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Frauenfußball-WM

WM-Auftakt gegen China: Zittersieg und Stoßgebet

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Erleichterung bei den Deutschen nach dem Siegtreffer.

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft muss beim 1:0-Arbeitssieg gegen China zum WM-Auftakt viele Widerstände überwinden.

Als dann endlich alles vorbei war im Roazhon Park von Rennes, zeigteMartina Voss-Tecklenburg zunächst keine Regung. Sekunden später faltete die Bundestrainerin beide Hände gen Himmel. „Ich habe mich bedankt für die drei Punkte“, sollte sie später sagen. Der WM-Auftakt der deutschen Frauen-Nationalmannschaft war gerade noch einmal gut gegangen. Insofern passte das spontane Stoßgebet in der rauen Bretagne ja zum 1:0 (0:0)-Arbeitssieg gegen China. Voss-Tecklenburg: „Ein schwieriges Spiel mit allen Widerständen. Wir haben in den ersten 20 Minuten gut begonnen, uns dann aber selbst rausgebraucht.“

Den Siegtreffer in einer anfangs ansehnlichen, später immer unruhigeren Begegnung erzielte die nach der Pause als linke Verteidigerin spielende Giulia Gwinn (66.), die nach einem abgewehrten Eckball mit einem vorbildlichen Vollspannstoß aus 17 Metern traf. „Das gelingt mir kein zweites Mal“, räumte die unbekümmerte 19-Jährige ein, die den Abnutzungskampf vor 15.283 Zuschauern in der zur Hälfte gefüllten Spielstätte von Stade Rennes gut zusammenfasste: „Wir hatten Höhen und Tiefen in unserem Spiel, wir haben viel auf die Socken bekommen. Aber was zählt, sind die drei Punkte.“ In den Annalen steht nun auch Lena Oberdorf, die nach ihrer Einwechslung mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen zur jüngsten deutschen WM-Spielerin aller Zeiten avancierte und Birgit Prinz ablöste. „Das wusste ich gar nicht“, gestand das Toptalent, das eine bemerkenswert stabilisierende Wirkung nach ihrer Hereinnahme hatte.

Viele Chancen für China

Das deutsche Team legte einen schwungvollen Start hin, presste früh und kombinierte gut. Ein Fernschuss von Sara Däbritz verfehlte knapp das Tor (3.), dann flankte Carolin Simon den Ball an die Latte (17.). Doch weil der Gegner nicht den Anflug von Zimperlichkeit zeigte, verlor der zweifache Weltmeister Deutschland zusehends den Faden. Erschwerend kam hinzu, dass Sara Doorsoun in der Innenverteidigung ziemlich neben den Schuhen stand.

Mit einem hanebüchenen Fehlpass brachte sich die Abwehrspielerin das erste Mal in Bedrängnis, bügelte aber den Fauxpas selbst noch aus (14.). „Das darf mir nicht passieren“, räumte die 27-Jährige ein. Ihre Verunsicherung schien auch die Mitspielerinnen anzustecken. So hatte Li Yang den Führungstreffer auf dem Fuß, traf aber nur den Pfosten (44.). Voss-Tecklenburg wollte Schwachpunkt Doorsoun zwar nicht auswechseln, rügte aber „diese Querpässe als klares No-Go, das ist eigentlich nicht erklärbar.“ Etliche Spielerinnen hätten halt die Erfahrung gemacht, „dass ein WM-Spiel noch mal etwas anderes ist.“ Mehr Druck, höhere Anspannung. „Dass wir so viele Chancen zulassen, ist nicht unser Anspruch“, kritisierte Torhüterin Almuth Schult, ohne die Vereinskollegin vom VfL Wolfsburg direkt zu rüffeln. „Sie weiß selbst, was da schiefgelaufen ist.“

Sorgen um Dzsenifer Marozsan

Auch Joti Chatzialexiou, der sportliche Leiter Nationalmannschaft, wollte die Leistung nicht schönreden: „Es war leider kein gutes Fußballspiel aber dafür ein hart umkämpfter dreckiger Sieg. Am Ende war es ein Sieg des Willens und der Mentalität. Ich freue mich ganz besonders über das Tor von Gulia, weil es vor allem für die jungen Spielerinnen in unserem Team wichtig ist mit einem guten Gefühl ins Turnier zu starten.“ Chatzialexiou war es ja, der die Trennung von der als Fußballlehrerin überforderten Steffi Jones vorangetrieben und die Verpflichtung von Voss-Tecklenburg vorangetrieben hatte.

Matchwinnerin: Giulia Gwinn gelingt der Treffer des Tages.

Die gebürtige Duisburgerin stritt sich an der Seitenlinie am Samstag bei diesem Charaktertest sogar einmal erbittert mit dem Kollegen Jia Xiuquan. Hatte der ehemalige Nationalspieler Chinas solch ein rigoroses Einsteigen angeordnet? „Teilweise war es grenzwertig“, urteilte die deutsche Trainerin, die hinterher von zahlreichen angeschlagenen Akteuren berichtete, die entweder auf dem Platz oder in der Kabine behandelt werden mussten. „Wir sind von der Härte überrascht worden. Es sind hier wenige ohne Blessuren rausgekommen.“

Bei Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die nach starkem Beginn abrupt abbaute, besteht wegen einer Sprunggelenksverletzung offenbar die Gefahr, dass der fußballerische Fixpunkt der DFB-Frauen für das zweite WM-Gruppenspiel gegen Spanien (Mittwoch 18 Uhr) ausfällt. Dass dieser Gegner „wieder mehr Fußball spielen will“, sagte Kapitänin Alexandra Popp, „sollte uns entgegenkommen.“ Wobei Voss-Tecklenburg vor der Weiterreise am Sonntag nach Valenciennes forderte: „Unsere Mannschaft kann das besser, und wir erwarten auch, dass sie besser funktioniert.“ Alles nur durch die harte Gangart der nicht umsonst auch „Stahlrosen“ genannten chinesischen Fußballerinnen zu erklären, „das wäre mir zu einfach.“ 

(Frank Hellmann)

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