Sportdirektor im Interview

Gladbach-Boss Eberl vor Real-Kracher: „Sind nicht die Rächer der deutschen Nationalmannschaft“

Max Eberl auf der Tribüne im Borussenpark. Am Mittwoch kämpft Gladbach in Madrid um das CL-Achtelfinale
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Max Eberl auf der Tribüne im Borussenpark. Am Mittwoch kämpft Gladbach in Madrid um das CL-Achtelfinale.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl spricht vor dem Champions-League-Gipfeltreffen bei Real Madrid vor dem Endspiel um das Weiterkommen. Der Gegner ist angeschlagen.

  • Am Mittwoch Abend kämpft Borussia Mönchengladbach bei Real Madrid um das CL-Achtelfinale.
  • Vor dem „Endspiel“ in Spanien haben wir uns mit dem Sportdirektor der „Fohlen“ unterhalten.
  • Max Eberl spricht über die schwere Aufgabe, das Hinspiel und die Entwicklung der Rheinländer.

München/Madrid – Borussia Mönchengladbach kann am Mittwoch Abend (21 Uhr, so sehen Sie die Partie live) Geschichte schreiben. Ein Punkt im Topspiel bei Real Madrid, und die Fohlen stünden erstmals im Achtelfinale der Champions League. Unser Interview mit Sportdirektor Max Eberl.

Gladbach vor CL-Duell in Madrid: Druck für Real als Vorteil für die Borussen?

Herr Eberl, bei Ihrem Amtsantritt 2008 kämpfte Gladbach gegen den Abstieg. Was hätten Sie entgegnet, hätte Ihnen damals jemand gesagt, dass es zwölf Jahre später in Madrid um den Einzug in die K.o-Runde der Champions League geht?
Ich hätte es als ehrenwertes Ziel empfunden, das zu diesem Zeitpunkt aber Galaxien entfernt war. Mein Ziel war schon damals der größtmögliche Erfolg. Dass wir heute tatsächlich darüber reden dürfen, ist aber natürlich die Erfüllung eines Traums.
Ein Traum, der bereits wahr sein könnte, hätte Gladbach die Führung im Hinspiel über die Zeit gerettet.
Ich habe aufgehört, mich im Fußball über Dinge zu ärgern, die mal passiert sind. Wir haben eine Chance, es aus eigener Kraft zu schaffen, und die wollen wir nutzen.
Der Druck liegt bei Real, das sich keinen Gruppen-K.o. leisten darf. Vorteil Gladbach?
Clubs wie Real, Bayern München oder Barcelona haben immer Druck. Sie sind so groß, weil sie über Jahre mit diesem Druck umgehen konnten.

Max Eberl: „Bundesliga und Fußball zum gemeinsamen Feindbild auserkoren“

Welche Bedeutung hätte der Achtelfinaleinzug in wirtschaftlich so unsicheren Zeiten wie jetzt?
Als Sportdirektor stehe ich in erster Linie für den sportlichen Erfolg. Dass die Champions League bereits dafür gesorgt hat, dass unser blaues Corona-Auge langsam abschwillt, steht außer Frage – insbesondere dann, wenn wir das Achtelfinale erreichen.
Gerade zu Beginn von Corona galt die Bundesliga als europaweites Vorbild. Ist sie das immer noch?
Anfangs wurden die Bundesliga und der Fußball ja zum gemeinsamen Feindbild auserkoren. Nach dem Motto: Kaum kommt das Geld nicht mehr, schon hängen alle im Fliegenfänger. Dabei hingen alle großen, mittelständischen und kleinen Unternehmen auf der Welt mit drin, das Gesicht des Bösen war aber der Fußball. So kam es mir zumindest vor. Deswegen bin ich sehr froh, dass der Fußball mit sehr viel Strategie und Disziplin geschafft hat, wieder für Normalität in der Sportwelt zu sorgen.
Allen voran die Bundesliga.
Wir wussten, dass wir im Zuge des ersten Restarts einer Sportliga eine große Verantwortung tragen. Gleichwohl finde ich, dass wir es herausragend umgesetzt und eine Vorreiterrolle eingenommen haben. Die wird uns auch bleiben. Packt man den Champions-League-Sieger Bayern dazu sowie den engen Wettbewerb am Ende der vergangenen Saison, so bleibt festzuhalten, dass die Bundesliga zu den besten Ligen Europas gehört. Immer noch.
Der neue TV-Verteilungsschlüssel sieht weiterhin sehr viel mehr Geld für die Bayern als für die Teams im Tabellenkeller vor . . .
Die großen Vereine investieren auch sehr viel mehr Geld in die Stabilität und Solidität der 1. und 2. Bundesliga. Man kann ja nicht mit einem Federstrich sämtliche Proficlubs auf dieselbe Ebene heben. Es gilt das Leistungsprinzip, darauf fundiert unsere gesamte Gesellschaft. Trotzdem herrscht Solidarität gegenüber den finanziell Schwächeren, gerade in den ersten zwei Jahren sieht der neue Vertrag ja eine viel größere Gleichverteilung vor. In den Jahren drei und vier wird dann die Leistung in den Vordergrund gestellt.

Max Eberl: So bewertet Gladbachs Sportdirektor die Lage bei der Nationalmannschaft

Apropos Leistung. Wie halten Sie vom Bild, das der DFB vor und nach dem 0:6 gegen Spanien abgibt?
Für eine große Fußballnation wie Deutschland war es ein Schlag ins Gesicht. Wir schienen auf einem guten Weg der Umstrukturierung, vielleicht kam diese Zäsur ein halbes Jahr vor der EM aber zum richtigen Zeitpunkt. Fakt ist: Wir Gladbacher sehen uns jetzt nicht als Rächer der deutschen Nationalmannschaft, sondern fahren unter anderen Voraussetzungen nach Madrid.   
Wie beurteilen Sie die Lage rund um den DFB?
Man muss hier unterscheiden. Da wäre zum einen die sportliche Facette, wo ich den DFB schon auf einem spannenden und guten Weg sah. Was die Kommunikation angeht, glaube ich, dass der DFB aktuell kein gutes Bild abgibt. Man kann und soll kritisch sein, sich hinter verschlossenen Türen die Meinung sagen. Das Zauberwort hier ist „hinter verschlossenen Türen“. Was der DFB jetzt braucht, ist nämlich Ruhe.

Interview: José Carlos Menzel López

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