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Löw: Nach WM-Debakel steht nun die Analyse in Frankfurt an

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Von: Andreas Werner

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Joachim Löw hat laut dem DFB bereits viele Erkenntnisse aus dem WM-Debakel gewonnen. Nun tritt er zur Analyse in Frankfurt an.

München - Joachim Löw trug sommerliche Klamotten, aber der Freizeitlook sollte keinen täuschen: Als der Bundestrainer am Mittwoch überraschend bei der DFB-Zentrale in Frankfurt auftauchte, war das kein kurzes Hallo im Urlaub. Der 58-Jährige wird in den nächsten zwei Tagen mit der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft die WM besprechen. Analyse statt Urlaub.

Löw verschwand um 11.45 Uhr wortlos im Gebäude an der Otto-Fleck-Schneise, an seiner Stelle äußerte sich nur Jens Grittner, der Sprecher der Nationalmannschaft, der den Coach am Parkplatz in Empfang genommen hatte. „Die sportliche Leitung hat sich getroffen, um ihre Abstimmung und Besprechungen mit Schwerpunkt WM-Analyse fortzusetzen“, sagte er. Das Treffen sei „nicht das erste“ im Zuge der Aufarbeitung, „und es wird auch nicht das letzte sein“. Löw und sein Stab befänden sich „mitten in der Arbeit“. An und für sich hatte man den Bundestrainer in Italien im Urlaub verortet, doch der Verband bemühte sich gestern, zu vermitteln, er habe nach dieser verkorksten WM umgehend den Erneuerungsprozess angepeilt.

Bilder vom aktiven Löw kommen DFB gelegen

Wenn auch noch keine Inhalte publiziert werden, kommen die Bilder von einem aktiven Löw dem DFB gelegen. In den vergangenen Tagen ist landesweit über die Zukunft des deutschen Fußballs diskutiert worden, und nicht gerade selten schwang die Kritik mit, die Verantwortlichen würden versuchen, nach einer angemessenen Zeitspanne einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Wie der Bundestrainer nun mit seiner Aktentasche im Hauptquartier verschwand, entkräftete das die Kritiken.

Mit dabei waren auch Löws Assistenten Thomas Scheider sowie Marcus Sorg. Die Erkenntnisse der Analysen sollen trotz der raschen Zusammenkunft aber dennoch noch eine ganze Weile unter Verschluss bleiben; Stand jetzt ist der 24. August der Stichtag, dann will DFB-Chef Reinhard Grindel in München unterrichtet werden. Laut Recherchen des „Sportinformationsdienst“ ist Löw mit seinen Schlussfolgerungen nach dem WM-Debakel schon sehr weit fortgeschritten. Eigene Fehler, der Neuaufbau der Auswahl möglicherweise ohne den einen oder anderen vermeintlich Unverzichtbaren, die Überarbeitung der Spielphilosophie - bei all diesen Themen sollen bereits elementare Erkenntnisse vorliegen. Für morgen ist die turnusgemäße Sitzung des Präsidiums angesetzt. Womöglich werden dann ein paar Inhalte mit der Öffentlichkeit geteilt.

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Sprechverbot für regionale Verbandspräsidenten verhängt

Wie sensibel die Lage ist, zeigt, dass der DFB den regionalen Verbandspräsidenten inzwischen ein Sprechverbot auferlegt hat. Nachdem Hermann Winkler, Chef des sächsischen Verbands, sich negativ über Löws Verbleib geäußert hatte, wurde allen bedeutet, sich doch bitte zurückzuhalten. Winkler legte aber in einem Telefonat mit „Sky Sport News HD“ nach: Man müsse sich generell Gedanken machen, ob der eine oder andere Nationalspieler „nicht zu sehr verpampert“ seien. Es sei vielleicht der erste Gedanke, „welche Kopfhörer nehme ich beim Aussteigen aus dem Bus und welchen Friseur nehme ich mit zum Turnier?“ Er forderte die Beteiligung der Landesverbände an richtungsweisenden Beschlüssen.

Es gibt viel aufzuarbeiten. Nur Bilder sprechen lassen zu wollen, wird nicht reichen. Selbst dann nicht, wenn trotz Freizeitkluft angepackt wird.

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