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Brasilien "bürokratisch": Kritik nach lahmem Sieg

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Die Brasilianer bekleckerten sich nicht gerade mit Ruhm © Getty

Johannesburg - Von wegen Ballzauber: Brasilien hat mit seinem ersten WM-Auftritt fast alle enttäuscht. Superstar Kaká, der um seine Form kämpft, ist Sinnbild für den Stolperstart.

Superstar Kaká strahlte nach dem Stolperstart, Trainer Carlos Dunga lobte seine “Seleção“ - doch die Fußball-Welt schüttelte enttäuscht den Kopf über den Rekordweltmeister. Der WM-Favorit schrammte beim mühsamen 2:1 (0:0) im Ellis Park von Johannesburg gegen die Nobodys aus Nordkorea an einer Blamage vorbei. “Bürokratisch - Brasilien flirtet mit dem Desaster“, schrieb die Tageszeitung “Folha de São Paulo“.

Der schwerfällige Auftritt der Brasilianer rief die Kritiker in der Heimat gleich wieder auf den Plan. Denn die Partie war der endgültige Beweis dafür, dass unter Dunga die Zeiten das “jogo bonito“, des schönen Spiels, endgültig ad acta gelegt worden sind. “Ein sehr apathisches Spiel“, meinte Kolumnist Tostão, Weltmeister von 1970. “Brasilien hat schlecht gespielt.“

Vor allem Kaká kämpft um seine Form. Der zuletzt oft verletzte Regisseur von Real Madrid verlor im ersten Durchgang fast jeden Ball. Die “Arbeiter“ um ihn herum wie Gilberto Silva konzentrierten sich auf die Defensive. Luis Fabiano, Torschützenkönig beim Confederations Cups im Vorjahr, tauchte völlig unter. Und die hochgelobte Abwehr um Kapitän Lucio ließ sogar noch den Anschlusstreffer von Ji Yun Nam in der 89. Minute zu.

Lange sorgte lediglich Stürmer Robinho für Esprit und Bewegung. Beim wohl kältesten Spiel der WM-Geschichte mit Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte Rechtsverteidiger Maicon (55.) mit einem trickreichen Schuss aus spitzem Winkel den Bann gebrochen, ehe Elano (72.) vor 54 331 Zuschauern auf 2:0 erhöhte.

“Das war nicht der Fußball, den die brasilianischen Fans erwarteten. Es war nicht das Schützenfest, das die Fans mögen. Aber es war die Art, die Trainer Dunga mag“, kommentierte die Sportzeitung “Lance!“ die Auftaktpartie des fünfmaligen Weltmeisters. “Ist schon in Ordnung“, meinte hingegen gelassen der nicht nominierte Ex- Weltmeister Ronaldo via Twitter. “2002 gab es das gleiche Ergebnis gegen die Türkei. Lasst uns nach vorne schauen. Glückwunsch an meine Freunde aus der “Seleção“. Es fehlen noch sechs Spiele!!!“

Gegen die Elfenbeinküste am Sonntag werden Kaká & Co. auf dem Weg zur angestrebten “Hexa“ mehr gefordert sein als gegen den aufopferungsvoll kämpfenden Weltranglisten-105. aus Nordkorea. Dunga wirkte jedoch nicht sonderlich beunruhigt angesichts des pomadigen, zeitweise peinlichen Auftritts seines Teams. “In der zweiten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt“, lobte der frühere Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart.

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Selbstkritik war wenig zu hören von den Brasilianern. “Ich glaube, das war ein großes Spiel von uns. Natürlich haben wir ein Gegentor bekommen und nicht so viele geschossen, wie wir es gerne getan hätten“, meinte Kaká. “Aber es ist nicht leicht gegen einen so geschlossen auftretenden Gegner. Wir haben drei Punkte, sind Tabellenführer und das gibt uns Selbstvertrauen.“ Torwart Julio César sprach sogar von einem “sehr guten Auftakt“.

Wenigstens hat Dunga eine Alternative für Kaká gefunden: Nach dessen Auswechslung wirbelte Robinho im offensiven Mittelfeld. “Wenn ich auf Kakás Position spielen muss, ist das kein Problem“, meinte der Stürmer vom FC Santos, mit dessen Leistung Dunga “sehr glücklich“ war. Die Stammkraft für den Posten sieht der Nationalcoach noch im Aufbau. “Kaká ist noch nicht bereit für 90 Minuten. Wir wollen den Rhythmus langsam steigern.“

Bereit für 90 Minuten Kampf waren dagegen die Nordkoreaner. Bei der zweiten WM-Teilnahme stand vor allem Stürmer Jong Tae Se im Blickpunkt. Und das schon vor dem Anpfiff, als er bei den Klängen der Nationalhymne drauflos heulte. Im Spiel warf er sich wuchtig in die so viel gepriesene brasilianische Abwehr, das 1:2 bereitete er vor. “Wir fühlen uns schlecht, weil wir keine Punkte gewonnen haben. Jetzt wird es schwer, in die nächste Runde zu kommen“, sagte der 26- Jährige. Damit rechnet niemand, aber zum Stolperstein könnten die unbequemen Asiaten für Portugal oder die Elfenbeinküste durchaus werden.

dpa

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