Die tz-Fußball-Kolumne

Fußball-Nachwuchs von der Schulbank: Profivereine setzen immer häufiger auf jugendliche Talente

Mit 16 Jahren schon im Profikader?: Yousouffa Moukoko.
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Mit 16 Jahren schon im Profikader?: Yousouffa Moukoko.

Im Profifußball geht es häufig nur ums Geld - und junge Talente sind viel davon wert. Deshalb wollen Profivereine so früh wie mögliche von ihnen profitieren.

München - Profivereine beschäftigen Scouts, um früh auf talentierte Kinder aufmerksam zu werden. Da Kinder noch keine Arbeitsverträge abschließen dürfen, fließt das Geld für einen Wechsel vom Dorfverein in die Ausbildungsabteilung eines Profiklubs den dann überglücklichen Eltern zu. Da ist es normal, dass die Profivereine bei diesen Investitionen – es handelte sich manchmal um sechsstellige Summen im Jahr – nicht abwarten wollten, bis die Kinder das Seniorenalter von 18 erreicht haben. Zu Beginn der Bundesliga 1963 durfte man erst mit 18 Senior werden, erhielt jedoch erst mit 21 die Wahlberechtigung. Aber der Fußball hatte schon immer seine Ausnahmerechte.

Mit Moukoko könnte bald ein 16-Jähriger für den BVB auflaufen

DFL-Präsident Christian Seifert hat den DFB dazu veranlasst, die Deklarierung als Senior auf 17 herabzusetzen. Klar, bei der besseren Ausbildung durch Leistungszentren ist jedermann schneller reif. Das Turbo-Abitur lässt grüßen.

Jetzt setzt Borussia Dortmund dem Ganzen die Krone oder, besser gesagt, die schwarz-gelbe Pudelmütze auf. Yousouffa Moukoko wird am Freitag 16 Jahre alt und die Dortmunder haben für ihn eine Bundesliga-Spielberechtigung erreicht! Kinder an die Macht ist man versucht zu sagen, obwohl Herr Moukoko schon ein Jugendlicher ist.

Der FC Bayern kauft erfahrene Spieler, der BVB verkauft erfahrene Talente

Ob Dortmund das Wunderkind schon am Samstagabend in Berlin einsetzen wird, ist zweifelhaft. Schließlich wäre eine Premiere im früheren Westfalenstadion sinnvoller. Aber da in diesen Zeiten nicht sicher ist, wer zur Verfügung steht, könnte Not am Mann sein – und ein Jüngelchen sollte sie dann retten.

Das ist wohl der gravierende Unterschied zwischen den Bayern und dem ewigen Verfolger Dortmund. Die einen leisten sich junge, aber erfahrene Spieler wie Ribéry und Robben und halten sie über Jahre. Die anderen kaufen die Jugend, steigern den Marktwert und müssen sie auf ihrem Leistungszenit vertitschen, um den Bayern halbwegs das Wasser reichen zu können. Wobei das bei Dembelé angesichts seiner Karriere danach ja wahrlich kein Nachteil war. Bleibt nur zu hoffen, dass Moukoko nicht ein ähnlicher Fall wird. Geschmeidigkeit und Torgefährlichkeit sind eins – beinharte Verteidiger mit mindestens sechs Jahren Bundesliga-Erfahrung ein anderes. Da wird auch er, wie viele Talente vor ihm, hin und wieder ins Gras beißen müssen.

Von Rainer Kalb. tz-Kolumnisten vertreten ihre von der Redaktion unabhängige Meinung.

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