Hummels und Schmelzer verletzt

BVB-Bosse verpassen sich Maulkorb

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Hans-Joachim Watzke (r.) und Reinhard Rauball sagten zu den Verletzungen von Hummels und Schmelzer nichts

London - Schmelzer verletzt, Hummels verletzt! Die BVB-Bosse verpassen sich nach dem Länderspiel-Sieg der DFB-Elf gegen England einen Maulkorb und wollen kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: Die Bosse von Borussia Dortmund hielten es wie die drei Affen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke rauschte im Sauseschritt mit hochrotem Kopf durch die Katakomben des Wembleystadions, an seiner Seite mit versteinerter Miene Klub-Präsident Reinhard Rauball.

Nach ihrem Kurzbesuch in der Kabine der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wollten die BVB-Bosse nicht noch zusätzliches Öl ins Feuer gießen und verpassten sich nach dem 1:0 (1:0)-Erfolg der DFB-Auswahl in London gegen England einen Maulkorb. Denn über diesen Erfolg im Klassiker konnten sie sich angesichts ihrer verletzten Profis Mats Hummels und Marcel Schmelzer nicht freuen.

Borussia Dortmund droht vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) der Ausfall ihrer beiden Leistungsträger in der Defensive. Hummels (24) musste nur 20 Minuten nach seiner Einwechslung mit Beginn der zweiten Hälfte mit schmerzverzerrtem Gesicht verletzt ausgewechselt werden, Schmelzer (25) hielt wegen Wadenbeschwerden nur 45 Minuten durch. Im Laufe des Mittwochs sollten genaue Untersuchungen Aufschluss über die Schwere der jeweiligen Blessuren geben.

„Ich hoffe, dass es bei beiden nicht so schlimm ist und sie am Samstag spielen können“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, der mit Watzke und Rauball nur noch kurz Kontakt hatte. Bei Schmelzer schienen die Beschwerden nicht ganz so schlimm zu sein, bei Hummels sah es aber nicht so gut aus.

Der Innenverteidiger habe sich nach einem Kopfball-Duell den Fuß vertreten, berichtete Löw. Dass Münchens zuletzt überragenden Innenverteidiger Jerome Boateng, der über Probleme an der Ferse klagte, ebenso vorzeitig zum Duschen musste, ging irgendwie völlig unter.

Bis auf Torwart Roman Weidenfeller äußerte sich auch keiner der Protagonisten von Samstag zur aktuellen Situation. „Ich hoffe, dass Mats spielen kann. Sein Ausfall wäre für uns sehr schmerzlich“, sagte der 33-Jährige kurz und knapp nach seinem gelungenen Debüt im DFB-Trikot, ehe er Richtung Parkplatz hetzte, wo seine Dortmunder Kollegen Hummels, Schmelzer, Sven Bender und Marco Reus schon längst in einem verdunkelten Van warteten, der sie zum Flughafen brachte, von wo aus es noch in der Nacht in einem Privatjet Richtung Heimat ging.

Auch die Bayern Boateng, Toni Kroos, Mario Götze und Thomas Müller hatten zuvor gemeinsam mit ihren Gegnern von Samstag wortlos durch einen Seitenausgang die Wembley-Arena verlassen, um ihren Flieger zu bekommen. „Das Spitzenspiel zwischen Dortmund und Bayern war in den vergangenen Tagen kein Thema bei uns. Dass sich die Spieler nun nach den beiden Länderspielen gegen Italien und England auf dieses Match fokussieren, ist doch ganz klar“, sagte dafür Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff, der ebensowenig wie Löw die Aufregung über den Bundesliga-Clasico während der Länderspielreise verstehen konnte.

Dass der Bundestrainer in den beiden Münchnern Philipp Lahm und Manuel Neuer zwei Topkräfte bereits nach dem 1:1 gegen Italien von Mailand aus vorzeitig nach Hause geschickt habe, sei aus nachvollziehbaren Gründen erfolgt und hätte rein gar nichts mir einer von einigen unterstellten Wettbewerbsverzerrung für das erneute Duell der Champions-League-Finalisten am Samstag zu tun.

Dass in Weidenfeller, Hummels, Schmelzer und Reus gegen England vier Dortmunder und in Kroos, Götze und Boateng drei Bayern in der Startelf gestanden hätten, würde ja das Gegenteil belegen. Zumal sei zum Beispiel Kroos in beiden Spielen über die volle Distanz gegangen.

Löw war von den Diskussionen während der Länderspielreise noch vor den Verletzungen in Wembley total genervt. „Wenn das unser Problem ist, dann machen wir etwas falsch, dann entwickeln wir uns zurück. Die Spieler haben von Dienstag bis Samstag vier Tage zur Regeneration, das ist völlig ausreichend für durchtrainierte Profis, die den Dreitagesrhytmus gewohnt sind“, hatte der Bundestrainer gesagt.

Von daher erwarte er auch keine Kritik von BVB-Trainer Jürgen Klopp oder Bayern-Coach Pep Guardiola. „Vielleicht will das der ein oder andere Offizielle, aber das ist mir ehrlich gesagt nicht ganz so wichtig“, sagte Löw mit einem kleinen Seitenhieb Richtung Watzke, der schon wusste, warum er Dienstagnacht stumm blieb.

Die Ausraster des Jürgen Klopp - eine Chronologie

Der Ausbruch vom Spiel in Neapel am 18.9.2013 war nicht der erste Ausraster von Jürgen Klopp. Allein von den Geldstrafen, die der Trainer des deutschen Fußball-Vizemeisters Borussia Dortmund in seiner Karriere zahlen musste, hätte er sich ein Luxusauto kaufen können. Wir haben eine Chronologie seiner Ausraster (die Bilder sind weitgehend Symbolfotos). © dpa
5. Dezember 2004: Während der Begegegnung des FSV Mainz 05 beim 1. FC Kaiserslautern (0:2) äußert sich Klopp unsportlich gegenüber dem Schiedsrichter-Gespann. Dafür muss er 2500 Euro zahlen. © dpa
18. März 2007: Als Trainer des FSV Mainz 05 ruft Klopp im Spiel bei Werder Bremen (0:2) „Du Idiot“ in Richtung des Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verurteilt Klopp wegen unsportlichen Verhaltens zu 12.500 Euro Geldstrafe. © dpa
8. November 2008: Nach einer 1:2-Niederlage beim Hamburger SV läuft der BVB-Trainer wütend aufs Spielfeld zu Schiedsrichter Jochen Drees und dessen Assistenten. Er geht die Unparteiischen auch noch in der Schiedsrichter-Kabine verbal an. Die Folge: 12.000 Euro Strafe. © dpa
17. Januar 2010: Beim Spiel der Dortmunder beim 1. FC Köln (3:2) verlässt Klopp mehrfach die Coachingzone und wird auf die Tribüne verbannt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verhängt 5000 Euro Strafe für Klopp. © dpa
12. November 2010: Nach einem Foul von Ze Roberto an Mario Götze im Spiel gegen den Hamburger SV (2:0) rennt Klopp auf den vierten Offiziellen Stefan Trautmann zu und drückt ihm seine Mütze ins Gesicht. 10.000 Euro muss der BVB-Trainer zahlen. „Das war nicht in Ordnung“, gibt Klopp zu und entschuldigt sich bei Trautmann. © dpa
25. September 2012: Im Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt (3:3) stürmt Klopp in der Nachspielzeit zum vierten Offiziellen Guido Kleve und schreit diesen an. Daraufhin wird er aus dem Innenraum verwiesen. „Das Gesicht sah nicht gut aus“, sagte Klopp im Anschluss. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilt ihn zu 6000 Euro Geldstrafe. © dpa
18. September 2013: Im Champions-League-Spiel beim SSC Neapel (1: 2) wird Klopp von Schiedsrichter Pedro Proenca nach 30 Minuten auf die Tribüne geschickt. Zuvor hatte der Dortmunder Trainer dem vierten Offiziellen aus nächster Nähe ins Gesicht geschrien. Hinterher gibt sich Klopp mal wieder reumütig: „Ich mach da draußen “nen Affen, das geht nicht. Ich bin über das Ziel hinausgeschossen, das war völlig doof.„ © dpa

SID

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