"Cissé ist Wahnsinn": Die XXL-One-Man-Show

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Papiss Demba Cissé knipst weiter

Hamburg - Erst einen Elfmeter verschossen, dann zweimal getroffen und noch auf der eigenen Torlinie gerettet - die Cissé-Show nötigte auch St. Pauli trotz des entgangenen Sieges gegen den SC Freiburg großen Respekt ab.

Der FC St. Pauli hat alles - nur keinen “Knipser“ à la Papiss Demba Cissé. Mit seinen Saisontoren 14 und 15 verdarb der senegalesische Torjäger des SC Freiburg den über weite Strecken überlegenen Norddeutschen am Samstag den greifbar nahen Traumstart in das neue Jahr. “Cissé ist Wahnsinn. Der macht aus einer Chance zwei Tore“, schwärmte St. Pauli-Profi Florian Bruns nach dem aus Hamburger Sicht unglücklichen 2:2 (1:0) in der Fußball-Bundesliga beeindruckt.

Trainer Holger Stanislawski, der kürzlich betonte, selbst einen Star wie Arjen Robben nicht als Verstärkung haben zu wollen, geriet mit Blick auf den 25-Jährigen regelrecht ins Schwärmen: “Er hat den Instinkt, da hinzulaufen, wo etwas passieren kann. Das hat er zweimal wirklich super gemacht.“

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

2011/2012: Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke): 29 Tore © AP
2010/2011: Mario Gomez (FC Bayern), 28 Tore. © ap
2009/2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg), 22 Tore © Getty
2008/2009: Grafite (VfL Wolfsburg), 28 Tore © Getty
2007/2008 (FC Bayern München), 24 Tore © Getty
2006/2007: Theofanis Gekas (VfL Bochum), 20 Tore © Getty
2005/2006: Miroslav Klose (Werder Bremen), 25 Tore © Getty
2004/2005: Marek Mintal (1. FC Nürnberg), 24 Tore © Getty
2003/2004: Ailton (Werder Bremen), 28 Tore © Getty
2002/2003: Giovane Elber (FC Bayern München), 21 Tore © Getty
2002/2003: Thomas Christiansen (VfL Bochum), 21 Tore © Getty
2001/2002: Martin Max (TSV 1860 München), 18 Tore © Getty
2001/2002: Marcio Amoroso (Borussia Dortmund), 18 Tore © Getty
2000/2001: Ebbe Sand (FC Schalke 04), 22 Tore © Getty
2000/2001: Sergej Barbarez (Hamburger SV), 22 Tore © Getty
1999/2000: Martin Max (TSV 1860 München), 19 Tore © Getty
1998/99: Michael Preetz (Hertha BSC), 23 Tore © Getty
1997/98: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1996/97: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1995/96: Fredi Bobic (VfB Stuttgart), 17 Tore © Getty
1994/95: Heiko Herrlich (Borussia Mönchengladbach), 20 Tore
1994/95: Mario Basler (Werder Bremen), 20 Tore © Getty
1993/94: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty
1993/94: Stefan Kuntz (1. FC Kaiserslautern), 18 Tore © dpa
1992/93: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 20 Tore © dpa
1992/93: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 20 Tore © dpa
1991/92: Fritz Walter (VfB Stuttgart, links), 22 Tore © Getty
1990/91: Roland Wohlfahrt (FC Bayern München), 17 Tore © Getty
1989/90: Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty

Cissés Ein-Mann-Show ließ die St. Paulianer verzweifeln. Zwar scheiterte der Afrikaner erst mit einem unberechtigten Handelfmeter an Torwart Thomas Kessler (10. Minute). Doch später entnervte er dank seiner Kaltschnäuzigkeit und Effizienz die Hanseaten. Die lagen durch Marius Ebbers (13.) und Gerald Asamoah (68.) zweimal in Führung, doch beide Male war Cissé (61./75.) zum Ausgleich zur Stelle. Kurz vor seinem zweiten Tor rettete er zudem bei Ebbers' Schuss für seinen schon geschlagenen Schlussmann Oliver Baumann auf der Linie (74.). Keine 60 Sekunden später war er schon wieder vorn und lupfte nach Baumanns Abstoß das Leder gekonnt über Kessler hinweg in die Maschen.

“Er hat es super gemacht, aber wir haben uns da amateurhaft angestellt“, monierte Stanislawski zurecht. Denn der Ball sprang nach dem Abstoß zwischen dem Innenverteidiger-Duo Zambrano/Gunesch auf. Cissé sagte danke und meinte: “Für mich war es ein außergewöhnliches Spiel. Nach dem verschossenen Elfmeter habe ich mich zusammengerissen und dann zum Glück zweimal getroffen.“ Coach Robin Dutt weiß, dass er sich auf seine Nummer 9 verlassen kann. “Er lässt sich nicht so schnell durcheinanderbringen“, sagte er über den vergebenen Elfmeter. Und ergänzte angesichts der Fehlentscheidung von Referee Markus Wingenbach, der Zambranos Kopfball als Handspiel auslegte, fair: “Es war ganz in Ordnung, dass wir nicht getroffen haben.“

Während die Gäste trotz des Kontakts zu den Europacup-Plätzen “weiter nur unser Saisonziel von 40 Punkten verfolgen wollen“, wie Dutt betonte, geht für den FC St. Pauli der Abstiegskampf weiter. Zwar stand der Aufsteiger in dieser Saison noch nicht auf einem Abstiegsplatz, doch angesichts der Erfolge der Konkurrenz und des erneut verpassten dritten Heimsieges wird es allmählich eng. “Wir stehen gefühlt mit leeren Händen da“, gab Manndecker Ralph Gunesch enttäuscht zu. Coach Stanislawski will dagegen lieber die “leichten Fehler analysieren und abstellen, vor allem aber das Positive aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen“.

So traf Torjäger Ebbers, dessen 20 Zweitliga-Treffern aus dem Aufstiegsjahr nur zwei in der Hinrunde folgten, im ersten Match 2011 endlich wieder. “Ich wusste, er hat das Toreschießen nicht verlernt“, so Stanislawski. Außerdem habe seine Mannschaft bewiesen, “dass wir körperlich voll da sind und mit fast allen Teams der Liga mithalten können“. Nur einen Cissé hat der FC St. Pauli eben nicht.

dpa

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