"Clasico": Real ohne deutsche Stars

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Der eine verletzt, der andere auf der Bank: Mesut Özil und Sami Khedira werden gegen Barcelona nur zuschauen.

Madrid - Sami Khedira ist verletzt und Mesut Özil droht die Ersatzbank. Die deutschen Nationalspieler in Diensten von Real Madrid müssen sich gegen den Erzrivalen FC Barcelona wohl mit der Zuschauerrolle begnügen.

Sami Khedria fehlt verletzt, Mesut Özil droht die Bank: Nachdem die beiden Fußball-Nationalspieler dem Spiel von Real Madrid während der ganzen Spielzeit ihren Stempel aufgedrückt haben, scheint es ausgerechnet vor dem bisher wichtigsten Saisonspiel mit der deutschen Herrlichkeit bei den Königlichen vorbei zu sein. Zwischen Özil und seinem Traum vom Final-Einzug in der Champions League steht am Mittwoch im Halbfinal-Hinspiel (20.45 Uhr/Sky) nicht nur der Erzrivale FC Barcelona, sondern wohl auch der brasilianische Superstar Kaka.

„Er hat fantastisch gespielt“, sagte Reals Trainer Jose Mourinho über Kaka, der am Samstag beim 6:3 in der Primera Division beim FC Valencia für Özil zum Einsatz kam und dabei zwei Treffer erzielte sowie zwei Tore vorbereitete. Zwar sollte Özil in Valencia für das dritte Duell mit Barcelona innerhalb von elf Tagen geschont werden, doch die Vorstellung seines Mittelfeld-Konkurrenten hat Mourinho offenbar zum Umdenken veranlasst. „Für sein Selbstvertrauen ist es toll. Denn wir brauchen den bestmöglichen Kaka in den verbleibenden Spielen“, erklärte Mourinho.

Diese Deutschen spielten bei Real Madrid

Nach Sami Khedira (links) ist Mesut Özil der zweite Deutsche im aktuellen Starensemble von Real Madrid. Vor ihnen standen schon sechs Profis aus Deutschland bei den “Königlichen“ unter Vertrag. Zeitraum © dpa
Günter Netzer spielte von 1973 bis 1976 in Madrid. Er absolvierte 85 Spiele und schoß 9 Tore. Netzer gewann mit Real 1975 das "Double" und 1976 die Meisterschaft. © dpa
Paul Breitner spielte von 1974 bis 1977 bei Real. Seine Bilanz: 84 Spiele und 9 Tore. Breitner gewann mit den "Königlichen" 1975 die spanische Meisterschaft und den Pokal. 1976 verteidigte er mit Real die Meisterschaft. © dpa
Uli Stielike spielte von 1977 bis 1985 bei den Königlichen. In dieser Zeit stand er 215 mal auf dem Platz und traf 41 mal. Mit Real Madrid wurde er 3 mal Spanischer Meister (1978, 1979, 1980) und 1985 UEFA-Pokalsieger. © Getty
Bernd Schuster spielte von 1988 bis 1990 für die "Königlichen". Seine Bilanz: 61 Einsätze und 13 Tore. Als Spieler gewann er mit Real 1989 und 1990 die spanische Meisterschaft. Von 2007 bis 2008 trainierte er den Verein später. Er holte mit Real einmal die spanische Meisterschaft sowie den spanischen Supercup. © dpa
Bodo Illgner spielte von 1996 bis 2001 bei Real. Er brachte es dort auf 91 Einsätze. Der Keeper schoss kein Tor. Er wurde mit den Madrilenen zweimal (1997 und 2001) spanischer Meister, holte zweimal die Champions League (1998 und 2000). Außerdem gewann Illgner mit Real 1998 auch den Weltpokal. © dpa
Christoph Metzelder spielte von 2007 bis 2010 bei Real. Er brachte es in dieser Zeit auf 23 Einsätze, schoss aber kein Tor. Er holte mit dem Verein 2008 sowohl die spanische Meisterschaft als auch den Supercup. © dpa
Sami Khedira wechselte im Kuli 2010 zu Real. er absolvierte dort noch kein Pflichtspiel. Sein Debüt für seinen neuen Verein gab er am 13. August 2010 gegen den FC Bayern München in einem Testspiel (im Duell gegen Franck Ribéry, rechts). © dpa
Mesut Özil gab am 17. August seinen Wechsel zu Real Madrid bekannt. Er verließ den Verein im Sommer 2013 und wechselte für 50 Millionen Euro zum FC Arsenal. © dpa
Und gleich der nächste Deutsch-Türke aus dem Ruhrpott, den es zu den Königlichen zog: Nuri Sahin gab am 9. Mai 2011 bekannt, dass er in Madrid einen Vertrag bis 2017 unterschrieben hat. Nach einem Jahr ließ er sich aber schon wieder nach Liverpool verleihen. Auch dort wurde er nicht glücklich und wechselte im Januar 2013 zu Borussia Dortmund. © dpa
Toni Kroos, Real Madrid
Am 17. Juli 2014 wurde der Wechsel von Toni Kroos vom FC Bayern zu Real Madrid bekannt gegeben. Der Weltmeister erhält bei den Königlichen einen Sechs-Jahres-Vertrag. © dpa

Am offenbar bereits feststehend Finaleinzug der Königlichen dürften die Personalentscheidungen Mourinhos allerdings nichts ändern. Schließlich hat die Orakal-Krake Iker, die nach Real-Torwart Iker Casillas benannt wurde, den Erfolg Madrids im Duell mit Barcelona in der Champions League prophezeit. Die Krake aus dem Aquarium in Benalmadena hatte auch schon die Ergebnisse der zurückliegenden beiden Begegnungen der Erzrivalen richtig vorhergesagt.

Kaka, der nach dem Valencia-Spiel mal eben zur Geburt seiner Tochter Isabella nach Brasilien geflogen war, stellte aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen in den vergangenen Monaten keine Gefahr für Özil dar. Da der frühere Star des AC Mailand in Spanien nie die Form früherer Tage erreicht hatte, wurde in der Hauptstadt bereits über den Abgang des 29-Jährigen spekuliert. Nun scheint sich das Kräfteverhältnis zu Ungunsten Özils, der schon beim 1:0 Reals nach Verlängerung im Pokalfinale gegen Barcelona in der vergangenen Woche ausgewechselt wurde, zu verschieben.

Trotz der drohenden Verbannung auf die Ersatzbank hat Özils Selbstbewusstsein keinen Schaden genommen. „Wir wissen natürlich, wie stark Barcelona ist. Die spielen schließlich schon seit Jahren zusammen. Aber ich freue mich auf das Duell. Wir wollen uns durchsetzen - und das werden wir auch schaffen“, sagte der 22-Jährige: „Ich bin nach Madrid gegangen, um mich weiter zu entwickeln und Titel zu holen. Die Mannschaft hat das Potenzial, den Titel zu gewinnen.“

Den Weg des Rekordmeisters zum zehnten Titelgewinn in der Königsklasse könnte allerdings ein anderer Deutscher versperren - das sieht jedenfalls die Real-nahe Sportzeitung AS so. Das Blatt nahm Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) ins Visier, der laut AS ein Anhänger von Barca-Superstar Lionel Messi ist. „Stark, ein Fan von Messi“, titelte die Zeitung und bezog sich auf Aussagen Starks während der WM 2010. In Südafrika hatte der Unparteiische den Argentinier als einen der besten Spieler der Welt bezeichnet.

Dass Stark von den Bundesliga-Profis zuletzt zum schlechtesten Referee gewählt wurde, bekam der Deutsche in diesem Zusammenhang gleich mit auf's Brot geschmiert. Auch der klare Elfmeter, den Stark den Königlichen beim 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel bei Olympique Lyon verweigert hatte, kam natürlich noch einmal zur Sprache und passte perfekt in die Verschwörungstheorie gegen Real.

Der ganze Trubel im Vorfeld des seit langer Zeit ausverkauften Clasico hat die Schwarzmarktpreise für die Eintrittskarten noch einmal deutlich in die Höhe getrieben. Bis zu 1500 Euro müssen die Fans berappen, um ihre Lieblinge im vierten Duell der laufenden Saison bewundern zu können. Während der Pokalsieg an Real ging, sah Barcelona in der Liga (5:0, 1:1) besser aus. Nicht zuletzt deshalb führen die Katalanen die Tabelle acht Punkte vor Madrid an.

Neben Khedira (Muskelfaserbündelriss) muss Real auch ohne den gesperrten Abwehrchef Ricardo Carvalho auskommen. Bei Barcelona fehlt neben Eric Abidal, Adriano Correia und Maxwell auch Andres Iniesta. Warum der spanische Welt- und Europameister nicht aufläuft, ist allerdings nicht bekannt. „Andres Iniesta fällt aus. Er wird zu hundert Prozent nicht dabei sein“, sagte Josep Guardiola am Dienstag. Mehr ließ sich der Barca-Trainer nicht entlocken. - Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Madrid: Casillas - Ramos, Albiol, Arbeloa, Marcelo - Diarra, Alonso, Pepe - Kaka, Cristiano Ronaldo, Di Maria. - Trainer: Mourinho

Barcelona: Valdes - Alves, Mascherano, Pique, Puyol - Keita, Busquets, Xavi - Pedro, Messi, Villa. - Trainer: Guardiola

sid

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