Neuer Termin durchgesickert

Fan-Rückkehr zum Bundesliga-Start? Söder und Spahn werden deutlich: „Konzept in der Theorie gut“

DFL und Bundesliga-Klubs haben ein Konzept für die Fan-Rückkehr ausgefeilt. Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn sind dennoch gegen volle Stadien.

  • Die Deutsche Fußball-Liga hat am Dienstag auf einer PK teilweise neue Hygienemaßnahmen in den Stadien für die kommende Saison vorgestellt
  • Wann wieder Fans in die Arenen der 1. und 2. Liga dürfen, steht aber noch nicht fest
  • Markus Söder und Gesundheitsminister Jens Spahn sprechen sich deutlich gegen volle Stadien aus.

Update vom 10. August, 18.47 Uhr: Ein weitreichendes Konzept voller Änderungen sollte die Fan-Rückkehr zum Start der Bundesliga möglich machen. Zumindest war das die Hoffnung der DFL sowie einiger Klubs. Die peniblen Hygienemaßnahmen wurden im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt und zuvor von Vereinen und Verband abgesegnet (s. Erstmeldung).

Ohne grünes Licht vonseiten der Regierung sind diese Pläne aber natürlich reine Gedankenspiele. Alles hängt an der Entscheidung für oder wider der Erlaubnis von Großveranstaltungen. In Anbetracht des Corona-Infektionsgeschehens in Deutschland, scheint der politische Zuspruch aber auszubleiben.

Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen“, stellt Gesundheitsminister Jens Spahn nun via Twitter klar, „jetzt heißt es, keine vermeidbaren Risiken einzugehen. Das Konzept ist in der Theorie gut. Entscheidend ist in der Pandemie aber die Praxis im Alltag.“

Das Zuschauer-Konzept der Bundesliga-Verantwortlichen kritisiert der CDU-Politiker nicht. Doch die momentane Lage bereitet ihm offenbar Sorgen. „In der jetzigen Situation wären Zuschauer auf den Rängen das falsche Signal", wendet er sich deutlich gegen die Idee der Fan-Rückkehr.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich bereits ähnlich geäußert. „Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadien zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen“, spricht auch er sich für weiterhin leere Stadien aus. Auch die Pläne für ein Mega-Konzert in Düsseldorf sieht er sehr kritisch. Bei dieser Thematik wird er sogar noch deutlicher und fordert in Umdenken.

Die Gesundheitsminister der Länder sehen das auch so. Aus Teilnehmerkreisen der Gesundheitsministerkonferenz berichtet die Deutsche Presse-Agentur, es bestehe Einigkeit, die Öffnung der Stadien bis zum 31. Oktober nicht zu befürworten. Die Liga wartet also weiterhin vergeblich auf positive Signale der Politik.

Wenngleich auch die Minister nur wenig an den Plänen tadeln. „Wir sehen das Konzept der DFL als guten Willen und auch als gute Grundlage, sehen aber zwei Probleme“, erläutert Konferenz-Vorsitzende und Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Die Gesundheitsämter seien ohnehin überlastet, die zusätzliche Aufgabe, das Fußball-Hygienekonzept auszugestalten, können sie nicht tragen. Außerdem fehle im DFL-Plan eine Regelung für An- und Abreise der Fans.

Bundesliga wieder mit Fans? DFL beschließt weitreichende Corona-Änderungen - ein Bundesligist übt heftige Kritik

Update vom 04. August, 20.55 Uhr: Da ist aber jemand überhaupt nicht einverstanden mit den Corona-Maßnahmen! Union Berlin hat seine Zweifel am neuen Zuschauer-Konzept der DFL mitgeteilt.

„Es gehört zu unserem demokratischen Verständnis, dass wir die mehrheitliche Entscheidung der Vereine akzeptieren“, schrieb Klubpräsident Dirk Zingler an die Vereinsmitglieder: „Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass alle Unioner wissen, was ihr Verein unternommen hat, um gemeinsam mit den anderen Vereinen und Kapitalgesellschaften in der DFL zu einem anderen Abstimmungsergebnis zu gelangen.“

Union hatte im Juli mit Plänen für ein volles Stadion zum Saisonstart überrascht, zu diesem Zweck wollte der Klub alle 22.000 Zuschauer auf eine Corona-Infektion testen lassen.

Bundesliga mit Fans? DFL beschließt weitreichende Corona-Änderungen in Stadien

Erstmeldung vom 4. August, 16.29 Uhr: München - Die Bundesliga* bald wieder mit Fans*? Oder doch weiterhin die Geisterspiele*? Abwarten und auf die Politik hören ist das Motto. Trotzdem wurden auf der DFL-Mitgliedeversammlung eine Dinge für die kommenden Monate festgelegt.

Keine Gästefans, keine Stehplätze, kein Alkohol: Die 36 Vereine der Deutschen Fußball Liga haben sich auf eineinheitliches Vorgehen zur möglichen Rückkehr zumindest einiger Zuschauer in die Stadion* geeinigt. Die Mitgliederversammlung der DFL beschloss am Dienstag auf Antrag des DFL-Präsidiums vorübergehende Änderungen in der Spielordnung.

Ein vierter zentraler Punkt ist die zeitweise Einführung personalisierter Online-Tickets, mit denen während der Corona-Pandemie die Nachverfolgung von Infektionsketten möglich sein sollen.

„Priorität in Deutschland haben nicht volle Stadien, sondern die gesundheitliche Situation“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert während einer Pressekonferenz. „Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeutende Rolle.“

Bundesliga mit Fans? DFL beschließt weitreichende Corona-Änderungen in Stadien

Die endgültige Entscheidung, ob tatsächlich schon zum oder bald nach dem Saisonstart der Bundesliga und 2. Bundesliga am dritten September-Wochenende Zuschauer zugelassen sind, obliegt den Behörden. Die erste DFB-Pokalrunde ist schon vom 11. bis 14. September terminiert. Zuletzt hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angesichts ansteigender Zahlen von Neuinfektion Zweifel geäußert. Er hält Bundesligaspiele mit 25.000 Zuschauern „für sehr schwer vorstellbar“. Diskutiert wird auch über Partien mit deutlich weniger Fans auf den Rängen.

Das neue DFL-Konzept sieht keine Gästefans bis Ende des Jahres sowie keine Stehplätze und keinen Alkoholausschank bis 31. Oktober vor. Dazu wird es eine Registrierung der Besucher geben, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. Vor allem Fan-Gruppierungen hatten Kritik an dem Konzept geäußert, da sie langfristige Beschneidungen ihrer Rechte fürchten. Die DFL betonte hingegen schon im Vorfeld, dass die nun mit jeweils einfacher Mehrheit beschlossenen Entscheidungen definitiv nur temporär und während der Pandemie gültig sein würden.

„Wir können nachvollziehen, dass die Beschlüsse unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes getroffen wurden“, sagte Markus Sotirianos aus dem Vorstand der Fan-Vereinigung „Unsere Kurve“ dem SID. Das Bündnis zeigte sich laut Sotirianos aber „verwundert, dass einerseits viele Schritte unternommen werden, um Fans wieder zuzulassen, andererseits aber scheinbar Skepsis hinsichtlich derer Verhalten herrscht, was der vorläufige Ausschluss von Stehplatz- und Gästefans zeigt“. Eine Zulassung von Gästefans hätte man daher „deutlich begrüßt“

DFL-Entscheidung: Keine Gästefans, keine Stehplätze, kein Alkohol

Die genaue Ausgestaltung der Nachverfolgung liege in der Verantwortung der Clubs, sagte Seifert, der zudem betonte, dass keinerlei Grundsatzentscheidungen für die langfristige Zukunft des Profi-Fußballs in Deutschlands getroffen worden sei.

Darüberhinaus bewertete Seifert die jüngsten Gutachten zu einer möglichen Gehaltsobergrenze im Profifußball positiv. „Grundsätzlich ist das ein guter und ein wichtiger Hinweis“, sagte der DFL-Boss:. „Und ich glaube, auch ein hoffentlich werthaltiger
und belastbarer Beitrag in dieser Debatte.“ Wegen der Coronavirus-Pandemie sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um die
Diskussion fortzuführen.

Salary Cap in der Bundesliga? Seifert: „Alle sind gut beraten, ihre Kostenstruktur zu überdenken“

Zwei Rechtsgutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages waren zu dem Schluss gekommen, dass eine Gehaltsobergrenze durchaus möglich sei. Voraussetzung für eine Deckelung der Millionengehälter sei aber die Einführung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA).

Seifert äußerte, die Gutachten noch nicht abschließend gelesen zu haben. „Genau in dieser Zeit wird aber, das ist meine Prognose, der wirtschaftliche Druck auf den Profisport im Allgemeinen zunehmen, und alle sind gut beraten, ihre Kostenstruktur zu überdenken.“ Allerdings könne er jetzt schon Parteien im Fußball benennen die eine solche Regelung angreifen würden. (dpa/sid/smk) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Uli Deck / dpa

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