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Bluttests in der Liga: Alles eine große Farce…

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Prof. Fritz Sörgel © dpa

München - In seiner tz-Experten-Kolumne spricht Doping-Jäger Prof. Fritz Sörgel über die Einführung von Bluttests in der Fußball-Bundesliga und warum er die neue Regelung für eine Farce hält.

Gestern haben der Deutsche Fußballbund (DFB) und die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) beschlossen, endlich auch im deutschen Spitzenfußball Bluttests einzuführen. Eigentlich ist das eine tolle Idee, die schon lange überfällig ist, aber wenn man hinter die Kulissen dieser Entscheidung blickt, wird schnell deutlich, dass sie für die Katz ist. Die NADA macht im gesamten Jahr insgesamt 500 Trainingskontrollen im deutschen Profifußball. 15 Prozent davon sollen nun Bluttests sein. Jeden Klub erwarten also nicht einmal zwei Blutkontrollen pro Jahr. Das ist alles eine große Farce. Es wird überhaupt nichts dabei herauskommen und wenn doch, dann hätte der Fußball ein riesiges Problem. Wenn das das Ergebnis der langen Verhandlungen zwischen DFB und NADA sein soll, kann ich wirklich nur lachen. Das kann nicht deren Ernst sein. Durch die geringe Anzahl an Tests ist es nicht möglich, einen Blutpass zu erstellen, das wäre allerdings sehr wünschenswert.

Zudem werden die Blutkontrollen nicht zusätzlich zu den bisherigen Urintests durchgeführt, sondern anteilig eingeführt. Es gibt jetzt also 15 Prozent weniger Urinkontrollen. Das ist ein reiner Kuhhandel und sonst nichts. Der NADA ist in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, dort hat man sich um mehr Kontrollen bemüht. Die bremsende Kraft ist der DFB. Man will dort nicht, dass etwas Unangenehmes ans Tageslicht kommt. Jetzt hat man aber immerhin sein Häckchen gesetzt, der DFB gehört offiziell zu den Verbänden, die Bluttests durchführen. Natürlich braucht man das nötige Budget für eine größere Anzahl an Kon­trollen. Aber wenn dem DFB wirklich daran gelegen wäre, intensiver und qualitativ hochwertiger zu kontrollieren, sollte es daran nun wirklich nicht scheitern. Aber dazu müsste der DFB eben ein wenig Geld investieren.

Prof. Fritz Sörgel, Doping-Jäger

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