Fall ist bayernweit einzigartig

Beim Fußball verloren: Fiese Rache vor Gericht

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In Biburg hat ein Spieler für zwei Vereine gekickt. Das ist nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Biburg - Der Fall ist bayernweit einzigartig: Trotz restriktivster Haltung des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Fragen dieser Art, besitzt Florian Mohr (51) zwei Spielerpässe zweier konkurrierender Vereine. Jetzt kickten die Clubs gegeneinander – und der in der Partie unterlegene SC Gilching ging mit Erfolg petzen.

Als Florian Zirwick vor elf Jahren heiratete, nahm er den Namen seiner Frau an. Seither heißt er Florian Mohr. Auch seinen Verein hat der 51-Jährige inzwischen gewechselt. War er vor Jahren in Gilching aktiv, so trägt er nun das blaugelbe Dress des ASV Biburg – und der Allgemeine Sportverein aus dem Allinger Ortsteil ist jetzt drei hart erkämpfte Punkte los, weil Gilching beim Sportgericht siegte.

Nach Biburg wechselte Mohr vor Jahren mit einigen von ihm betreuten Jugendlichen, weil Gilching die Jugendarbeit aufgab. Mohr band sich in der Folgezeit immer enger an die neuen Kollegen in Biburg. Als er auch altersmäßig reif für die Senioren war, beantragte der ASV eine Spielgenehmigung für Mohr, damit er für die Alten Herren (AH) antreten konnte.

Die Gilchinger Ära hatte Mohr längst abgehakt und vergessen. Problemlos wurde der neue Pass vom Bayerischen Fußballverband auf den Namen Florian Mohr ausgestellt. Jahrelang gab es keine Probleme. Mohr spielte unbeanstandet und munter bei den Oldies.

Spieler kickt beim Derby und wird verpetzt

Weil sich das kleine Fußballörtchen Biburg mit seinen 788 Einwohnen mittlerweile aber drei Mannschaften gönnt, die im Punktspielbetrieb mitmischen, kommt es manchmal zu personellen Engpässen. Deshalb half Mohr zuletzt in einem der beiden C-Klassen-Teams aus – just beim Derby gegen den SC Gilching. Und wider Erwarten gewann die Not-Truppe des ASV – sie ist Tabellenletzte – mit Mohr gegen Gilching. Das 2:1 brachte einen lang ersehnten dreifachen Punktgewinn.

Das aber war für Gilchings Fußballseele offenbar zu viel. Irgendjemand bei den Verlierern erinnerte sich plötzlich an einen tief in den Vereinsarchiven schlummernden Spielerpass, der auf einen gewissen Florian Zirwick ausgestellt und noch immer gültig war.

Der Protest beim Sportgericht hatte Erfolg. „Blöd gelaufen“, kommentiert Gilchings Schatzmeister Thomas Schnattinger, aber: „Es gibt nun mal ein Passrecht, an das sich alle zu halten haben.“

Zwischen Amüsement und Empörung

Mohr selbst schwankt zwischen Amüsement und Empörung. Fußballspielen in der C-Klasse, das sei für ihn mehr Freizeitbeschäftigung als sportlicher Ernst. „Siege und Punkte interessieren uns Oldies wenig. Wir wollen nur spielen.“

Allerdings gesteht Florian Mohr auch ein: „Den allerersten Pass-Fehler habe wohl ich gemacht.“ Trotzdem berichtet er: „Ich war 20 Jahre für den SC Gilching tätig. Jetzt habe ich meine Kündigung eingereicht.“ (Peter Loder)

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ausnahmen bestätigen die Regel: Dass ein Spieler gleichzeitig in zwei Mannschaften spielt, geht eigentlich gar nicht, ist unter gewissen Voraussetzungen aber dann doch erlaubt. So im Falle des 22-jährigen Julian Burmester. Er ist Fähnrich bei der 9. Inspektion in der Offizierschule der Luftwaffe im Brucker Fliegerhorst und kann auf Fußball in der Freizeit einfach nicht verzichten.

Der bekennende HSV-Fan spielt eigentlich in seinem 700 Kilometer entfernten Heimatverein SpVgg Oetzen-Stöcken (Kreisliga Uelzen). Seit Frühjahr darf er aber auch für den FSV Aufkirchen antreten. Die Erlaubnis dazu – sie heißt Zweitspielrecht – wird nur in unteren Ligen und jeweils nur auf ein Jahr gewährt, erklärt FSV-Manager Stephan Böck. In Anspruch nehmen dürfen es etwa Studenten oder Berufspendler.

Zwei Pässe für den Fußball

Und das tut Julian Burmester, weil Fußball einfach seine Lieblingssportart ist. Bis auf ein Jahr, als er als Austauschschüler in Detroit die High-School besuchte, hat er immer gekickt. „Da war mehr Basketball angesagt“, berichtete der Niedersachse, der eine Verwendung als Transportpilot anstrebt. „Ich spiele eigentlich mehr beim FSV als bei meinem Heimatverein“, erzählt der 22-jährige Defensivspieler. „Vor allem, seitdem ich Katharina, meine Freundin kenne. Die ist aus Pischertshofen.“

Über Katharinas Opa Sepp Selder kam auch die Verbindung zum FSV Aufkirchen zustande. Überhaupt sei ihm die bayerische Kultur gewaltig ans Herz gewachsen, erzählt Burmester:„In München bin ich häufiger als in Hamburg“. Eine Lederhose besitzt er auch schon. Freilich: Am Training kann Burmester nur teilnehmen, soweit es sein Dienst bei der Luftwaffe erlaubt.

Das Zweitspielrecht beinhaltet natürlich einige Regeln, ohne Bürokratie geht auch beim Fußballverband gar nichts. Der Spieler darf am Wochenende jeweils nur für einen Verein auflaufen. Der Heimatverein muss mindestens 100 Kilometer weit weg sein. Außerdem ist eine Bestätigung des Arbeitgebers nötig sowie eine Anmeldung als Zweitwohnsitz.

Wichtig aber vor allem: Wenn der Spieler hier etwa wegen eines Fouls eine Sperre erhält, dann gilt sie auch im anderen Verein.

Dieter Metzler

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