Deutschland - Argentinien

Löws letztes Aufgebot: Debütantenball statt Härtetest gegen Argentinien

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Findet Bundestrainer Jogi Löw den Notausgang? Zuletzt in Nordirland traf Serge Gnabry zum 2:0. Der Bayer ist am Mittwoch auch am Ball, 13 andere Spieler mussten verletzungsbedingt absagen.

13 Ausfälle beim DFB - Bundestrainer Joachim Löw triff mit einer Rumpfmannschaft auf Argentinien. Die Lage ist angespannt und unerfreulich. 

Dortmund - Es hatte durchaus Symbolkraft: Als Joachim Löw (59) am Dienstag noch einige Minuten auf seinen Auftritt bei der Pressekonferenz im Deutschen Fußball-Museum warten musste, lehnte der Bundestrainer am Notausgang. An der Wand der Flucht- und Rettungsplan. Rette sich, wer kann, lautet auch bald das Motto vor dem Länderspiel gegen Argentinien (Mittwoch, 20.45 Uhr, RTL). 13 Spieler stehen definitiv nicht zur Verfügung (Jonathan Tah fällt wegen einer Erkältung auch noch aus), mit Marco Reus (Knieprobleme) ist ein weiterer Akteur angeschlagen. Mit dem letzten Aufgebot gegen den Finale-Gegner der WM 2014!

„Die Gesamtlage ist sehr angespannt und unerfreulich. So viele Absagen hat es selten oder noch nie gegeben“, bemerkte der Bundestrainer und blickte direkt in eine düstere Zukunft: „Das macht die Sache im Hinblick auf die EM 2020 schon ein bisschen schwieriger. Wir hätten das Jahr schon nutzen wollen, um uns vorzubereiten, einzuspielen. Das werden wir jetzt nicht können.“

Deutschland trifft auf Argentinien zum Freundschaftsspiel. Joachim Löw hat viele Ausfälle zu beklagen. Wir begleiten das Spiel im Live-Ticker. 

Findet Bundestrainer Jogi Löw den Notausgang?

Und so muss sich Löw aus den verbliebenen Akteuren ein Team basteln. Langsam, aber sicher rennt Jogi die Zeit davon, wie er gestern gestand: „Ganz optimal ist es in den letzten Monaten nicht gelaufen. Im März und Juni hatte man das Gefühl, dass viele Dinge fließender sind und greifen. Doch dann gab es nach der Sommerpause einen Bruch…“ Trotz der vielen Verletzten nimmt Löw seine Mannschaft für die nächsten beiden Spiele in die Pflicht. „Ich erwarte, dass jeder einzelne Spieler versucht, seine Chance zu nutzen. Was man erwarten kann, ist, dass die Mannschaft engagiert, seriös und mit viel Einsatz zu Werke geht“, fordert Löw. In einigen Einzelgesprächen schwor der Bundestrainer seine Mannschaft auf die „komplizierte Situation“ ein, wie sie Julian Brandt bezeichnete. Und die Spieler hörten ihrem Chef zu. „Dass nicht alles klappen wird, ist klar“, sagte Brandt: „Was man von uns aber erwarten kann, ist Einsatz.“

„Die Spieler sind körperlich absolut am Limit“

Den geforderten Einsatz werden sicherlich auch Niklas Stark und Luca Waldschmidt zeigen, die beiden Neulinge stehen definitiv in der Startelf. Dass da viele Abläufe nicht stimmen können, dürfte allen klar sein. Anführer auf dem Feld sollen Abwehrchef Niklas Süle und Joshua Kimmich sein, der wohl die Kapitänsbinde tragen wird. Die Flut an Spielen und die aufgeblähten Wettbewerbe macht Löw für die Personalprobleme verantwortlich. „Die Spieler sind körperlich absolut am Limit angelangt. Wir wollen nicht diesen hohen Verschleiß und machen uns da ein bisschen Sorgen.“

Bleibt zu hoffen, dass sich die Personallage zumindest bis zum EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Tallinn gegen Estland entspannt. Bis dahin sollte Jogi zumindest wieder auf Timo Werner (krank), Tah, Reus und Gündogan zurückgreifen können. 

Deutschland – Argentinien (Mi., 20.45 Uhr in Dortmund)

Trainer

Joachim Löw

Lionel Scaloni

Gut drauf

ter Stegen, Waldschmidt

Dybala, Martinez

Fehlen

Trapp, Hector, Schulz, Rüdiger, Kroos, Ginter, Kehrer, Sané, Draxler, Goretzka, Gündogan, Werner

Messi, Agüero, di Maria, Lo Celso

Taktik

Löw dürfte weiterhin auf eine Viererkette hinten setzen, im Tor steht ter Stegen.

Die großen Namen fehlen, Argentinien wird aber dennoch offensiv auftreten.


Deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

***

Die DFB-Bilanz gegen Argentinien: 8.6.1958 Malmö Argentinien – DFB 1:3 (WM-Vorrunde). – 16.7.1966 Birmingham DFB – Argentinien 0:0 (WM-Vorrunde), 14.2.1973 DFB – Argentinien 2:3, 5.6.1977 Argentinien – DFB 1:3, 12.9.1979 DFB – Argentinien 2:1, 1.1.1981 Argentinien – DFB 2:1 (Copa de Oro/Mini-WM), 24.3.1982 Argentinien – DFB 1:1, 12.9.1984 DFB – Argentinien 1:3 , 29.6.1986 Argentinien – DFB 3:2 (WM-Finale), 16.12.1987 Argentinien – DFB 1:0, 2.4.1988 Berlin DFB – Argentinien 1:0, 8.7.1990 Rom DFB – Argentinien 1:0 (WM-Finale), 15.12.1993 DFB – Argentinien 1:2 (1:1), 17.4.2002 DFB – Argentinien 0:1, 9.2.2005 DFB – Argentinien 2:2, 21.6.2005 Argentinien – DFB 2:2 (Konföderationen-Cup, Vorrunde), 30.6.2006 DFB – Argentinien 4:2 i.E. (WM-Viertelfinale), 3.3.2010 DFB – Argentinien 0:1 , 3.7.2010 Kapstadt Argentinien – DFB 0:4 (WM-Viertelfinale), 15.8.2012 DFB – Argentinien 1:3, 13.7.2014 DFB – Argentinien 1:0 n.V. (WM-Finale), 3.9.2014 DFB – Argentinien 2:4. – Gesamt: 22 Spiele – 7 Siege* – 5 Unentschieden* – 10 Niederlagen – 31:32 Tore, 

* Anmerkung: Das Spiel, das ins Elfmeterschießen ging, wurde wie vom Weltverband FIFA vorgegeben als Unentschieden gewertet.

Zäher XXL-Umbruch in Argentinien

Es gibt im Kader der argentinischen Nationalmannschaft mittlerweile Spieler wie Walter Kannemann. Das ist ein robuster Innenverteidiger, 28 Jahre alt, er spielt in der brasilianischen Liga für Gremio Porto Alegre. Ein anderer Abwehrspieler im Aufgebot für das Testspiel gegen Deutschland am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) ist der 20-jährige Leonardo Balerdi, der bei seinem Klub Borussia Dortmund in dieser Saison bisher viermal in der Regionalliga spielen durfte. Für den Angriff berief Nationaltrainer Lionel Scaloni unter anderen Nicolas Gonzalez, der dem Zweitligisten VfB Stuttgart in den jüngsten beiden Partien verletzt gefehlt hatte.

Nationaltrainer Lionel Scaloni soll den Umbruch moderieren.

Es sind nur drei Beispiele, die allerdings sinnbildlich für die Kadersituation des zweimaligen Weltmeisters stehen. Der große Glanz ist der Albiceleste verloren gegangen, erst recht in Abwesenheit ihres Weltfußballers Lionel Messi, der die Partie in Dortmund aufgrund einer Sperre verpasst. Unabhängig von Messi treibt Scaloni wie Bundestrainer Löw einen gewaltigen Umbruch voran: aus der Startelf vom WM-Finale 2014 in Rio ist für die Partie in Dortmund lediglich Marcos Rojo von Manchester United übrig.

„Wenn ich mich am Ausmaß von dem, was auf mich zukommt, orientiere, werde ich keinen Schlaf finden“, sagte Scaloni nach Argentiniens Achtelfinal-Aus bei der WM 2018, als er den Nationaltrainer-Job von Jorge Sampaoli übernommen hatte. Seitdem kommt sein Team nur schleppend voran. Nach biederen Auftritten endete der Traum von der Copa America im Sommer im Halbfinale gegen Brasilien (0:2). Anschließend verzettelte sich Messi mit Korruptionsvorwürfen, woraufhin er eine dreimonatige Sperre erhielt.

Manuel Bonke

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