Es geht um Tausende Existenzen

Kommentar zum Geisterspiel-Plan in der Corona-Krise: Der einzig richtige Weg

Bald ein gewohntes Bild: In dieser Bundesliga-Saison wird es wohl nur noch Geisterspiele geben.
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Bald ein gewohntes Bild: In dieser Bundesliga-Saison wird es wohl nur noch Geisterspiele geben.

Trotz der Corona-Krise will die Bundesliga so bald wie möglich wieder spielen. Wahrscheinlich vor leeren Rängen. Denn es geht um Tausende Existenzen. Ein Kommentar von tz-Sportredakteur Jonas Austermann.

  • Der deutsche Profifußball wurde vom Coronavirus abrupt ausgebremst.
  • DFL-Boss Christian Seifert betont nun, wie existenziell die Fortsetzung der Saison ist.
  • Dabei geht es vor allem um die vielen Arbeitsplätze im Hintergrund.

München - Fußball ist die schönste Nebensache der Welt - das wird in Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise einmal mehr ganz deutlich. Bei diesem Satz bedarf es allerdings einer Ergänzung: Rund um den deutschen Profifußball (1. und 2. Bundesliga) sind inzwischen fast 56.000 Arbeitsplätze entstanden. Und für einige dieser Angestellten ist Fußball eben nicht bloß die schönste Nebensache der Welt, sondern die Existenzgrundlage. DFL-Boss Christian Seifert ist in der Vergangenheit häufig kritisiert worden, meist zu Recht. Derzeit aber scheint er sich seiner Verantwortung, und der der Bundesliga, bewusst zu sein. Deshalb müssen die seine Aussagen vom Montag nüchtern eingeordnet werden - auch wenn das dem einen oder anderen schwerfällt.

Die deutschen Profiklubs haben sich mit der Fußballpause bis zum 2. April Zeit verschafft. Verständlich, denn Zeit ist in dieser Ausnahmesituation das höchste Gut. Klar ist auch, dass die Bundesligen Anfang April eben nicht zur Normalität zurückkehren werden. Sportveranstaltungen sind vielerorts ohnehin bis mindestens zum 19. April untersagt. Kaum jemand kann absehen, ob und wie schnell sich die Lage in Deutschland entspannt. Warum sollte die DFL da eine Ausnahme sein? In kurzen Abständen neue Bewertungen der Lage vorzunehmen, erscheint deshalb nur logisch.

Der Fußball in der Corona-Krise: Mit Geisterspielen können Gelder für Existenzsicherung aufgetrieben werden

Aus rein wirtschaftlicher Sicht seien Geisterspiele laut Seifert „die einzige Chance“, den Spielbetrieb in absehbarer Zeit fortzusetzen. Die Fankurven gingen bereits vor der Pause gegen diese Maßnahme auf die Barrikaden. Fußball ohne Fans sei schlichtweg wertlos, hieß es. Auch das ist eine nachvollziehbare Haltung - das emotionslose Gekicke vor leeren Rängen lässt fast alles vermissen, was den Fußball als Gesamtprodukt ausmacht. Fast alles, weil die Klubs durch Geisterspiele - sofern in Zeiten von immer mehr infizierten Profifußballern überhaupt möglich - und die damit verbundenen TV-Einnahmen eben doch Gelder auftreiben könnten, die Arbeitsplätze und Existenzen sichern.

Freilich machen sich dann auch wieder die Personen die Taschen voll, deren Konten schon jetzt fürstlich gefüllt sind. In diesen sauren Apfel müssen die Fußballfans wohl oder übel beißen, denn es geht jetzt darum, die Schwächsten zu stärken. Denn nicht für jeden ist die schönste Nebensache der Welt wirklich nur eine Nebensache.

Stehen Champions League und Europa League vor dem Aus? Die UEFA kündigt eine Antwort auf diese Frage an. Auch für die im Sommer geplante EM gibt es diverse Szenarien. Ein Viertligist bringt mit einem zwielichtigen Corona-Plan die Fans gegen sich auf.

Unterstütz den Weg der DFL in der Corona-Krise: tz-Sportredakteur Jonas Austermann sieht keine Alternative zum Plan, die Saison mit Geisterspielen durchzuziehen.

Jonas Austermann

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