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Celia Okoyino da Mbabi über WM-Vorfeude

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„Ich will alles aufsaugen und genießen“: Offensivspielerin Celia Okoyino da Mbabi. © dpa

Frankfurt – Celia Okoyino da Mbabi, 22, ist bisher die große Gewinnerin der Vorbereitung. In allen drei WM-Tests der deutschen Fußball-Frauen hat sie getroffen. Insgesamt ist sie ein Typ, der viel zu erzählen hat – über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel.

Celia Okoyino da Mbabi, wie lebt es sich als Vorbereitungs-Gewinnerin?

Ach, ich fühle mich einfach sehr gut. Ich konnte die Vorbereitung problemlos absolvieren. Bei mir war es wichtig, dass ich endlich mal über eine längere Zeit ohne Verletzung trainieren konnte, so dass man endlich mal wieder eine Entwicklung sehen kann. Das hat geklappt. Jetzt bin ich fit.

Manche fürchten, die deutsche Mannschaft würde einen schweren Rucksack ins Turnier schleppen, weil die Erwartungen so hoch sind. Ihnen merkt man keinen Ballast an . . .

Ich habe auch wirklich nicht das Gefühl, einen Rucksack zu tragen – im Gegenteil: Ich hab‘ eher das Gefühl, als hätte ich Ballons unter den Füßen, die mich anheben. Es ist eine Riesenfreude, so eine WM im eigenen Land spielen zu dürfen. Ich will das jetzt alles aufsaugen und genießen.

Genießen Sie alles auch deshalb so, weil Sie die WM 2007 wegen eines Schienbeinbruchs verpassten und danach zwei Jahre gar nicht spielen konnten?

Es waren nicht zwei Jahre am Stück. Ein Jahr lang war Pause, dann war ich bei Olympia 2008 dabei, dann war wieder ein gutes Jahr Schluss mit Fußball, weil ich nochmal operiert wurde. Ich hatte nie Kontinuität in dieser Phase.

Gab es Gedanken, dass die Karriere schon wieder vorbei sein würde, bevor sie richtig begonnen hat? Wie schwer war diese Zeit?

Sehr schwer. Anfangs hieß es, nach drei Monaten bist du wieder topfit. Dann hieß es, es dauert nochmal zwei. Und dann nochmal zwei. Dann hieß es, die Ärzte können mir jetzt nicht mehr sagen, wann es überstanden ist. Es ist nicht einfach für eine junge Spielerin, sowas zu hören. Da gibt es schon viele Momente, in denen man sich sagt: Das darf doch alles nicht wahr sein. Aber ich habe es überstanden und bin jetzt umso froher, diese WM erleben zu dürfen.

So schön ist der Frauenfußball

Ihr Vater ist Kameruner, Ihre Mutter Französin. Sie haben auch die französische Staatsbürgerschaft. Gab es mal Überlegungen, sich für die Nationalelf Ihrer Mama zu entscheiden?

Nein, es stand für mich nie infrage, für eine andere Nation zu spielen. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, habe hier alles genau so gemacht wie alle meine Freunde. Als ich dann in der Jugend die ganzen DFB-Lehrgänge absolviert habe, war mir erst nicht mal bewusst, dass mir ein deutscher Pass fehlt. Damals hatte ich einen französischen. Ich habe nie gedacht, ich könnte irgendwie Kamerunerin oder Französin sein, weil ich hier mein Leben gelebt habe. Dann hat mich jemand hingewiesen, dass ich einen deutschen Pass brauche, um im Jugendnationalteam zu spielen. Ja, den hab’ ich mir dann halt besorgt.

Sie sind nun auch Migrationsbeauftragte des DFB. In dieser Funktion führte Sie ein Integrationsgipfel sogar mal ins Kanzleramt. Wie war das so?

Es war eine sehr spannende Erfahrung, da mal mit den wichtigsten deutschen Politikern an einem Tisch zu sitzen und in so einer Debatte seinen Senf dazugeben zu dürfen. Da hockst du schon mit einer gewissen Anspannung in der Runde, und dann sagt die Kanzlerin plötzlich: „So, Frau Okoyino da Mbabi, jetzt sind Sie dran, jetzt erzählen Sie mal!“ Es hat mich aber auch sehr überrascht, wie locker die Atmosphäre war. Es hat da überhaupt keine strenge Stimmung geherrscht, man hat sich schnell wohlgefühlt.

Philipp Lahm wurde mal von Frau Merkel zum Essen eingeladen. Es wurde Backhendl serviert . . .

Was gab es da?

Backhendl.

Aha. Also bei mir gab es das nicht (schmunzelt).

Wie ist das denn so, wenn man mit der Kanzlerin zusammensitzt?

Also, wir haben Frau Merkel ja schon öfter getroffen. Und als Fußballfan hat sie sich ja auch schon öfter geoutet. Sie weiß wirklich viel über Fußball. Ihre Unterstützung ist nicht vorgespielt, sie ist sehr authentisch. Gespräche mit ihr sind sehr beeindruckend.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne nach dem WM-Sieg lesen?

Das ist mir total egal (lacht laut). Hauptsache, wir haben den Pokal. Wenn wir das Ding in der Hand haben, können die Zeitungen drüber schreiben, was sie wollen.

Was werden Sie vor einem WM-Spiel machen, um sich abzulenken?

(grinst) Ich will mich doch nicht ablenken! Ich will doch das Spiel spielen, ich freue mich darauf! Nein, im Ernst: Musik hören. Irgendwas Rhythmisches, etwas, was Pepp gibt. Tanzmusik halt.

Ein Thema, das rauf- und runterdiskutiert wird, ist die Frage nach der Weiblichkeit beim Frauenfußball. Gehen Sie ungeschminkt aus dem Haus?

Auch. Es kommt auf Lust und Laune an. Ich bin nicht der Typ, der sagt, ich gehe nie ungeschminkt unter Leute. Ich komme auch so gut klar. Man muss sich halt wohlfühlen.

Eine weitere Klischeefrage: Wie viele Schuhe haben Sie in Ihrem Schrank?

Oh, das weiß ich nicht. Schon einige. Ich habe sie ehrlich gesagt noch nie gezählt.

Sie teilen sich das Zimmer mit Fatmire Bajramaj – nennen Sie sie auch „Tussi“, wie es Ihre Torhüterin Nadine Angerer macht?

Also, ich habe eine andere Definition und Vorstellung von Tussi. Die „Natze“ kann das ruhig sagen, ich sage Lira.

Sie gehören der Generation von Frauenfußballerinnen an, die nicht mehr gegen Vorbehalte ankämpfen musste. Sind diese Zeiten endgültig vorbei?

Denke ich schon. Bei uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir sagen können, wir spielen Fußball. Heute rümpfen die Leute da nicht mehr die Nase. Früher war das anders. Als ich klein war, musste ich zwar auch noch mit Jungs spielen, weil Mädchenfußball nicht so verbreitet war. Aber ich musste nie gegen Abneigung ankämpfen. Inzwischen ist die Akzeptanz wirklich und echt. Wenn ich mich in den Stadien so umschaue, stelle ich fest, dass immer mehr Menschen unsere Trikots tragen. Nicht die von der Männermannschaft, sondern mit unseren Namen drauf. Das zeigt doch auch, dass Frauen-Fußball mehr und mehr anerkannt wird.

Und es ist gleichzeitig möglich, Weiblichkeit mit Leistung zu kombinieren.

Ja. Die Mädels achten nunmal auch aufs Äußere und kleiden sich schick. Das ist doch ok. Man kann doch auf sich achten und trotzdem gut kicken.

Günter Netzer sagt, er könne mitfühlen: Bei ihm hieß es damals auch immer, er soll sich die Haare schneiden – aber solange er Erfolg hatte, hat über seine Frisur keiner geredet. Die Frauen sollen sich bloß nicht verbiegen lassen.

Das ist eine ganz normale Entwicklung, die noch lange nicht vorbei ist. Günter Netzer hat da völlig Recht.

Interview: Andreas Werner

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