VW, Red Bull und Co.

Wie groß ist die Macht der Fußball-Konzerne?

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Daten und Fakten der großen Fußball-Sponsoren: Jahresumsatz Red Bull: 4,93 Milliarden Euro, Jahresumsatz VW: 192,7 Milliarden Euro (beide 2012).

Salzburg - Immer mehr Großkonzerne übernehmen und finanzieren Fußballklubs, so in etwa VW oder Red Bull. Unsummen werden investiert - um im Hintergrund die Fäden zu ziehen?

Wenn der FC Bayern am Samstag die Reise zum Testspiel nach Österreich antritt (16 Uhr, Servus TV), dann werden ein paar der treuesten Fans nicht mit dabei sein. Andere, so hört man aus dem inneren Kreis der Südkurve, ignorieren ganz einfach, dass es gegen RB Salzburg geht. Warum? Ganz einfach: RB steht für Red Bull, und das steht für alles, was Fußball-Traditionalisten ablehnen – nämlich einen Konzern, der sich aus ihrer Sicht „den Fußball, den Erfolg erkauft“. Aber von vorn.

Im Jahr 2005 ist der österreichische Getränkehersteller mit seinen Hörnern in den Fußball vorgestoßen, nachdem es vorher schon zahlreiche Sponsoring-Projekte in anderen Bereichen gab, vornehmlich bei Trend-, Extrem-, Funsportarten.

„Fußball ist die Plattform, die weiterhilft, um noch massentauglicher zu werden“, sagt Florian Oediger vom Magazin Sponsors. Er und seine Kollegen begleiten die Aktivitäten von Red Bull auf dem Sportmarkt von Beginn an. Er sagt: „Mit seinem Getränk kommt der Konzern eigentlich aus einer Nische, der typische Konsument war eher der ausgeflippte Typ, nicht der Normalo-Bürger.“ Um Marktführer wie Coca-Cola weiter anzugreifen, stieg der Konzern daher ins Fußball-Geschäft ein – und „besitzt“ heute Fußballklubs in Salzburg, in New York, Brasilien, Ghana und mit RB Leipzig auch in Deutschland. „Red Bull steckte zuletzt 600 Millionen Euro ins Sportsponsoring, davon gehen allein ein Fünftel bis ein Drittel nur in den Fußball. Den langfristigen Plan, RB Leipzig in die Bundesliga zu führen, will sich der Konzern etwa 100 Millionen Euro kosten lassen“, sagt Experte Oediger.

Das erregt die Gemüter vieler Fans, und wirft Fragen auf. Gibt es Absprachen bei Spieler-Transfers? Was passiert, wenn in ferner Zukunft ein tatsächlich wiedererstarkter Verein wie Leipzig auf europäischer Ebene dem „Bruder-Verein“ RB Salzburg begegnet? Florian Oediger sagt: „Das ist möglich, wenn auch Zukunftsmusik. Dennoch würde ich da keine strategischen Absprachen erwarten. Und es liegt wirklich in weiter Ferne.“

Der grundsätzliche Konflikt ist aber schon jetzt existent – nicht bei Red Bull, sondern sogar etwas naheliegender: bei VW. Der Verein steht hinter dem VfL Wolfsburg, machte gerade erst den Hammer-Transfer von Kevin de Bryune für mehr als 20 Millionen Euro möglich. Und er sponsort weitere Klubs.Als Besitzer von Audi ist VW sogar mit dem FC Bayern verbunden, immerhin ist Audi Anteilseigner des FCB. Erst vor dieser Saison ist Luiz Gustavo von München nach Wolfsburg gewechselt. Mit Beigeschmack? „Dass sich VW-Chef Winterkorn im Rahmen seines freundschaftlichen Verhältnisses mal mit Herrn Hoeneß austauscht, kann ich mir durchaus vorstellen. Aber ich denke auch, dass alle Beteiligten eine gehörige Portion Professionalität an den Tag legen, was zum Beispiel Transfers betrifft. Aber klar: Es hilft, wenn sich alle Beteiligten gut kennen und ein gutes Verhältnis pflegen“, sagt Oediger.

Martin Winterkorn sitzt sogar im Aufsichtsrat des FC Bayern, hat also einen guten Einblick in den Verein. Oediger vermutet hinter diesem Engagement „persönliches Interesse“ und „Verbundenheit“. Einen Interessenskonflikt sieht er insgesamt nicht. „VW ist eine Weltmarke, die einen Fehler machen würde, wenn sie nur in Wolfsburg werblich auftritt. VW will weltweit wahrgenommen werden, dazu muss man auch den deutschen Fußball-Marktführer unterstützen. Wenn jetzt allerdings jede Saison die Spieler zwischen Wolfsburg und Bayern hin- und hergeschoben werden, sollte man ein besonderes Augenmerk darauf legen.“

Bis dahin ist das Firmen-Engagement wohl nur etwas, was den ganz hartgesottenen Fans aufstößt. Noch.

mic

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