Corona-Streit in der Bundesliga

BVB-Boss Watzke heftig unter Beschuss: Hoffenheim-Mäzen Hopp legt nach

Mit einem Auftritt in der ARD sorgt Hans-Joachim Watzke für Unverständnis
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Mit einem Auftritt in der ARD sorgt Hans-Joachim Watzke für Unverständnis.

Das Coronavirus sorgt für Stillstand im deutschen Profifußball. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke polarisiert mit verharmlosenden Aussagen im TV - und erntet nun heftigen Gegenwind.

  • Wegen Coronavirus: Deutsche Profiligen unterbrechen ihren Spielbetrieb.
  • Borussia Dortmund: Hans-Joachim Watzke sieht seinen Klub finanziell nicht in Gefahr.
  • Der BVB-Boss polarisiert mit einem Auftritt im TV und erntet umgehend Spott und Kritik

Update von 12.45 Uhr: Vielerorts sorgt die ablehnende Haltung von BVB-Chef Hans-Joachim Watzke gegenüber möglichen finanziellen Hilfen für kleinere Vereine für Unverständnis. Anteilseigner Dietmar Hopp von Bundesligarivale 1899 Hoffenheim hat sich nun ebenfalls zum Thema Solidaritätsprinzip im deutschen Fußball geäußert - und sich im Zuge der finanziellen Unsicherheit vieler Vereine aufgrund der grassierenden Coronavirus-Pandemie für gegenseitige Unterstützung unter den Fußballklubs stark gemacht. "Es schlägt die Stunde der Solidarität. Der Starke hilft dem Schwachen. Ich würde mir wünschen, dass dieser sehr naheliegende Solidaritätsgedanke bei allen Protagonisten der Bundesliga Konsens ist", ließ der Mäzen der TSG in einem Interview auf der Homepage der Kraichgauer wissen.

Der 79-Jährige, der kürzlich noch enorm von der Ultraszene diverser Klubs angefeindet* wurde, hegt eigenen Angaben zufolge "durchaus Sympathie" für ein solches Vorgehen: "Da darf es keine Denkverbote geben. Wir bei der TSG werden ganz sicher eine Idee ausarbeiten, wie wir als Klub der Region unseren Beitrag in dieser Notsituation leisten können." Damit schließt Dietmar Hopp sich den Aussagen von Bayern Münchens Ex-Präsident Uli Hoeneß an. Dieser hatte kürzlich über den Sport hinaus in den aktuellen Zeiten für ein Gemeinschaftsgefühl geworben.

„Absolut unsolidarisch“: Klub-Bosse kritisieren BVB-Chef Watzke heftig

Update vom 17. März: Nach dem vieldiskutierten Auftritt von BVB-Chef Hans-Joachim Watzke in der ARD melden sich auch Vereinsoffizielle von anderen Bundesliga-Klubs zu Wort. Wenig überraschend stoßen die Aussagen des Geschäftsführers von Borussia Dortmund bei den kleineren Vereinen der Liga auf wenig Verständnis

Fortuna Düsseldorf wehrt sich gegen die Absage zu möglichen finanziellen Hilfen kleinere Klubs: „Ich weiß nicht, was ihn dazu getrieben hat, das zu sagen. Ich halte das für absolut unsolidarisch. Es war weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Inhalt“, sagte Fortunas Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann der Rheinischen Post.

Kritik gibt es auch von Helge Leonhardt, dem Präsident von Zweitligist FC Erzgebirge Aue. Er kritisiert ebenfalls die ablehnende Haltung von Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu möglichen finanziellen Hilfen von größeren für kleinere Bundesliga-Vereine. „Ich denke da völlig anders, weil ich anders erzogen wurde und schon in den letzten 20 Jahren drei große Krisen erlebt und soziale Verantwortung für viele Menschen habe. Und da ging es nicht um Fußballer, die Multimillionäre sind“, gab Leonhardt gegenüber der Leipziger Volkszeitung zu Protokoll.

Laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wurden Hilfen der Großklubs für kleinere Vereine bei der Mitgliederversammlung am Montagnicht thematisiert“.

Corona-Shitstorm gegen BVB-Boss - Fans zürnen nach Sportschau-Auftritt

Update vom 16. März: Hans-Joachim Watzke hat nach seinen Aussagen zur Corona-Krise in der ARD-Sportschau bei Social Media heftigen Shitstorm bekommen.

„Wir müssen ja irgendwann zur Normalität zurückkehren. Wir sollten es auch nicht übertreiben. Die Gesundheitsgefahr für eine Profi-Mannschaft, die aus Athleten besteht, würde ich als nicht so gravierend einstufen“, hatte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund unter anderem gesagt.

Watzke meinte weiter mit Blick auf die Bundesliga-Konkurrenz: „Wir sind Konkurrenten und ein Wirtschaftsunternehmen. Am Ende des Tages können nicht die Klubs, die die letzten Jahre gut gearbeitet haben, die, die es nicht getan haben, belohnen.“ Nach Solidarität klang das nicht gerade.

Wegen der angeblichen wirtschaftlichen Interessen hinter seinen Aussagen und dem Pragmatismus in seiner Wortwahl musste sich der BVB-Boss bei Twitter viel und scharfe Kritik gefallen lassen.

Ein User schrieb: „Teile der Aussagen von #Watzke lassen mich echt sprachlos zurück. Am Anfang dieser ganzen Corona-Krise hier in Deutschland davon zu sprechen, dass man wieder ‚zur Normalität zurückkehren muss‘ und ‚es doch nicht übertreiben soll‘. Wahnsinn.“

Ein anderer Nutzer meinte: „Auf einer Arroganz-Skala von 1 bis 10 findet sich #Watzke bei 28.“

Ein User wiederum schrieb: „Respekt, Herr Watzke. Geldgeilheit steht ihnen wie immer gut.“

Und noch ein Twitter-User meinte deutlich: „Was ich schon seit Jahren sage: Im Vergleich zu #Watzke sind Leute wie #Rummenigge und #Hoeneß Waisenknaben.“ 

Update vom 15. März: Saison-Abbruch oder GeisterspieleBVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist sich sicher: Bundesliga-Spiele mit Zuschauern wird es in dieser Spielzeit nicht mehr geben.

Coronavirus: BVB-Boss Watzke glaubt nicht an Bundesliga-Spiele vor Fans 

„Wenn wir in dieser Saison nochmal spielen, werden es Geisterspiele sein. Niemand in der Bundesliga geht noch davon aus, dass wir noch Spiele mit Zuschauern haben werden“, erklärte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund in einer Sonderausgabe der ARD-Sportschau zu den Auswirkungen der Sars-CoV2-Pandemie auf den Fußball.

Watzke meinte weiter, dass das Revierderby gegen den FC Schalke nicht unbedingt abgesagt werden musste - und beispielsweise in dieser Partie ein Geisterspiel möglich gewesen wäre. „Wenn wir das Derby ohne Zuschauer gespielt hätten, wären noch etwa 80 Menschen im Stadion gewesen“, sagte der 60-Jährige weiter: „Es war eine Abwägung der Interessen.“

BVB-Boss: Hans-Joachim Watzke.

Für kleinere Klubs könne die Corona-Krise fatale Auswirkungen haben, meinte Watzke - und glaubt nicht an einen freiwilligen Gehaltsverzicht gut verdienender Fußball-Profis: „Das könnte ein Thema werden. Aber ich bin da nicht so zuversichtlich.“

Erstmeldung vom 13. März: Das Coronavirus legt die Bundesliga und die 2. Bundesliga lahm - mit bislang nicht absehbaren Folgen für die Klubs.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, hatte bereits darauf verwiesen, dass der Fußball ein „Industriezweig“ sei und dass es schließlich „um Finanzen“ gehe.

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke wählt drastische Worte

Hans-Joachim Watzke geht noch weiter. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund sieht den deutschen Profi-Fußball wegen der Pandemie und ihrer Auswirkungen in der größten Krise seiner Geschichte. Mehr noch: Der BVB-Boss sorgt sich sogar um die finanzielle Zukunft einiger Vereine.

„Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Klubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen“, erklärte Watzke in einer BVB-Mitteilung

Für die Borussia, die unter der Woche in einem Geisterspiel bei PSG aus der Champions League ausgeschieden war, sieht der 60-Jährige nach derzeitigem Kenntnisstand keine „existenzielle Gefährdung“.

Keine Bundesliga wegen Coronavirus: Watzke offenbar nicht ganz einverstanden

Nach langem Zögern hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) an diesem Freitag entschieden, den 26. Spieltag der Bundesliga doch abzusagen und keine Geisterspiele zu wählen. Watzke ist damit offenbar nicht ganz einverstanden.

„Das Präsidium der DFL hat eine Entscheidung getroffen, die es zu respektieren gilt - unabhängig davon, dass es sicher auch andere Ansätze gegeben hätte“, meinte Watzke. Am Montag kommen die deutschen Profi-Klubs in einer eigens einberufenen Mitgliederversammlung zusammen - persönlich oder per Video.

Das neuartige Coronavirus sorgt auch für Änderungen im Programm des Fernsehsenders RTL.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke appelliert an die Bundesliga

„Wir müssen das jetzt alle gemeinsam solidarisch tragen und am Montag die entsprechenden Ableitungen diskutieren“, sagte der Dortmunder Chef und erklärte: „Gleichwohl gilt - auch abhängig von dem, was am Montag beschlossen wird -, dass sich der deutsche Profi-Fußball in der größten Krise seiner Geschichte befindet.“

pm

Nach dem Ausscheiden aus der Champions League in Paris hatte BVB-Trainer Lucien Favre ein wirres TV-Interview gegeben.

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