Wie geht es weiter?

Wackelt jetzt der Liga-Neustart? Große Unsicherheit nach drei Corona-Fällen beim 1. FC Köln

Die Zweifel am Bundesliga-Neustart wachsen: Nach den drei Coronafällen von Köln häufen sich die kritischen Stimmen.

  • Nach drei Coronafällen beim 1. FC Köln häufen sich die kritischen Stimmen an einem Bundesliga-Start in naher Zukunft.
  • Beim FC Bayern fielen alle Coronatests bisher negativ aus.
  • Am Mittwoch könnte eine Entscheidung zur Zukunft der Bundesliga fallen

Weitere positive Fälle in der Liga waren bis gestern nicht gemeldet. Auch beim FC Bayern fielen alle Coronatests bisher negativ aus.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor der Entscheidung am Mittwoch. Da beratschlagen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder auch über die Fußball-Bundesliga.

Corona-Krise: Was genau ist in Köln passiert?

Der 1. FC Köln hat seine Mannschaft, den Trainer- und Betreuerstab am vergangenen Donnerstag auf Covid-19 testen lassen. Drei der rund 60 Tests waren positiv. Betroffen sind zwei Spieler und ein Physiotherapeut, deren Namen nicht genannt wurden. Die flächendeckenden und regelmäßigen Untersuchungen werden seit letzter Woche bei allen Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga durchgeführt, um in absehbarer Zeit eine Rückkehr ins Mannschaftstraining möglich zu machen.

Karl Lauterbach ist weiter gegen Geisterspiele.

Corona-Fälle in Köln: Welche Folgen haben die positiven Tests? 

Die drei betroffenen Personen, die bislang allesamt keine Symptome zeigen, haben sich in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne begeben. Der Trainingsbetrieb in Köln soll ab heute wie geplant weiterlaufen. Dies sei laut Club möglich, weil seit dem 6. April im Teamtraining „Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen“ eingehalten wurden. Dennoch teilte der Club mit, dass er diese Woche bereits ein Quarantäne-Trainingslager plant.

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Warum müssen nicht alle Kölner Spieler und Mitarbeiter in Quarantäne?

Das ist eine Entscheidung des Gesundheitsamts. Die Behörde ermittelt nach einem positiven Coronatest, wer wie intensiv Kontakt mit dem Infizierten hatte. Das Gesundheitsamt stufte die negativ getesteten Kölner Kicker und Mitarbeiter als Kontaktpersonen der Kategorie 2 ein. In Kategorie 1 fallen etwa Personen, die mit Infizierten im selben Haushalt leben oder in direkten Kontakt zu Körperflüssigkeiten des Betroffenen gekommen sein könnten – etwa in einem mindestens 15-minütigen, direkten Gespräch ohne Mindestabstand. Das soll in Köln nicht der Fall gewesen sein – somit müssen sich nur die Infizierten in häusliche Quarantäne begeben.

Wie hat die DFL auf Coronafälle beim 1. FC Köln reagiert?

Tim Meyer, Leiter der DFL-Task-Force, sieht das Konzept der Liga durch die Ergebnisse aus Köln bestätigt. „Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert“, sagte er Sport1, musste aber gleichwohl einräumen: „Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage.“ Eine hundertprozentige Sicherheit hatten Meyer und sein Team von Anfang an ausgeschlossen, es geht vielmehr um ein „medizinisch vertretbares Risiko“.

Coronafälle beim 1. FC Köln: Gibt es von Merkel am Mittwoch trotzdem grünes Licht?

Welchen Einfluss haben die Fälle auf die politische Entscheidung am Mittwoch? Experten gehen weiter davon aus, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder der Bundesliga am Mittwoch grünes Licht für den Neustart geben. Aber es gibt natürlich auch kritische Stimmen. Karl Lauterbach, Gesundsheitsexperte in Reihen der SPD und derzeit lautstärkster DFL-Kritiker, erklärte: „Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fußball soll Vorbild sein, nicht Brot und Spiele.“

Tim Meyer: „System nicht 100 Prozent sicher“

Innenminister Horst Seehofer (CSU), zugleich Sportminister, sprach sich zwar für einen Wiederbeginn im Mai aus, warnte zugleich vor einer Sonderrolle. Er sagte der „Bild am Sonntag“: „Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne.“ Dieses Vorgehen gilt erst, wenn die Bundesligisten das Teamtraining mit direktem Körperkontakt wieder aufgenommen haben. Es könnte schnell zum (endgültigen) Ende der Saison 2019/2020 führen.

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