Die tz zeigt die Probleme beim Liga-Neustart

Klingt verrückt, wird aber geprüft: Kommt die Maskenpflicht für Bundesliga-Profis?

Thomas Müller mit ­Gesichtsmaske: Ist diese tz-­Fotomontage bald Realität?
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Thomas Müller mit ­Gesichtsmaske: Ist diese tz-­Fotomontage bald Realität?

Können Spieler und Schiedsrichter während der Partien einen Mund-Nasen-Schutz nach medizinischen Standards tragen? Das Bundesarbeitsministerium prüft das offenbar.

  • Wegen der Corona-Pandemie wird ein Neustart der Bundesliga viel diskutiert.
  • Eine mögliche Ansteckungsgefahr für Spieler und Schiedsrichter erhitzt die Gemüter
  • Nun wird eine Maskenpflicht für die Profis auf dem Feld geprüft.

München - Deutschland setzt die Maske auf! In allen 16 Bundesländern gilt entweder bereits eine Mundschutz-Pflicht oder sie wird in den kommenden Tagen eingeführt. Diese Regelung gilt fürs Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr – und bald auch in der Bundesliga? Was völlig verrückt und realitätsfern klingt, prüft das Bundesarbeitsministerium laut Spiegel tatsächlich.

In einem Papier als Reaktion auf das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) heißt es demnach, dass Spieler und Schiedsrichter während der Partien einen Mund-Nasen-Schutz nach medizinischen Standards tragen sollen. Diese dürften während des Spiels nicht verrutschen, ansonsten müsse das Spiel sofort unterbrochen werden. Alle 15 Minuten solle es zudem eine Spielunterbrechung geben, damit die Masken ausgetauscht werden könnten. Wird die Bundesliga jetzt tatsächlich zum Maskenball?

Bundesliga während Corona: Maskenpflicht - Arbeitsministerium bestätigt Papier

Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums bestätigte auf Nachfrage, dass es ein solches Papier gebe, verwies aber darauf, dass es sich lediglich um einen ersten Entwurf auf Arbeitsebene handele. Laut DFB-Chefmediziner Tim Meyer gibt es in der von ihm geleiteten Task Force dazu keine entsprechenden Überlegungen. Die Argumente gegen eine Maskenpflicht liegen ohnehin auf der Hand. Wie etwa soll ein Profisportler Höchstleistungen erbringen, wenn er nicht vernünftig ein- und ausatmen kann? Und: Wie soll die Regelung, dass Masken nicht verrutschen dürfen, in einem Kontaktsport wie Fußball umsetzbar sein?

Markus Krösche, Sportdirektor von RB Leipzig, reagierte sehr elegant auf den Gaga-Vorschlag des Bundesarbeitsministeriums. Er sagte: „Ich finde es ja gut, dass sich so viele Leute Gedanken machen. Und dieser Vorschlag ist auch wirklich interessant, aber schwierig umzusetzen.“

Corona-Krise: Neustart der Bundesliga - das sind die größten Probleme

Abseits der (überflüssigen) Diskussion über einen Mundschutz gibt es weitere Probleme, die vor dem Neustart von Bundesliga und 2. Bundesliga zu lösen sind. Die tz gibt einen Überblick.

Medizinisch: Die größte Krux ist die Handhabung von Corona-Tests sowie Quarantäne-Maßnahmen. Mindestens einmal wöchentlich, auf jeden Fall am Tag vor einem Spiel, sollen alle Beteiligten getestet werden. Tritt ein positiver Fall auf, wird der Betroffene sofort isoliert, allerdings nicht automatisch die gesamte Mannschaft unter Quarantäne gestellt. Über mögliche Gruppenquarantänen bei einem positiven Fall entscheiden aber die jeweiligen Gesundheitsämter.

Sportlich: Noch ist zwar völlig ungewiss, wann überhaupt wieder gespielt werden könnte, klar ist aber auch: Bevor gespielt wird, müssen die Klubs erst ins Mannschaftstraining zurückkehren, bislang findet das Training nur in Kleingruppen statt. „Es gibt Aussagen aus der Liga, dass es zwei Wochen Mannschaftstraining braucht, um wieder in den Spielbetrieb einsteigen zu können“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Er forderte vom sportlichen Bereich aber zugleich, „eine gewisse Flexibilität an den Tag zu legen“. Heißt: Gut möglich, dass die Teams auch ohne allzu viel Mannschaftstraining direkt wieder in den Wettkampf geworfen werden könnten – zulasten sportlicher Sinnhaftigkeit.

Terminlich: Damit Hand in Hand geht terminlicher Druck. Der Plan der DFL ist weiterhin, die Saison bis 30. Juni zu Ende zu spielen, auch wenn Seifert andeutete, dass auch im Juli noch gespielt werden könnte. Dass den Klubs in diesem engen Zeitplan erst mal zwei Wochen zur Vorbereitung im Mannschaftstraining eingeräumt werden, scheint schwer machbar. Bislang schielt die DFL immer noch auf den 9. Mai für den Neustart der Saison, doch auch dieser wird kaum zu halten sein – grünes Licht der Politik natürlich vorausgesetzt. So sollen Entscheidungen der Politik über weitere Lockerungen nicht schon bei den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer am 30. April fallen, sondern offenbar erst am 6. Mai. Mit jeder weiteren Woche wird der Termindruck des Fußballs größer.

Gesellschaftlich: Sonderrolle für den Fußball oder nicht? Klar ist: Sollte der Ball wieder rollen, andere Bereiche des Landes aber weiterhin strengen Beschränkungen unterworfen sein, birgt dies gesellschaftlichen Sprengstoff. „Ich bin dagegen, dass wir zuerst diejenigen privilegieren, die am meisten Geld auf den Tisch legen“, sagte etwa Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dem MDR.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder machte der Gastronomie in der Corona-Krise wenig Hoffnung. Der Freistaat ist in einer Statistik trauriger Spitzenreiter.

Währenddessen ist in Frankreich ein Fußball-Profi so schwer erkrankt, dass er ins künstliche Koma versetzt werden musste.

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