Bierhoff: Poldi soll jetzt ruhig sein!

Oliver Bierhoff wünscht sich Kontinuität auf dem DFB-Trainerstuhl - und fordert, Lukas Podolski solle sich auf seine Leistung konzentrieren.
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Oliver Bierhoff wünscht sich Kontinuität auf dem DFB-Trainerstuhl - und fordert, Lukas Podolski solle sich auf seine Leistung konzentrieren.

Mönchengladbach - Ein Sieg gegen Wales – dann kann Manager Oliver Bierhoff bereits für die WM in Südafrika planen.

Die tz traf den Europameister von 1996 im Teamhotel Hilton und sprach mit dem  40-Jährigen über seine Pläne, seine Zukunft – und die von Jogi Löw.

Herr Bierhoff, Bundestrainer Löw wirkt in diesen Tagen bissiger denn je. Haben Sie bei ihm eine Veränderung festgestellt?

Bierhoff:Ja, er ist wesentlich entschlossener und forciert den internen Konkurrenzkampf.

Woran liegt das?

Bierhoff:Während der EM habe ich verwundert festgestellt, dass Joachim Löws Arbeit in Frage gestellt wurde, als es mal nicht so lief. Er hat das registriert und rechtzeitig vor dem Spiel gegen Russland die Zügel angezogen.

Deutschland gegen Russland: Jogis Jungs in der Einzelkritik

Deutschland gegen Russland: Jogis Jungs in der Einzelkritik © 
Starkes Debüt nach Anfangs-Nervosität: Das Gegentor konnte der 23-Jährige nicht verhindern, danach Rettungstat gegen Semak (55.). Wurde dann noch zum erhofften Rückhalt. Vorerst die Nummer 1. Note 2. © dpa
Der Berliner war erst schwer beschäftigt mit dem schnellen Schirkow, später mit Arschawin. Konnte sie nicht immer stoppen. Note 3,5. © dpa
Im 50. Länderspiel im Glück: Fast wäre sein Fehler kurz vor Schluss bestraft worden (88.). Meist Sieger gegen Pogrebnjak. Note 4. © dpa
Hellwach und engagiert, resolut in den Zweikämpfen. Pech beim Kopfball (33.). Rehabilitierte sich für die Patzer in Finnland. Note 3. © dpa
Der Fehler beim 1:2 warf einen Schatten auf eine ansonsten starke Leistung: Hinten und vorne viel unterwegs - ein Aktivposten. Note 2,5. © dpa
Bekam den Vorzug gegenüber Frings - und nutzte die Chance: Wich keinem Zweikampf aus, leitete zudem das erste Tor ein. Note 3. © dpa
Der Kapitän marschierte vorneweg und unterstrich seinen Führungsanspruch. Sehr präsent auf dem Platz - auch in der Spitze: Starker Volleyschuss (8.), Krönung das 39. Tor im 88. Länderspiel. Note 2,5. © dpa
Vom EM-Touristen zur Stammkraft: Wegbereiter zum 2:0, ballsicher, zielstrebig, schussstark: Pech beim Lattentreffer (62.). Note 2. © dpa
Startete gut. Sein überlegtes Zuspiel bei Ballacks Tor war eine Augenweide. Ließ später nach und verlor zu viele Bälle. Note 4. © dpa
Auch ohne Treffer wertvoller Teamworker in vorderster Front. Bereitete das Podolski-Tor vor. Rieb sich bis zur Auswechslung auf. Note 3,5. © dpa
Da war er wieder, der “Deutschland-Poldi“: Erzwang das 1:0, sein 31. Tor im 58. Länderspiel. Beweglich und schussstark, zwang Torhüter Akinfejew zweimal aus der Distanz zu Paraden (34./42.). Note 2. © dpa
Kam kurz vor Schluss für den starken Trochowski. Sollte mit seiner Kampfkraft die Russen stoppen und den Sieg mit verteidigen. Ohne Bewertung. © dpa
Kam für Klose (71.): Konnte sich in der Spitze nicht entscheidend in Szene setzen. Blieb ohne Torgefahr. Ohne Bewertung. © dpa
Simon Rolfes kam in der Nachspielzeit für Hitzlsperger (90.+3), ohne Bewertung. © dpa

Löw hat Sie zuletzt in höchsten Tönen gelobt. Sie hielten den Laden zusammen, Sie seien für Ihn unersetzlich. Denken Sie über Ihn ähnlich?

Bierhoff:Uns verbindet ein besonderes Verhältnis, man kann schon sagen, dass wir freundschaftlich verbunden sind. Untereinander herrscht blindes Vertrauen, wir teilen die gleiche sportliche Philosophie. Es passt perfekt.

Und wenn es nicht so wäre?

Bierhoff:Den Job als Manager würde ich jedenfalls nicht unter jedem Bundestrainer machen. Es muss schon passen.

2010 läuft der Vertrag Löws aus. Wäre es für Sie wünschenswert, langfristig mit ihm zusammen zu arbeiten?

Bierhoff:Ja, das würde ich mir wünschen. Eine Konstanz, wie zu Zeiten von Helmut Schön oder Sepp Herberger, würde der Mannschaft und auch dem DFB gut tun. Selbstverständlich weiß ich, dass auch ein Bundestrainer am Erfolg gemessen wird. Aber man sollte ein Gesamtkonzept nicht davon abhängig machen, ob ein Trainer ein Spiel verliert.

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Sie würden eine langfristige Zusammenarbeit mit Löw begrüßen?

Bierhoff:Ja. In Manchester arbeitet Sir Alex Ferguson bereits seit fast zwei Jahrzehnten, bei Arsenal London ist es Arsene Wenger, bei AC Mailand Carlo Ancelotti. Alles Klubs, die großen Erfolg haben.

Sie stehen ebenfalls unter Erfolgsdruck. Können Sie sich nach 2010, wenn auch Ihr Vertrag ausläuft, eine Veränderung vorstellen?

Bierhoff:Der Job als Manager der Nationalmannschaft ist kein Lebensjob. Aber zur Zeit macht es großen Spaß.

Würde sie irgendwann einmal das Ausland reizen?

Bierhoff:Generell kann ich mir einen Wechsel ins Ausland vorstellen, das hat für mich immer einen gewissen Reiz. Aber konkrete Pläne habe ich nicht.

Wie denken Sie über Podolskis Schicksal in München?

Bierhoff:Lukas sollte nicht darüber reden, wie unglücklich er in München ist. Er sollte jetzt dazu bereit sein, Top-Leistung bei den Bayern zu bringen.

Interview: Lars Werner

Quelle: tz

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