Langer Aufenthalt im Krankenhaus

Corona-Erkrankung bei englischem Klub-Boss - Im Todeskampf: „Ich dachte, ich sterbe!“

Anthony Johnson (links) und Bernard Morley stehen an der Seitenlinie und coachen ihr Team den Chester FC.
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Anthony Johnson (l) ist zusammen mit Bernard Morley für den Chester FC verantwortlich.

Das Coronavirus macht vor niemandem Halt. Das musste der Chef eines englischen Fußballklubs am eigenen Leib erfahren - mit beinahe tödlichem Ausgang.

Chester - Berichte über das aktuelle Infektionsgeschehen oder Meldungen über weitere Corona-Tote sind seit dem Ausbruch der Pandemie ein Teil jeder Nachrichtensendung. Doch sobald eine dieser Zahlen vermenschlicht wird, macht es uns noch einmal mehr über das tatsächliche Ausmaß der Tragödie bewusst. Das Virus macht vor niemandem Halt. Es könnte jeden treffen.

Diese Erfahrung durchlebte auch der Chef eines englischen Fußballvereins und verlor dabei beinahe sein Leben. Anthony Johnson ist ein Teil des zweiköpfigen Managerteams des Chester FC. Der Verantwortliche des Sechstligisten gewährt Einblicke in seinen Aufenthalt im Krankenhaus und spricht über den Verlauf der Corona-Infektion.

Corona-Erkrankung sorgt für Todeskampf bei englischem Klub-Boss: „Ich dachte, ich sterbe!“

Der 38-Jährige wies keine körperlichen Vorerkrankungen auf und hatte bereits im November 2020 eine Corona-Infektion mit minder schweren Symptomen überstanden. Nach seinem zweiten positiven Testergebnis ging Johnson von einem ähnlich milden Verlauf aus. Doch eine Woche später verschlechterte sich die gesundheitliche Lage des Engländers schlagartig und er musste ins Krankenhaus gebracht werden.

„Das war ohne Zweifel die schrecklichste Zeit meines Lebens. Für ein oder zwei Tage dachte ich, das war es jetzt, ich sterbe“, gibt der Familienvater zu.

Seine Körpertemperatur war auf 41 Grad gestiegen und der Sauerstoffanteil im Blut drastisch gesunken. Außerdem stellten die Ärzte bei der Untersuchung ein drohendes Nierenversagen fest. Die Situation war ernst. Über die nächsten Tage hinweg wurde eine Lungenpneumonie diagnostiziert und Johnson musste dauerhaft eine Maske tragen, um die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten.

Chester FC-Boss Anthony Johnson hielt sich für einen Betrüger: „So arm kann ich nicht dran sein.“

Trotz seiner prekären Situation hielt sich der Team-Chef des englischen Fußballklubs für einen Schwindler, da er deutlich jünger als die restlichen Patienten der Corona-Station wäre und es ihm gar nicht so schlecht gehen könnte.

„Ich sagte zu den Schwestern und den Ärzten, dass ich weiß, dass ich nicht so arm dran bin wie jeder andere hier“, gibt Johnson zu. Doch der Doktor machte ihn auf den Ernst der Lage aufmerksam und klärte ihn darüber auf, dass seine Nieren versagen würden und dass der Sauerstoffgehalt seines Blutes den niedrigsten Wert aller Patienten aufweist. Ein Schock für den 38-Jährigen.

„Als er das gesagt hat, hat das einen Nerv bei mir getroffen und mir klar gemacht, wie kurz ich vor einem möglichen Tod stehe“, erinnert sich Johnson zurück. Erst jetzt war der Manager des Amateurklubs sich der Gefahr des Virus bewusst.

Unterstützung von Familie und Freunden: Johnson auf dem Weg der Gesundung

Als eine der schwierigsten Begleiterscheinungen des Krankenhausaufenhaltes nennt der Vater dreier Kinder die Abwesenheit von seiner Familie. Seit der Geburt war er noch nie so lange von ihnen getrennt gewesen. Die regelmäßigen Telefonate heiterten ihn auf. Sehen sollten ihn seine Kinder allerdings nicht, da er ihnen seinen kritischen Zustand nicht offenbaren wollte.

Auch seine Teamkollegen unterstützen ihn in dieser schlimmen Zeit. Johnson spricht von tausenden Genesungswünschen und Nachrichten, die er erhalten habe: „Du merkst, wie wichtig du für manche Menschen bist. Die Spieler haben mir ein Video zusammen mit Bernard Morley geschickt. Ich habe geweint. Und ich habe in meinem ganzen Leben noch nie geweint.“

Anfang August wurde der 38-Jährige aus der Ambulanz entlassen. Noch nicht vollständig genesen, aber auf dem Weg der Besserung. Für das Personal der Station findet Johnson nur lobende Worte. Er bewunderte die Arbeitsmoral und die Menge an Arbeit, die sie trotz des hohen Drucks erledigen.

Johnson spricht über seine Pläne für die Zukunft

Auch wenn diese Krankheit ein einschneidendes Erlebnis für den Engländer war, will er sein Leben nicht drastisch ändern. Vielmehr möchte er es aus einer neuen Perspektive betrachten und seine Prioritäten anders bewerten.

„Dinge passieren in einem Fingerschnippen. In einer Minute trinkst du noch ein Bier mit deinen Freunden, einen Tag später erkrankst du an Covid und eine Woche später befindest du dich im Krankenhaus angehängt an jeglicher Art von Maschinen. Das Leben ist sehr, sehr kostbar“, resümiert der 38-Jährige die vergangene Zeit.

Mittlerweile steht Anthony Johnson wieder an der Seitenlinie des Chester FC. Zusammen mit seinem Co-Manager Bernard Morley peilt er den Aufstieg in die National League an. Die letzte Saison wurde aufgrund der Corona-Pandemie frühzeitig abgebrochen. Damals stand Chester FC auf dem dritten Platz. Die Marschroute des Klubs für die kommende Spielzeit ist klar. (men)

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