (Anm. d. Red.: Koch war während der Terroranschläge in Paris beim Spiel Frankreich gegen Deutschland) verbracht hat, bekommt man zum Thema Sicherheit natürlich eine andere Sichtweise. Ich glaube aber, dass die Behörden alles dafür tun, dass sich solche Vorfälle wie damals nicht wiederholen. Zu 100 Prozent kann man die Sicherheit natürlich nicht gewährleisten, aber da muss jetzt jeder einen Beitrag leisten. Dem Terror kann man nur als Gesellschaft begegnen.“

Zum Thema Videobeweis im Fußball:

„Der Weg wird sicher dazu hinführen, die Diskussionen rund um den Fußball werden deswegen aber sicher nicht komplett aufhören. Trotzdem ist die positive Haltung dazu richtig. Jedoch gibt es von der FIFA aus jetzt erst einmal eine zweijährige Testphase, wofür der DFB gute Chancen hat, mitmachen zu können. Man kann also derzeit überhaupt noch nicht sagen, in welcher Form der Videobeweis kommen wird.“

Matthias Spanrad

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