Bundestrainer im tz-Interview

Löw: "Der Drang zu einem Verein war nie da"

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Bundestrainer Jogi Löw.

Hamburg - Der Countdown läuft. Heute in genau zwei Monaten will Deutschland in Rio de Janeiro den WM-Pokal in die Höhe halten. Die tz sprach vor dem heutigen Testspiel gegen Polen exklusiv mit Löw über seine Zukunft.

Der Countdown läuft. Heute in genau zwei Monaten will Deutschland in Rio de Janeiro den WM-Pokal in die Höhe halten. Es wird ein schwerer Weg. Joachim Löw (54) steht in den nächsten Wochen brutal im Fokus. Deutschland will endlich einen Titel. Doch was, wenn’s wieder nichts wird? Und was würde der Bundestrainer machen, sollte der Traum wahr werden? Die tz sprach vor dem heutigen Testspiel gegen Polen exklusiv mit Löw über seine Zukunft.

Werden Sie Bundestrainer bleiben, egal, wie die WM ablaufen wird?

Löw: Stand heute gehe ich davon aus. Auf jeden Fall, ja, bis 2016. So haben wir das entschieden.

Angenommen, Deutschland würde Weltmeister. Dann könnten Sie nach dem Motto aufhören: Mehr geht nicht.

Löw: Das könnte man vielleicht so sehen. Genauso vorstellbar ist aber auch, dass es eine Motivationsexplosion gibt, wenn man Weltmeister ist. Die nächsten Jahre, diesen Erfolg dann zu bestätigen, das ist auch großartig. Der eine sagt vielleicht: Als Weltmeister ist es jetzt gut, jetzt höre ich auf. Vicente del Bosque hat nach dem WM-Titel 2010 gesagt, jetzt will ich auch die EM gewinnen.

Spüren Sie nicht den Drang, einmal eine große Vereinsmannschaft zu trainieren?

Löw: Im Moment überhaupt nicht. Ich hatte immer wieder die Chance, zu wirklich guten Vereinen zu wechseln. Der Drang war aber nicht da. Ich weiß aber auch nicht, ob ich bis zu meiner Rente beim DFB bleiben werde, das liegt ja nicht nur an mir. Der DFB setzt bei den Nationaltrainern immer auf Konstanz, ich bin jetzt auch schon zehn Jahre insgesamt da. Vorstellen kann ich mir irgendwann mal vieles, warum nicht auch noch einmal, für einen Klub zu arbeiten. Aber dieser Job, Bundestrainer zu sein, ist einer der besten der Welt.

Präsident Wolfgang Niersbach hat mal gesagt, als Bundestrainer hätte man beim DFB paradiesische Verhältnisse.

Löw: Der Präsidenten-Job ist paradiesisch, vielleicht hat er sich selbst gemeint (lacht). Alle hier beim DFB leben in paradiesischen Zuständen, bis auf den Nationaltrainer. Paradiesische Zustände, die gelten auch für Sportdirektor und Manager (lacht immer lauter). Aber im Ernst: Wir alle haben hier hervorragende Bedingungen, ein super Verhältnis zum Präsidenten und Generalsekretär, wir spüren großes Vertrauen, wir können unglaublich viel bewegen.

Hansi Flick wird zum 1. September DFB-Sportdirektor. Sie haben mal angekündigt, seinen Nachfolger als Assistenztrainer mit zur WM zu nehmen, um ihn einzuarbeiten.

Löw: Das war mal ein Gedanke von vielen. Ich habe mich im Januar, Februar auch mal intensiver damit beschäftigt, dann aber gespürt, dass ich mich erst nach der WM damit beschäftigen möchte. Ich habe das Thema deshalb verschoben. Wir sind auch nach der WM in der Lage, die Aufgaben mit Hansi Flick und Andy Köpke zu lösen. Das nächste Länderspiel nach der WM ist erst im September, da haben wir noch genug Zeit, eine gute Lösung zu finden. Ich habe drei, vier Leute im Kopf, mit denen es passen könnte. Interview: M. Schwamborn

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