Katar-Qualifikation schon am Montag?

„Geiler Haufen“ - Flick und DFB-Stars feiern - bemerkenswerte Fan-Reaktionen, aber Kritik an Werner

Vierter Sieg im vierten Spiel: Hansi Flick ist beim DFB perfekt gestartet.
+
Vierter Sieg im vierten Spiel: Hansi Flick ist beim DFB perfekt gestartet.

Die DFB-Elf hat dank einer Energieleistung Rumänien besiegt. In Hamburg zeigen sich Team und Fans als Einheit. Kritik gibt es nur an Timo Werner.

Hamburg - Es sind Bilder, wie man sie von Nationalmannschafts-Auftritten nicht mehr gewohnt ist: Ekstatische Fans feiern das DFB-Team. Der Trainer genießt das Bad in der Menge. Startrekord-Jäger Hansi Flick posierte lächelnd für Selfies mit den jubelnden Fans und schrieb eifrig Autogramme, bevor er winkend in die Nacht entschwand. Der vierte Sieg in seiner Amtszeit war zwar hart erkämpft, umso größer war die Erleichterung beim Bundestrainer und seinem "geilen Haufen" nach dem späten Tor von Super-Joker Thomas Müller (81.).

"Es gehört zur Entwicklung dazu, dass man ein Spiel, in dem es nicht so läuft, voller Begeisterung erfolgreich beendet", sagte Ex-FC-Bayern-Trainer Flick nach dem 2:1 (0:1) gegen Rumänien in Hamburg und stellte zufrieden fest: "Wir waren sehr gierig, das Spiel zu gewinnen. Die Mannschaft hat gefightet, nie aufgesteckt und mit Selbstvertrauen gespielt."

DFB-Team: Am Montag winkt schon die Quali für die Katar-WM

Nun winkte eine Blitz-Quali für die WM: In Nordmazedonien könnte sich die DFB-Auswahl nach ihrem Sieg des Willens bereits am Montag (20.45 Uhr/RTL) vorzeitig für die Wüsten-WM in Katar 2022 qualifizieren. Doch die Begegnung gegen die widerspenstigen Rumänen hat auch gezeigt, dass der Weg zurück an die Weltspitze steinig ist.

"Es war unser Manko, dass beim letzten Pass und im letzten Drittel die Präzision gefehlt hat. Man muss in der Box die richtige Positionierung haben. Daran werden wir arbeiten", versprach Flick, der mit einem weiteren Sieg in der Tose-Proeski-Arena in Skopje den Startrekord seines Vorgängers Joachim Löw einstellen würde.

Flick kritisiert Timo Werner: „Hat zu nah am Tor agiert“

Kritik hatte Flick an seinem Stürmers Timo Werner. "Er hat zu nah am Tor agiert statt reinzustarten", monierte der 56-Jährige. "Das kann er besser machen, und das erwarten wir auch von ihm. Da müssen wir die Abläufe nochmal trainieren", sagte Flick über den schwächsten deutschen Spieler an einem stimmungsvollen Abend im Volksparkstadion.

"Wir wollten nach dem Rückstand unbedingt gewinnen. Da war es nicht ganz so einfach mit der Balance", erklärte Flick. Der frühe Rückstand durch Ianis Hagi (9.) machte es für seine Elf kompliziert, erstmals seit dem Herbst 2017 wieder vier Siege in Folge einzufahren. Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer gaben nicht nur beim Gegentor keine gute Figur gegen den Weltranglisten-42. ab.

Fans honorieren Einsatz der DFB-Elf - Standard-Tor freut Flick besonders

Doch insgesamt überwog das Positive, was auch die Fans honorierten. Die Körpersprache stimmte, das Engagement war groß, es stand eine Einheit auf dem Platz. "Wir wissen, selbst wenn wir mal in Rückstand geraten, muss nicht alles zusammenbrechen. Wir sind ein geiler Haufen", hob Müller hervor. Sein Treffer nach dem Ausgleich durch Serge Gnabry (52.) bedeutete den ersten Sieg einer DFB-Auswahl nach einem Pausen-Rückstand in einem Pflicht-Heimspiel seit 1937.

Auch das ist neu beim deutschen Team: Treffer nach Standards. Dass das 2:1 nach einer Ecke von Joshua Kimmich und einer Kopfballverlängerung von Leon Goretzka gefallen war, freute Flick besonders. Er wollte Standardtrainer Mads Buttgereit zwar keine Gehaltserhöhung versprechen, man sei bei den Problemfeldern Ecken und Freistößen aber schon "einen Tick weiter" gekommen.

Von der Distanz zu den Fans war diesmal nichts zu spüren. Die Anhänger trieben die Mannschaft unermüdlich nach vorne. "Als das 2:1 fiel, war da schon eine kleine Explosion", sagte Müller über das Zusammenspiel mit den Anhängern nach seinem 40. Tor im 107. Länderspiel: "Wir haben einen langen Atem benötigt."

Gegen Nordmazedonien noch eine Rechnung offen - Blamage im Hinterkopf

Und an die "eigenen Stärken geglaubt", wie Marco Reus feststellte. Der Dortmunder, der in der Startelf den Vorzug gegenüber Müller erhalten hatte, kritisierte aber auch, dass "der letzte Pass gefehlt" habe. Und: "Wir hätten auch einfach mal schießen können."

Flick will die Fehler am Regenerationstag im sonnigen Hamburg noch einmal aufarbeiten. Am Sonntag geht nach dem Abschlusstraining am Millerntor dann der Flug nach Nordmazedonien. Dort soll auch Torhüter Manuel Neuer nach seinen Adduktoren-Problemen wieder zur Verfügung stehen.

Mit dem Balkanstaat ist noch eine Rechnung offen. Die 1:2-Blamage im März in Duisburg haben die Spieler noch im Hinterkopf. "Wir wollen das Spiel nach der Niederlage im Hinspiel unbedingt gewinnen und uns qualifizieren", gab Antreiber Kimmich die Richtung vor. Oder wie es Matchwinner Müller formulierte: "Ende gut, alles gut." (cg mit dpa)

Auch interessant

Kommentare