Bierhoff: Ohne Löw ist Schluss

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Oliver Bierhoff.

Erasmia - Oliver Bierhoff treibt in den WM-Tagen von Südafrika seine persönlichen Zukufts-Planungen voran.

Alle Zeichen deuten immer stärker darauf hin, dass der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der WM nicht mehr für den DFB arbeiten wird. Für einen Fall legte sich Bierhoff jetzt schon definitiv fest: “Ohne Jogi Löw als Bundestrainer werde ich nicht weitermachen“, sagte der 42-Jährige der “Sport Bild“ (Mittwoch).

Auf der anderen Seite aber will Bierhoff einer Vertragsverlängerung mit Löw auch nicht im Wege stehen. Löw soll in seinem Kopf frei in seiner Entscheidung sein, hatte Bierhoff bereits verkündet: “Jogi wird auch ohne mich Erfolg haben.“

Bierhoff selbst kann sich nach seiner Nationalmannschafts-Aufgabe eine führende Rolle in einem Bundesliga-Verein gut vorstellen, aber nicht als klassischer Manager. “Es gibt Manager, die fast halbe Trainer sind, sich ganz auf den Spielerbereich konzentrieren und nur den sportlichen Aspekt sehen. Ich sehe mich in einer anderen Rolle“, sagte Bierhoff. “Mir würde es Spaß machen, einen Verein nach meinen Vorstellungen auszurichten, neue Strukturen zu schaffen und wie in der Nationalmannschaft neue Wege zu gehen“, verriet der ehemalige DFB-Kapitän.

Hochzeitsplaner und Spargeltarzan: Das ist unsere DFB-Elf

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Philipp Lahm (26): Bei ihm läuft alles perfekt: Junggesellenabschied und Tanzkurs wurden vor der WM erledigt, Hochzeitstermin ist drei Tage nach dem Finale. Geplant hat der neue Kapitän auch mindestens das Halbfinale. Ewige Diskussionen gibt es darum, ob er links oder rechts verteidigen soll. Er hat es abermals klargestellt:... © dpa
... Rechts hält er sich selbst für einen Tick stärker, „doch wenn ich der Mannschaft helfe, gehe ich auch auf links hinüber“. Sein Traum ist ein Kopfballtor, wie er in einem humoristischen Anflug verrät. Doch Tore schießen, das ist Lahm nicht fremd. Jedenfalls nicht in Turnieren: Er eröffnete die Heim-WM 2006 mit dem Treffer gegen Costa Rica, bei der EM 2008 gelang ihm das Tor gegen die Türkei, das den Finaleinzug bedeutete. © dpa
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Bastian Schweinsteiger (25): EM ’04, Confed Cup ’05, WM ’06, EM ’08, jetzt WM ’10 – hat als Mittzwanziger immense Erfahrung, die sich neuerdings in nutzwertorientierter Frisur und staatstragender Außendarstellung äußert. Wenn seine Karriere reibungslos verläuft, dann wird er etwa früh in den Dreißigern Lothar Matthäus als Rekordnationalspieler ablösen... © dpa
... Bastian Schweinsteiger stammt aus Oberaudorf und war früher auch ein begabter Skifahrer, stand mit Felix Neureuther im Nachwuchskader des Deutschen Ski-Verbandes. Die Physiotherapeuten des FC Bayern führen seine körperliche Stabilität auch auf die kernigen Skifahrer-Oberschenkel zurück. Für die WM 2010 hat ihn Joachim Löw zum „emotionalen Leader“ der Mannschaft ernannt. Nach der Saison in München herrscht die allgemeine Erwartung einer Schweini-WM. © dpa
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Manuel Neuer (24): Der Jüngste der drei Torhüter als Nummer eins, das gab es zuletzt 1990 mit Bodo Illgner. Der Schalker mit dem Jimi-Blue-Ochsenknecht-Gesicht gilt als modernstmöglicher Keeper, als fünfter Mann in der Viererabwehrkette, vor allem DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist begeistert... © dpa
...Vorbild Neuers ist ein Altstar: Hollands Edwin van der Sar. Früher, als Schalker Jugendspieler, mochte er auch Jens Lehmann – doch der hat ihn zuletzt zu böse kritisiert. © dpa
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Tim Wiese (28): Bei ihm glänzt es. Brillis im Ohr, Gel im Haar, außerhalb des Spielfeldes auch gerne mal Goldkettchen. Legendär ist sein geschmacksverirrtes rosa Trikot. Sieht sich als Opfer des Neuer-Lobbyismus und wird eine nicht ganz ruhige Nummer zwei sein („Kämpfen, bis das Blut aus den Ohren läuft“). Wiese war zu Beginn seiner Profilaufbahn Bodybuilder, nach einem Gewichtsverlust von an die 20 Kilo ist er geschmeidig geworden. © dpa
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Jörg Butt (36): Truppenältester ohne realistische Einsatzchance – kann in der jungen Truppe in Ruhe Charakterstudien für seinen Nachfolgejob als Jugendkoordinator beim FC Bayern betreiben. Kennt das Nummer- drei-Dasein schon von der EM 2000 und der WM 2002. Wird nun einen ausgedehnten Trainingssommer erleben und fit bei den Bayern einsteigen. Im Ausdauerbereich ist er eh gut: Lief zu HSV-Zeiten mal den Hamburg-Marathon auf den Inline-Skates mit. © dpa
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Jerome Boateng (21): Könnte von der Figur auch als Top-Leichtathlet (Zehnkämpfer) durchgehen. Trägt die Bürde mit sich, einen bösen Halb-Bruder zu haben (Kevin Prince, den Ballack-Schrecken), meidet derzeit im Training Zweikämpfe. Vorzug: Abwehr-Allrounder, der innen wie außen spielen kann. Unvergessen sein erstes Länderspiel: WM-Qualifikation in Moskau. Stark – bis er vom Platz flog. Verlässt den Hamburger SV und wechselt nach England zu Manchester City. © dpa
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Serdar Tasci (23): „Schöne Spielauslösung“, das lobt Jogi Löw an dem VfB-Innenverteidiger. Nach Ansicht objektiver Beobachter führt die schöne Spielauslösung öfter als erlaubt direkt in die Reihen des Gegners, doch der Bundestrainer hat nun mal ein Tasci-Faible. Auf andere greift es noch nicht über: Als beim Trainingslager auf Sizilien alle Nationalspieler den Medien zur Verfügung standen, gab es für den Stuttgarter keine Interview-Anfrage. Tasci geht als Reservist in die WM. © dpa
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Arne Friedrich (31): Gehört zum Turnier-Inventar. Arbeitet seit zweieinhalb Jahren mit der Psychologin von Schwimmstar Britta Steffen zusammen und ist dadurch mental robust geworden, weswegen ihn der Abstieg seiner Berliner Hertha auch nicht umgehauen hat (zumal ihn Wolfsburg auffängt und ihm die Bundesliga erhält). Wird diesmal im DFB-Team wohl Innenverteidiger sein und jeden Trainerbefehl („Arne, der Gegner muss deinen Atem spüren“) befolgen. © dpa
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Per Mertesacker (25): „Schnarch“ taufte ihn die Bild-Zeitung 2008 im Verbund mit „Schleich“ (Metzelder – aber der ist nun nicht mehr dabei). Der Bremer gibt jetzt selbst den Typ zum Anlehnen, den Lebenshelfer für die vielen Jüngeren. Ist praktisch der große Bruder von Mesut Özil. Bei der WM 2006 hatte Mertesacker die besten Zweikampfwerte aller Turnierspieler. In der Frühphase seiner Laufbahn foulte er fast nie – nun hat er sich schon etwas mehr angepasst. © dpa
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Dennis Aogo (23): Der Hamburger durchlief alle U-Auswahlteams des DFB, kann flanken und Mörderfreistöße schießen. Geheimtipp als linker Verteidiger, falls Lahm rechts spielen sollte. War die erste große Überraschung bei der Nominierung des 27er-Kaders, galt folglich als Streichkandidat – ehe er mit guter Leistung beim 3:0 gegen Malta seine Perspektiven aufhellte. Der Ex-Freiburger sagte: „Mein Vater war über das Debüt noch glücklicher als ich. Er war zu Tränen gerührt.“ © dpa
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Holger Badstuber (21): Der Allgäuer kam ohne Länderspiel in den WM-Kader, gehörte auch nicht der U 21-EM-Siegertruppe an. Löw nennt ihn „ruhig und abgeklärt“ – dieser Eindruck kann entstehen, weil Badstuber mehr Fußballphrasen beherrscht als ein 30-Jähriger. Der Bundestrainer hat ihn als Ersatz-Innenverteidiger auf der Rechnung oder als Notfall-Linksverteidiger. Nicht zu vergessen: Beim FC Bayern II hat Badstuber bis vor einem Jahr als Sechser gespielt. © dpa
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Marcell Jansen (24): Chronisch gut gelaunt und optimistisch. Deshalb zog Löw den Ex-Gladbacher, Ex-Bayern und Nun-Hamburger trotz langer Verletzungspause durch die Vorbereitung. Natürlich kann Jansen auch ziemlich dynamisch auf der linken Seite spielen, er kann Abwehr und Mittelfeld. Ein Fragezeichen steht bei ihm immer hinter der Gesundheit. Die Bayern hatten Jansen wegen der Zweifel an seiner Stabilität nach einer Saison weiterverkauft. © dpa
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Sami Khedira (23): Deutsch-Tunesier, der richtig herzhaft schwäbeln kann. Seit seinem 9. Lebensjahr als Hochbegabter ausgeguckt, wurde als B-Jugendlicher von europäischen Spitzenvereinen umworben. Soll den zweiten Sechser (Löw: „Achter“) neben Bastian Schweinsteiger geben. Bemerkenswert: Spielt mit angerissenem Kreuzband, hatte in der Liga nur drei Wochen pausiert und Reha gemacht. Hat dem VfB die Treue versprochen, obwohl zuletzt auch Bayern lockte. © dpa
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Toni Kroos (20): Der München-Rückkehrer, der geschliffen reden kann, muss erst noch Argumente für einen Stammplatz im DFB-Team sammeln. Startet aus der zweiten Reihe, dürfte aber einer der ersten Einwechselspieler sein, weil er taktisch schlau und torgefährlich ist – vor allem bei Standards. War mal ganz offiziell weltbester U 17-Spieler, erlebte bei den Bayern aber „verlorene Zeit unter dem Trainer Klinsmann“ und holte bei Leihklub Leverkusen wieder auf. © dpa
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Piotr Trochowski (26): Der Kleinste im Team – aber der mit den kernigsten Waden. Kann vertrackt schießen und im Mittelfeld rechts oder links spielen. Vom Ehrgeiz gepeitscht, hatte im Ungarn-Spiel als Erster sein Hemd komplett durchgeschwitzt. Bei der EM 2008 Dauerreservist, in der Qualifikation zur EM 2010 spielte er sich – vorübergehend – in die erste Elf. Eine durchwachsene Saison in Hamburg unter Trainer-Fehlbesetzung Labbadia hat ihn aus dem Tritt gebracht. © dpa
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Mesut Özil (21): Vom Gesicht her könnte der Bremer als 16 durchgehen, mit dem Ball am Fuß wächst er zu einem ausgebufften und reifen Spielgestalter. Freut sich, dass viele vertraute Spieler aus der U 21 vom Vorjahr dabei sind, das stärkt sein Wohlgefühl. Die WM wird für den Deutsch-Türken zur Plattform, auf dem Transfermarkt ist er der aufregendste deutsche Spieler. Der versuch des SV Werder, ihn langfristig zu binden, hat erst mal nicht geklappt. © dpa
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Marko Marin (21): „Der Kleine“ nannte ihn Löw bei der Entdeckung vor der EM 2008 fast väterlich. Größer geworden ist Marin nicht, aber in einer Saison Bremen erfahrener. Vor zwei Jahren flog er, damals Zweitligaspieler in Mönchengladbach, noch aus Löws Kader, diesmal überstand er den letzten Schnitt. Der gebürtige Bosnier ist mit Mesut Özil gut eingespielt, es fehlt nur Aaron Hunt aus dem „magischen Dreieck“ aus Bremen. Stärke: im Dribbling Freistöße herausholen. © dpa
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Lukas Podolski (25): Den Titel als „Gillette Nachwuchsspieler“ von der WM 2006 kann er nicht verteidigen – er ist kein Debütant mehr und inzwischen Mittzwanziger. Die Bundesliga-Kollegen haben dem Kölner frisch das Etikett „Absteiger der Saison“ aufgeklebt – das wurde er zu seiner missglückten Bayern-Zeit schon mal. Löw erwartet eine Trotzreaktion bis zur „Explosion“. Podolski spielt in der Nationalmannschaft nicht mehr Stürmer, sondern im linken Mittelfeld. © dpa
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Stefan Kiessling (26): Der beste deutsche Bundesliga-Torjäger (21 Treffer) hat eine Zitterpartie hinter sich. Er war am höchsten gewettet als derjenige, den Löw streichen wird. Doch der Coach sah über die Formschwäche Kießlings in den Trainingslagern hinweg, es zählte der Gesamteindruck, den der gelernte Koch über die Saison hinweg hinterlassen hat – da erkannte Löw „klare technische Steigerungen“. Allerdings: In der DFB-Stürmer-Hierarchie steht Kießling weit unten. © dpa
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Cacau (29): Betritt der Ex-Brasilianer den Raum, geht die Sonne auf. Könnte der erste Joker sein, vielleicht wird er sogar noch mehr. Der Stuttgarter hat einen Lauf. Seit Monaten. Schoss in einem Bundesligaspiel sogar vier Tore, Lächelnd gibt er übrigens zu, dass er beim WM-Finale Brasilien – Deutschland 2002 am Fernseher dem alten Heimatland die Daumen gedrückt hat. „Da war ich noch neu in Deutschland, doch meine Geschichte hat sich geändert.“ © dpa
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Miroslav Klose (32): Es werden wieder Abhandlungen geschrieben über seine Körpersprache, die von einer Saison der Tristesse in München (hängende Schultern!) kündet. Trotzdem wird fast alles auf ihn ausgerichtet – damit er im ersten WM-Spiel gegen Australien seine für den Auftakt üblichen zwei, drei Tore köpft und schießt. WM-Jahre sind Klose-Jahre, mit zehn Toren steht er in der deutschen Allzeit-Liste hinter Gerd Müller (14). International ist Kloses Ruf noch gut. © dpa
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Mario Gomez (24): Weiß, dass er sein erstes Turnier (EM 2008) versemmelt hat (unvergessen sein Fehlschuss gegen Österreich) und seine Saison in München unter der Last der 35-Millionen-Ablöse ihn nicht dafür empfiehlt, erste Wahl zu sein im DFB-Team. Stellt sich bei der WM demütig hinter Miroslav Klose an und hofft, zunächst auf Joker-Einsätze zu kommen. Löw präferiert im Grundsystem eine Allein-Spitze, schließt jedoch auch ein Duo Klose/Gomez nicht aus. © dpa
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Thomas Müller (20): Erst ein Länderspiel (gegen Argentinien) – doch die Sensationssaison beim FC Bayern führt dazu, dass er sich als erste Wahl bei Löw fühlen darf. Der Bundestrainer schätzt am Frühreifen (mit 20 schon verheiratet) den Instinkt, immer dort zu sein, wo es für den Gegner schmerzlich und gefährlich ist. Wichtig fürs Turnier auch: Obwohl ein Spargeltarzan-Typ, ist Müller verletzungsunanfällig. Der Offensiv-Allrounder wird sich wohl im rechten Mittelfeld finden. © dpa

“Ich hatte im Leben schon häufiger Mut, andere Wege zu gehen“, ergänzte Bierhoff. Einen sofortigen Wechsel zu einem Club im Anschluss an die WM schloss er erneut aus, aber ein neues Engagement sei durchaus auch zeitnah möglich. “Ein halbes Jahr Auszeit nach der WM würde ich nicht brauchen.“

dpa

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